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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Mit dem Kopf gegen die Wand (385 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.03.2021 um 16:44 Uhr (Zitieren)
Die folgenden, vom jüngeren Plinius (ep. III 16) geschilderten Ereignisse haben sich abgespielt zur Zeit des Kaisers Claudius (41-54 u.Z.).
Caecina Paetus, ihr [sc. der Arria] Gatte, war krank und krank auch ihr Sohn, beide todkrank, wie es schien. Der Sohn starb, ein außergewöhnlich hübscher, sittsamer Junge, den Eltern nicht nur deshalb lieb und teuer, weil er ihr Sohn war. Sie bereitete ihm das Leichenbegräbnis, vollzog seine Bestattung so, daß ihr Gatte nichts davon merkte. Ja, sooft sie das Krankenzimmer betrat, tat sie so, als lebte der Sohn noch und als ginge es ihm besser, und auf seine wiederholte Frage, was der Junge mache, antwortete sie: „Er hat gut geschlafen, hat mit Appetit gegessen [bene quievit, libenter cibum sumpsit].“ Wenn dann die lange zurückgedrängten Tränen sie überwältigten und hervorstürzten, ging sie hinaus und gab sich dann erst ihrem Schmerz hin; wenn sie sich ausgeweint hatte, kehrte sie trockenen Auges und mit gefaßter Miene zurück, als hätte sie den herben Verlust draußen gelassen.

Gewiß, großartig ist auch das andre, den Stahl zu zücken, sich in die Brust zu stoßen, den Dolch aus der Wunde zu ziehen, dem Gatten hinzureichen mit den unsterblichen Worten: „Paetus, es tut nicht weh [Paete, non dolet]!“ Aber als sie das tat und sagte, stand ihr doch der ewige Ruhm vor Augen; größer als dies ist es, ohne Aussicht auf den Lohn der Ewigkeit, den Lohn des Ruhmes seine Tränen zu verbergen und nach Verlust des Sohnes noch die glückliche Mutter zu spielen.

Scribonianus hatte in Illyrien die Waffen gegen Claudius erhoben; Paetus war daran beteiligt gewesen und wurde nach dem Tode des Scribonianus nach Rom geschleppt. Er wollte eben das Schiff besteigen, da bat Arria die Soldaten, sie mitfahren zu lassen. „Ihr wollt dem Konsular doch gewiß ein paar Sklaven beigeben, aus deren Hand er Nahrung empfangen kann, die ihm in die Kleider und in die Schuhe helfen können; das alles werde ich allein besorgen“[,] sagte sie. Sie fand kein Gehör, mietete ein Fischerboot und folgte dem großen Schiffe in dem kleinen Nachen.

Als sich dann die Frau des Scribonianus vor Claudius zu einem Geständnis bereit erklärte, sagte sie [sc. Arria]: „Dich soll ich anhören, in deren Schoß Scribonianus ermordet worden ist, und du lebst noch?“ Woraus sich klar ergibt, daß der Entschluß zu ihrem schönen Tode [consilium pulcherrimae mortis] ihr nicht von ungefähr gekommen ist.

Ja, als Thrasea, ihr Schwiegersohn, sie anflehte, dem Tode Einhalt zu tun, und unter andrem sagte: „Du willst also, daß deine Tochter, wenn ich einmal davongehen muß, mit mir stirbt?“, da antwortete sie: „Wenn sie so lange und so einträchtig mit dir gelebt hat wie ich mit Paetus, ja [si tam diu tantaque concordia vixerit tecum quam ego cum Paeto, volo]!“

Diese Antwort hatte die Besorgnis ihrer Lieben noch gesteigert, und so beobachtete man sie noch schärfer; sie merkte das und sagte: „Es nützt euch nichts; ihr könnt machen, daß ich unschön sterbe, nicht, daß ich nicht sterbe [nihil agitis, inquit, potestis enim efficere, ut male moriar, ut non moriar, non potestis]!“ Bei diesen Worten sprang sie vom Sessel auf, rannte in gewaltigem Schwung mit dem Kopf gegen die Wand und brach zusammen [adversoque parieti caput ingenti impetu impegit et corruit].

Als man sie wieder zu sich brachte, sagte sie: „Ihr wußtet ja, daß ich einen vielleicht harten Weg zu Tode finden würde, wenn ihr mir den leichten versagtet [focilata dixeram inquit vobis inventuram me quamlibet duram ad mortem viam, si vos facilem negassetis]!“

(Plinius der Jüngere: Briefe. Herausgegeben von Helmut Kasten. München 41979, S. 172-175)

Es handelt sich um die ältere Arria, deren Tochter ebenfalls Arria hieß und mit Thrasea Paetus verheiratet war.
 
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