Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zenobia #1 (402 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.02.2021 um 18:19 Uhr (
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Die Königin des Reiches von Palmyra, das auf seinem Höhepunkt um 270 u.Z. von Armenien bis Ägypten reichte, ist eine bemerkenswerte weibliche Herrschergestalt. Sie war die Witwe des Odaenathus und Mutter des Vaballathus.
Trebellius Pollio (Scriptores Historiae Augustae) widmet ihr in dem Kapitel "Die dreißig Tyrannen" einen eigenen Abschnitt:
Nun ist das Maß der Schande voll; ist es doch in dem erschöpften Staat so weit gekommen, daß während des schändlichen Treibens des Gallienus sogar Weiber trefflich regierten, und zwar Nichtrömerinnen [ut Gallieno nequissime agente optime etiam mulieres imperarent, et quidem peregrina etiam].
Hat doch eine solche, die schon vielfach genannte Zenobia, die sich ihrer Abkunft von Kleopatra und den Ptolemäern rühmte, als Nachfolgerin ihres Gatten Odenatus sich den Kaisermantel [sagulum imperiale] um die Schultern gelegt, sich wie Dido gekleidet, auch das Diadem angelegt und im Namen ihrer Söhne Herennianus und Timolaus [= Vaballathus] länger, als es sich mit ihrem weiblichen Geschlecht vertrug, regiert.
So hat denn diese stolze Frau zur Zeit, da Gallienus noch den Staat lenkte, das Herrscheramt ausgeübt; da dem Claudius [Gothicus] durch die Kämpfe mit den Goten die Hände gebunden waren, wurde sie erst mit Mühe von Aurelian besiegt, und, im Triumph aufgeführt, der römischen Botmäßigkeit unterworfen.
Es gibt einen Brief Aurelians, der von der in Gefangenschaft geratenen Frau Zeugnis ablegt. Denn auf den ihm von einigen gemachten Vorwurf, daß er als tapferer Held über eine Frau wie über einen Heerführer triumphiert habe, verteidigte er sich in einem an Senat und Volk von Rom gerichteten Schreiben mit folgender Rechtfertigung:
„Ihr versammelten Väter, es kommt mir der Vorwurf zu Ohren, ich habe gegen meine Manneswürde [uirile munus] durch den Triumph über Zenobia verstoßen. Fürwahr, meine Tadler hätten nicht Lobs genug zu spenden, wenn sie wüßten, was das für eine Frau ist [quae illa sit mulier], so umsichtig mit ihren Entschlüssen, so beharrlich in ihren Maßnahmen, so gestreng gegen die Soldaten, so großzügig, wenn es not tut, so ernst, wenn Strenge geboten ist.
Ich darf wohl sagen, daß es ihr Verdienst ist, daß Odenatus die Perser geschlagen, den Sapor in die Flucht gejagt hat und bis nach Ktesiphon gelangt ist.
Ich darf versichern, daß diese Frau die Völker des Ostens und Ägyptens dermaßen in Respekt versetzt hat, daß weder die Araber noch die Sarazenen [Saraceni] und die Armenier sich zu rühren wagten.
Auch hätte ich ihr das Leben nicht geschenkt, wüßte ich nicht, welchen Nutzen sie dem römischen Staat dadurch gebracht hat, daß sie für sich und ihre Kinder die Herrschaft über den Osten gewahrt hat.
Mögen also die ständigen Nörgler ihre giftigen Zungen im Zaume halten [sibi ergo habeant propriarum uenena linguarum ii, quibus nihil placet].
Denn wenn es sich nicht schickt, eine Frau zu besiegen und im Triumph aufzuführen, was haben sie dann von Gallienus zu sagen, zu dessen Beschämung diese Frau so gut regiert hat? [in cuius contemptum haec bene rexit imperium]?
Was haben sie von dem vergöttlichten Claudius, dem untadeligen und verehrungswürdigen Feldherrn, zu sagen, der ihr Regiment hinnehmen mußte, da er selbst mit seinen Feldzügen gegen die Goten zu tun hatte? Und dies geschah mit klugem Bedacht, damit er selbst in aller Ruhe das Ziel, das er sich gesteckt hatte, erreichen konnte, während diese Frau die Grenzwacht im Osten des Reiches hielt.“