Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Thora über Blasphemie (555 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.03.2021 um 13:55 Uhr (
Zitieren )
Leviticus/Er rief 24, 10-23:
Mitausgefahren war der Sohn eines jisraelitischen Weibes, der aber eines ägyptischen Mannes Sohn war, inmitten der Söhne Jisraels.
Einst rauften im Lager der Sohn der Jisraelitin und ein jisraelitischer Mann, -
der Sohn des jisraelitischen Weibes tastete den Namen an, er lästerte.
Sie brachte ihn vor Mosche.
Der Name seiner Mutter aber war Schlomit, Tochter Dibris, vom Stabe Dan.
Sie legten ihn in den Gewahrsam,
bis es ihnen erdeutlicht würde nach SEINEM Mund.
ER redete zu Mosche, sprechend:
Führe hinweg den Lästerer außer Lagers,
alle, die hörten, sollen ihre Hände auf seinen Kopf stemmen,
dann sollen sie ihn verschütten, alle Gemeinschaft.
Und zu den Söhnen Jisraels rede, sprechend:
Mann um Mann, wenn er seinen Gott lästert, muß er seine Sünde tragen.
Wer aber den NAMEN antastet, sterben muß er, sterben,
verschütten sollen sie ihn, verschütten, alle Gemeinschaft,
gleich Gast gleich Sproß, um sein Antasten des Namens muß er sterben.
Wenn jemand irgendein Menschenwesen erschlägt, sterben muß er, sterben.
Wer ein Tierwesen erschlägt, bezahle es, Wesenersatz für Wesen.
Wenn jemand seinem Volksgesellen ein Gebrest zufügt: wie er tat, so werde ihm getan,
Bruchersatz für Bruch, Augeersatz für Auge, Zahnersatz für Zahn, wie er dem Menschen Gebrest zufügte, so werde ihm zugefügt.
Wer ein Tier erschlägt, soll es bezahlen, wer einen Menschen erschlägt, soll sterben.
Einerlei Recht sei euch,
gleich sei er Gast, gleich der Sproß,
denn ICH bin euer Gott.
Mosche redete zu den Söhnen Jisraels,
daß sie wegführten den Lästerer außer Lagers und verschütteten ihn mit Steinen.
Die Söhne Jisraels taten, wie ER Mosche geboten hatte.
(Die fünf Bücher der Weisung. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Darmstadt 11 1988, S. 342 f.)
Auch kann man daran erkennen, daß die populäre Übersetzung des 5. Gebotes "Du sollst nicht töten" falsch ist.
Re: Die Thora über Blasphemie
Johannes schrieb am 21.03.2021 um 14:35 Uhr (
Zitieren )
Re: Die Thora über Blasphemie
Γραικύλος schrieb am 21.03.2021 um 14:53 Uhr (
Zitieren )
"Du wirst nicht ...", so lautet wohl die beste Übersetzung. Nur darf man dann im Falle des 5. Gebotes nicht "töten" anhängen, sondern muß "morden" nehmen.
Buber/Rosenzweig übersetzen: "Morde nicht."
Das war freilich nur am Rande von mir bemerkt, während es mir in erster Linie auf den Umgang mit Blasphemie ankam - ein Thema, dem ich derzeit aus Anlaß der erwähnten Neuerscheinung nachgehe.
Re: Die Thora über Blasphemie
Johannes schrieb am 21.03.2021 um 16:22 Uhr (
Zitieren )
Interessant ist auch die Etymologie des ersten
Wortbestandteils, der nicht geklärt scheint.
Blasphemie
Beschimpfung von etwas Heiligem, Gotteslästerung
aus griech.
blasphemia „Lästerung, Schmähung“, zu griech.
pheme „Ausspruch, Wort“ (zu griech.
phanai „sagen, reden, aussprechen“, griech.
phemi „ich sage“); die Herkunft des ersten Wortteiles ist dunkel, vielleicht über eine unbelegte Form griech.
*mlas aus griech.
*melos „Fehler, Böses“, zu griech.
meleos „unglücklich, elend“, oder aus griech.
blabos „Schaden“
https://www.wissen.de/wortherkunft/blasphemie Re: Die Thora über Blasphemie
Γραικύλος schrieb am 21.03.2021 um 23:38 Uhr (
Zitieren )
Danke für den Hinweis. An die Etymologie hatte ich noch nicht gedacht.
Re: Die Thora über Blasphemie
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 30.03.2021 um 16:27 Uhr (
Zitieren )
546) W [urzel] λυ λύ-ω löse, λύ-α Auflösung, Trennung, λύ-σι-ς Lösung, λυ-τἠρ Löser, λύ-τρο-ν Lösegeld.
S[ans]k[ri]t. W. lû lu-nâ-mi seco, disseco.
Lat. re-lu-o löse wieder ein, so-lv-o für se-lu-o (so-lù-tu-s ), lu-o büße.
Goth. lau-s-j-a λύ-ω , laus, los, us-laus-ein-s λύτρωσις .
Bopp Gl., Pott I1 209, Benf. II 8. — Das deutsche laus , ahd. lôs ist wie goth. lis-a No. 538 und wie ahd. hlo-s-ê-m N. 62 durch einen Sibilanten weiter gebildet und wird wohl mit Recht mit goth. fra-lius-an verlieren zusammengestellt, so dass wir einen neuen Stamm lus ansetzen müssen. — Lat. so-lv-o wird schon in Vossius Etymol. in so-lu-o zerlegt und mit so-cors f. so-cor(d)-s verglichen. Die nicht zusammengesetzte Wurzel zeigt sich wahrscheinlich in der altrömischen Göttin Lua , die bald als Lua Saturni , bald als Lua Mater erwähnt wird und mit Preller Röm. Myth. 419 für eine Göttin der Zerstörung zu halten sein wird. Dazu gehört wohl auch lue-s . Über Λύ-α-ιο-ς Pott Ztschr. VI 136 S. 330f.
547) W λυ, λῦ-μα Spülicht, Schmutz, λύ-θρο-ν Besudelung, λύ-μη , Beschimpfung, λυμαίν-ο-μαι beschimpfe, λού-ω wasche, λου-τρó-ν (λο(F)-ε-τρó-ν ) Bad, λου-τήρ Badewanne, λού-τριο-ν gebrauchtes Badewasser.
Lat. lu-o (ad-lu-o, pol-lu-o, di-lu-o ) di-luv-iu-m , ad-luv-ie-s , lu-tor Wäscher, pol-lu-bru-m Waschbecken lu-tu-s , lu-stru-m , lav-e-re , lav-a-re , lau-tu-s
Altn[ordisch] lô-a adluo
Pott I1 208, Benf. II 121, Corssen Beitr. 516. — Aus der Grundbedeutung spülen entwickeln sich alle übrigen, namentlich die des Schmutzes als des abgespülten und daraus die der Beschimpfung (vg. pol-lu-o und προ-πηλακ-ίζω λυμαίνομαι ), andrerseits die der Buße wie bei ποι-νή (No. 373), so dass vielleicht nicht bloß lustru-m Pfütze, sondern auch lûstru-m Sühnopfer hieher gehört, letzteres mit langem u nach Paul. Epit 120 und darum wohl wie λου-τρó-ν mit verstärktem Stamme, beides mit demselben s wie mon-s-tru-m . Eine andere ebenfalls mögliche Etymologie wird bei No. 63 erwähnt. Das altlat. lav-e-re (Ennius Vahl. P. 210) steht mit λού-ειν (hom. Praeter. λó-ε = λóF-ε , selbst attisch λó-ε ι, daneben λοῦ-ται, λοῦ-σθαι ) auf derselben Stufe, es ist durch Zulaut aus λυ entwickelt. — Die W. πλυ (No.369), aus welcher man dies λυ durch Aphäresis hat ableiten wollen, hat eine völlig andere Verzweigung und nicht unerheblich verschiedene Bedeutung. — Diese W. λυ berührt sich in manchen Anwendungen sehr mit No. 546, namentlich in λῦ-μα, λύ-μη, λυ-μαίνω, λυ-μ-εών , welche sämmtlich nicht bloß wie pol-luere Beschimpfung, sondern auch Beschädigung, Verderben bedeutet. Vielleicht sind daher beide Wurzeln ursprünglich eins. Auch mit W. λι (No.542) treten viele Berührungen ein, jedoch ohne dass ich sie zusammenwerfen möchte. S. 331
550) λώβ-η Schmach, λωβά-ομαι , λωβ-εύ-ω , schmähe, höhne, λωβη-τήρ Lästerer. — Lat. lâb-e-s Fleck, Schmach, lâbe-cula .
Pott I1 209, Benf. II 10. — Gewiss scheint, dass diese Wörter zusammen gehören, und dass lâb-e-s macula in vestimento (Paul epit. 121) nicht, wie Klotz im Lexikon behauptet, ursprünglich einerlei mit lâbe-s Fall (vgl. lâb-i, lab-ar-e und skt. lamb labi) ist und sich von diesem nur dadurch unterscheidet, dass es einen Klecks – Klotz nennt diesen ‚einen concreten Fall‘ – bedeutet, sondern davon völlig verschieden ist. Aber ungewiss ist die W., welche in βλαβ βλάπ-τω zu finden, und λώβ-η (f. βλωβ-η ) daraus, wie κόπ-η aus W. καπ (No. 34) abzuleiten mir sehr kühn erscheint. Eher könnte man auf No. 547 zurückgehen und λύμη vergleichen, dann müßte sich β aus F entwickelt haben. Dabei macht aber lâbe-s eine Schwierigkeit. Denn im Lateinischen ist der Übergang von v in b , wenn auch nicht, wie Corssen Beitr. 157 will, unerhört, doch jedenfalls auf einen engen Kreis und bestimmte Lautverbindungen beschränkt. S. 331f.
Öfter begegnen sich π und β . Hier kommen folgende Wörter in Betracht:
ἀβλόπες (wohl richtiger ἀβλoπές ) sagten nach Hesych. die Kreter für ἀβλαβές (Ahr. dor. 84). Obgleich die Kreter statt einer echten Media bisweilen wirklich die Tenuis oder doch einen härteren, den übrigen Griechen als Tenuis erscheinenden Laut gebrauchten (κλαυκιóων = γλαυκιóων, κλάγος= γλάγος , vgl. Mor. Schmidt Ztschr. XII 216), so könnte doch hier das π gerade der ältere Laut und das β von βλάβ-ε-ται (Hom.), βλάβ-η usw. aus π erweicht sein, vielleicht unter dem progressiv assimilierenden Einfluss des anlautenden β (vgl. nô-nu-s ). Da die Lautgruppe βλ nach griechischen Lautgesetzen im Anlaut μλ mit vertritt (W. μoλ βλώ-σκ-ω ), so dürfen wir βλα-π vielleicht auf μλα-π zurückführen und dieses μλα-π als eine durch π determinirte Weiterbildung von der unter No. 457 erörterten W. μαλ betrachten, die sich in dieser Form in μαλα-κό-ς , mit versetztem Vokal in βλάξ zeigt. Das schon dort verglichene skt. mlâ (mlâi ) mit der Bedeutung matt, welk werden würde ein Causativum mlâ-pajâ-mi bilden können, das freilich nicht vorzukommen scheint. Ähnlich Benfey I 524. Homerische Wendungen wie βλάβεται δέ τε γούνατ‘ ἰόντι (T 166, v 34), βλάψε δέ οἱ φίλα γούνατα (H 271), Διόθεν βλαφθέντα βέλεμνα (O 489) begünstigen diese Herleitung mehr als die von Döderlein (Gloss. 323) angenommene von W. βαλ, βάλλειν . Neuerdings (Or. U. Occ. I 574) vergleicht Benfey skt. gla-p-ajâ-mi erschöpfe, nehme mit, lasse in Verfall kommen, indem er annimmt, dass das Organ des Anlauts sich dem des Inlauts assimilirt habe. Von W. mlâ auszugehn, bleibt einfacher. S. 471f.
Georg Curtius: Grundzüge der Griechischen Etymologie. Zweite, erw. Auflage; Leipzig: Teubner 1866
Ich weiß nicht, ob diese Rückführungen dem aktuellen Forschungsstand noch entsprechen, sie zu kennen halte ich jedoch nicht für unnütz.
Re: Die Thora über Blasphemie
Γραικύλος schrieb am 31.03.2021 um 12:44 Uhr (
Zitieren )
Danke für den Buchhinweis.