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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Vorzug des Polytheismus (412 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.02.2021 um 12:17 Uhr (Zitieren)
Eine der Hauptfiguren des Romans "Glückseligkeit von Zülfü Livaneli ist ein Istanbuler Professor, der den Mythologen Joseph Campbell schätzt.
[...] Nicht nach Campbells, jedoch nach des Professors Meinung waren besonders die Menschen des Mittelmeerraums, nachdem sie Tausende von Jahren mit den Mythen einer Götterwelt gelebt hatten, plötzlich zu einer farblosen Religion mit nur einem Gott umgeschwenkt. Mit einem Mal waren die Götter verschwunden, die sie getröstet und abgelenkt hatten und über die sie hergezogen waren.

Diese alten Göttinnen und Götter, von denen einer merkwürdiger war als der andere, hatten viele Abenteuer zu bestehen gehabt. Sie wohnten auf dem Olymp, verliebten sich wie die Menschen, waren eifersüchtig und entführten Mädchen. Sie bekämpften sich, wurden bestraft und trieben Unzucht.

Die Menschen sprachen noch immer von den Abenteuern der Götter. Doch durch den Glauben an einen einzigen Gott war das Leben sehr langweilig geworden. Denn von diesem einen Gott wusste man nicht einmal, ob er ein Mann oder eine Frau war. Er hatte keine feste Gestalt und erlebte kein einziges Abenteuer.

Um ihre alten Gewohnheiten weiter beibehalten zu können, schufen sich die Menschen schließlich neue Göttinnen und Götter. Diese waren entweder Filmstars, Fußballspieler, Models, Politiker, Stierkämpfer oder Tennisspieler. In unendlich vielen Zeitschriften wurde nun berichtet, was diese neuen Göttinnen und Götter so trieben, und wer von ihnen mit wem ins Bett ging. Und im Fernsehen konnte man darüber Hunderte von Sendungen sehen. Der einzige Unterschied lag darin, dass die Götter nun vom Olymp herabgestiegen und in einer Disco gleichen Namens gelandet waren.

(Zülfü Livaneli: Glückseligkeit. Stuttgart 2008, S. 182 f.)

An einer etwas früheren Stelle des Romans [S. 171] zitiert Livaneli ein Gedicht des alevitischen Dichters Kaygusuz Abdal aus dem 15. Jhdt.:
O Gott, erhabener als alle
O Gott, Herr des Tages und der Nacht
O Gott, hast einen Namen, keinen Körper
O Gott, du bist wie ein Nichts!

 
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