α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben (473 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.02.2021 um 16:14 Uhr (Zitieren)
Zwei erscheinen mir bemerkenswert:
O diese Dichter!
Hengste sind unter ihnen,
die auf eine keusche Weise wiehern.

***

Wir dachten übel voneinander? ...
Wir waren uns zu fern.
Aber nun, in dieser kleinsten Hütte,
angepflockt an Ein Schicksal,
wie sollten wir noch uns feind sein?
Man muß sich schon lieben,
wenn man sich nicht entlaufen kann.

(Friedrich Nietzsche: Gedichte. Insel-Verlag Frankfurt am Main. 93. bis 101. Tausend: 1964, S. 78 f.)
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 01.03.2021 um 12:59 Uhr (Zitieren)
Das zweite Zitat ist aber schön.Und wie weit entfernt von all den blutrünstigen Phantasien,die der späte Nietzsche reichlich entwickeln konnte.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Erwin schrieb am 01.03.2021 um 14:15 Uhr (Zitieren)
Zitat von Marcella am 1.3.21, 12:59all den blutrünstigen Phantasien

Welche denn?
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Γραικύλος schrieb am 01.03.2021 um 14:22 Uhr (Zitieren)
Die "blonden Bestien" aus der Genealogie der Moral.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 01.03.2021 um 14:33 Uhr (Zitieren)
Was ist gut? - Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht. Was ist schlecht? - Alles, was aus der Schwäche stammt. Was ist Glück? - Das Gefühl davon, daß die Macht wächst - daß ein Widerstand überwunden wird

Getreu diesem Grundsatz aus "Antichrist" feiert
Nietzsche des öfteren die grausame Vernichtung des Schwächeren.
Muss ich ins Detail gehen?
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 02.03.2021 um 12:44 Uhr (Zitieren)
Hier ein Einblick (ohne konkrete Preisung der Folterung und Schändung) in die Welt der arischen blonden Bestien:

Nietzsche, Morgenröte 18: Welcher Genuß ist für Menschen im Kriegszustande jener kleinen, stets gefährdeten Gemeinde, wo die strengste Sittlichkeit waltet, der höchste? Also für kraftvolle, rachsüchtige, feindselige, tückische, argwöhnische, zum Furchtbarsten bereite und durch Entbehrung und Sittlichkeit gehärtete Seelen? Der Genuß der Grausamkeit: so wie es auch zur Tugend einer solchen Seele in diesen Zuständen gerechnet wird, in der Grausamkeit erfinderisch und unersättlich zu sein. An dem Tun des Grausamen erquickt sich die Gemeinde und wirft einmal die Düsterkeit der beständigen Angst und Vorsicht von sich. Die Grausamkeit gehört zur ältesten Festfreude der Menschheit.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 02.03.2021 um 16:03 Uhr (Zitieren)
Was, um alles in der Welt, sollte denn in einem solchen von Niedertracht strotzenden Konglomerat der Inhalt von "strengster Sittlichkeit" sein?? Gesittete, höchste Grausamkeit? Höchst gesittete Grausamkeit?

Diese Phantasmagorie einer geknebelten Pennälerseele könnte man ja achselzuckend übergehen, wenn sich nicht die seelisch Depravierten der Jahrhundertwende darauf gestürzt hätten, weil sie damit endlich! ein Stöckchen zur Aufrichtung ihrer gefühlten, nie sich eingestandenen Minderwertigkeit in der Hand hatten.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 02.03.2021 um 17:38 Uhr (Zitieren)
Ja, diese Ängste gucken auch für mich heraus. Was die Sittlichkeit in diesem Zusammenhang soll, erschließt sich lediglich einem Nietzscheaner.

Ich lasse das Ganze mal von Jacob Burckhardt kommentieren: "Der Nietzsche! Der kann doch noch nicht einmal einen gesunden Furz lassen."
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 02.03.2021 um 17:51 Uhr (Zitieren)
Womit Burckhardt Recht hat - klarsichtig, wie er war.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Minoides schrieb am 03.03.2021 um 23:54 Uhr (Zitieren)
Ist das derselbe Burckhardt, habe ich mich gefragt, der Menschliches, Allzumenschliches "das souveräne Buch" nannte und meinte, es werde zur "Vermehrung der Unabhängigkeit in der Welt" beitragen? - Nun, der eine spricht durch Nietzsche - der Burckhardt verehrte - (im Brief an Heinrich Köselitz [Peter Gast] vom 31.5.1878), der andere durch Köselitz/Gast - der Burckhardt verachtete - (sowie eine unbekannte Zahl von Kolporteuren).

Heinrich Köselitz an Franz Overbeck am 2.3.1899:
Bald nachdem Widemann und ich nach Basel gekommen waren, machte uns Brenner mit einer Äusserung Burckhardt's über Nietzsche bekannt, die vielleicht nur von einem Böswilligen erfunden war, die aber, mir wenigstens, nicht zu unwahrscheinlich klang und in deren Lichte ich die geheimen Empfindungen Burckhardt's gegen Nietzsche, beim besten Gegenwillen, nun leider fast immer betrachten musste. Nach dem Erscheinen der Betrachtung über Strauss soll nämlich Burckhardt gesagt haben: "Der Nietzsche! Er kann ja nicht einmal einen gesunden Furz lassen!" (Verzeihen Sie; aber unter Männern darf die Reproduction einer solchen Rede schon einmal ungestraft passiren.)

Weiter unten heißt es dann allerdings noch:
Im Ganzen hat man aber doch zu bewundern, mit welcher Weltklugheit und Selbstüberwindung Burckhardt den Fall Nietzsche, solange Nietzsche selbst noch unter den Zurechnungsfähigen war, gegen uns, und gegen N. selbst, behandelt hat. Ich staune noch heut, wenn ich bedenke, dass Burckhardt von Widemann und mir in den letzten Semestern keine Collegiengelder annahm, mit der Begründung, er rechne es sich zur Ehre, zwei Nietzschen so befreundete Herren unter seinen Zuhörern zu haben.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 04.03.2021 um 11:05 Uhr (Zitieren)
"Weltklugheit und Selbstüberwindung..." Ja, das passt wohl zu der diplomatisch skeptisch beobachtenden Haltung Burckhardts.
Ich selber habe auch das Blättern in Nietzsches letzten Werken - nach dem Zarathustra - eingestellt. Es häufen sich da ungesunde Ausrottungs-und Vernichtungsphantasien. (Man muss noch nicht einmal die "Umwertung" zur Hand nehmen.)
Das mochten Burckhardt und auch Meysenburg nicht.
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 04.03.2021 um 11:11 Uhr (Zitieren)
Meysenbug
Re: Aus den Bruchstücken zu den Dionysos-Dithyramben
Marcella schrieb am 04.03.2021 um 12:23 Uhr (Zitieren)
Nietzsches Ideen, "durch Züchtung und andererseits durch Vernichtung von Millionen Mißrathener den zukünftigen Menschen“ zu gestalten, sind unzweifelhaft schon Protofaschismus.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Speerspitzen

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.