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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Griechen und das Meer (305 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.03.2021 um 16:35 Uhr (Zitieren)
Xenophon schildert die bewegende Szene in seiner "Anabasis" (IV 7):
[...] Von da [sc. dem Land der Skythenen] marschierten sie in vier Tagen 20 Parasangen weit bis zu einer großen, wohlhabenden und dichtbevölkerten Stadt, die Gymnias hieß. Aus diesem Lande schickte der Herrscher den Griechen einen Führer, damit er sie durch das Land seiner Feinde führe.

Bei seiner Ankunft sagte jener, er werde sie binnen fünf Tagen an eine Stelle führen, von wo aus sie das Meer sehen könnten; andernfalls habe er sein Leben verwirkt.

Als er sie nun in feindliches Land hineinführte, forderte er sie auf zu sengen und zu brennen, woraus denn auch hervorging, daß er deswegen mitkam, nicht aus Wohlwollen für die Griechen.
Am fünften Tage kamen sie wirklich auf den Berg; der Name des Berges war Theches. Kaum waren die ersten hinaufgelangt und hatten das Meer erblickt, erhob sich lautes Rufen. Xenophon und die Nachhut hörten es und meinten, es griffen vorn andere Feinde an; denn von hinten setzten ihnen jeweils die Feinde aus dem verwüsteten Lande nach. Die Leute der Nachhut hatten auch einige von ihnen getötet, andere aus einem Hinterhalt gefangen, dazu ungefähr zwanzig Schilde aus dichtbehaarten, frisch abgezogenen Rindshäuten erbeutet.

Als das Rufen immer mächtiger wurde, je näher sie kamen, und die jeweils Nachrückenden im Laufschritt zu den fortwährend Rufenden aufschlossen und das Rufen um soviel lauter ertönte, je größer die Zahl wurde – da schien dem Xenophon doch, es sei etwas Außerordentliches: er bestieg sein Pferd, nahm Lykios und die Reiter mit und sprengte der Kolonne entlang zu Hilfe.

Und bald schon hören sie, wie die Soldaten „Das Meer! das Meer! [Θάλαττα θάλαττα]“ rufen und wie das Wort von Mann zu Mann weitergegeben wird. Da nun liefen alle, auch die Nachhut, und trieben die Lasttiere und die Pferde an. Als nun alle die Höhe erreicht hatten, umarmten sie einander unter Tränen, sogar die Feldherrn und Hauptleute [ἐνταῦθα δὴ περιέβαλλον ἀλλήλους καὶ στρατηγοὺς καὶ λοχαγοὺς δακρύοντες].

Und auf einmal, wohl weil jemand dazu die Losung ausgab, trugen die Soldaten Steine herbei und schichteten sie zu einem großen Haufen. Oben drauf legten sie eine Menge frischer Rindshäute, Stöcke und die erbeuteten Schilde, und der Führer zerschnitt die Schilde und forderte auch die andern dazu auf.

Darauf entließen die Griechen den Führer, indem sie ihm aus der Heeresbeute Geschenke mitgaben: ein Pferd, eine silberne Schale, eine persisches Kleid und zehn Dareiken. Er bettelte aber vor allem um die Fingerringe und erhielt viele von den Soldaten. Nachdem er ihnen gegen Abend ein Dorf zum Lagern und den Weg zu den Makronen gewiesen hatte, ging er in der Nacht weg.

[Xenophon: Anabasis. Herausgegeben und i](übersetzt von Bernhard Zimmermann. Düsseldorf/Zürich ²1997, S. 248-251)[/i]

- 1 Parsange = 5,7 km
- Dareikos: persische Goldmünze
- Makronen: am Schwarzen Meer lebendes Volk
Re: Die Griechen und das Meer
Γραικύλος schrieb am 07.03.2021 um 16:36 Uhr (Zitieren)
(Xenophon: Anabasis. Herausgegeben und übersetzt von Bernhard Zimmermann. Düsseldorf/Zürich ²1997, S. 248-251)

- 1 Parasange = 5,7 km
 
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