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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die heilsame Inkubation (485 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.03.2021 um 16:15 Uhr (Zitieren)
Besondere Hoffnungen setzten die Asklepios-Jünger auf die Inkubation. Heute bezeichnet man in der Medizin mit diesem Begriff die Phase zwischen Infektion und dem Ausbruch einer Krankheit. Die ursprüngliche (lateinische) Bedeutung von Inkubation jedoch ist „sich zum Schlaf niederlegen“. Bei Asklepios unterzogen sich die Kranken dem sogenannten Tempelschlaf: Man verbrachte eine Nacht in einem speziellen Raum des Heiligtums. Der Gott leistete dabei entweder Soforthilfe, indem er die schlafenden Leidenden noch in derselben Nacht von ihrer Krankheit befreite, oder er erschien ihnen im Traum und gab ihnen einige gute Ratschläge, die man am folgenden Morgen dann mit der Priesterschaft des Heiligtums diskutierte. Besser war natürlich die erste Lösung – über Nacht geheilt zu werden, ist ja die Wunschvorstellung eines jeden Kranken –, aber man war auch mit den Anleitungen für eine erfolgreiche Therapie zufrieden.

[...] Etwa um 300 v. Chr. suchte ein Mann namens Heraieus das Asklepios-Heiligtum von Epidauros auf. Sein zwar nicht lebensbedrohliches, aber doch ärgerliches Handikap bestand in einer ungünstigen Proportionierung des Haarwuchses: „Er hatte“, heißt es in dem Text [Tempelinschrift], „auf dem Kopf keine Haare, am Kinn aber sehr viele. Er schämte sich, da er von den anderen ausgelacht wurde, und schlief im Tempel. Der Gott salbte ihm mit einem Heilmittel den Kopf und bewirkte, dass er Haare hatte.“ Leider gehörte es nicht zu den Gewohnheiten des Asklepios, über die Rezepturen, die er bei seinen Thera-pien anwandte, Auskunft zu geben. So muss auch das hochwirksame Haarwuchsmittel, das dem Heraieus wieder zu einem für ihn erträglichen Äußeren verhalf, für immer ein Geheimnis bleiben.

Gleiches gilt für den denkwürdigen Fall einer Frau namens Kleo, die fünf Jahre lang schwanger gewesen sein soll, ohne dass es zu einer Geburt gekommen war. „Da wandte sie sich um Hilfe an den Gott und schlief im inneren Heiligtum. Sobald sie dort herauskam und das Heiligtum verließ, gebar sie einen Sohn, der, kaum dass er geboren war, sich in einer Quelle wusch und mit der Mutter herumlief.“ So brachte Asklepios also das kaum wiederholbare Wunder zustande, dass ein Kind bei seiner Geburt gleich fünf Jahre alt war. [...]

(Holger Sonnabend: Große Errungenschaften der Antike. Von Caesars Verkehrsplanung bis Demokrits Atomforschung. Wiesbaden 2020, S. 70 f.)
Re: Die heilsame Inkubation
Aurora schrieb am 07.03.2021 um 08:11 Uhr (Zitieren)
So muss auch das hochwirksame Haarwuchsmittel, das dem Heraieus wieder zu einem für ihn erträglichen Äußeren verhalf, für immer ein Geheimnis bleiben.

Vlt. war es diese Pflanze:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bockshornklee
Re: Die heilsame Inkubation
Γραικύλος schrieb am 07.03.2021 um 15:34 Uhr (Zitieren)
Und dann heißt der auch noch Foenum graecum!
 
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