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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Diodor über Heliopolis #3 (438 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.02.2021 um 00:40 Uhr (Zitieren)
Hier nun der Schluß des Berichtes:
59 Zwar hätten die Inselbewohner ausnahmslos Überfluß an allem, da die Natur ja von selbst ihnen die Lebensmittel liefere, doch lebe kein einziger von ihnen unmäßig. Sie befleißigten sich vielmehr alle der Enthaltsamkeit und nähmen gerade soviel Speise zu sich wie nötig. Fleisch und alles andere bereiteten sie sich zu, indem sie es brieten oder in Wasser abkochten; von dem, was sonst noch die Kochkunst an besonderen Delikatessen hervorbringe, der Raffinesse von Saucen oder der Vielfalt von Zubereitungsweisen seien sie ohne jede Ahnung.

Als Götter verehrten sie das Allumfassende, die Sonne und überhaupt alle Gestirne [σέβονται δὲ θεοὺς τὸ περιέχον πάντα καὶ ἥλιον καὶ καθόλου πάντα τὰ οὐράνια]. Sie fingen viele Arten von Fischen auf verschiedene Weise und dazu auch eine Menge Vögel.

Bei ihnen wachse eine Vielzahl wilder Obstbäume, dazu Ölbaum und Weinstock, aus denen sie reichlich Wein und Öl herstellen. Auch gebe es Schlangen von riesigen Ausmaßen, die jedoch den Menschen nichts täten und deren eßbares Fleisch besonderen Wohlgeschmack besitze.

Ihre Kleider stellten sie aus einem bestimmten Rohr her, das besonders weiße, weiche Fasern enthalte. Diese Fasern tauche man in zerstampfte Meeresmuscheln und erhalte Gewänder von wunderbar roter Farbe. Tiere gebe es ganz seltsame und so eigenartige, daß man dies kaum glauben könne.

Jeder von ihnen aber habe seinen geordneten Tagesablauf. Und keineswegs nähmen alle etwa zu gleicher Zeit die nämlichen Speisen zu sich, sondern für jeden sei im voraus der Tag festgelegt, wann er Fisch, wann Vögel und wann Fleisch von Tieren verspeisen dürfe. Gelegentlich auch gebe es Oliven und einfaches Gemüse.
Auch sei ihre Tätigkeit durch ständige Abwechslung bestimmt. Die einen hätten zu fischen, andere ein Handwerk zu treiben, andere wieder die übrigen nützlichen Dinge zu tun und wieder andere in diesem Wechsel sich mit öffentlichen Arbeiten zu beschäftigen, und nur die Greise seien befreit.

Bei ihren allgemeinen und religiösen Festen werde gebetet, und man singe zu Ehren der Götter Hymnen und Preislieder, besonders auf die Sonne, der die Insel und sie selbst gehörten [εἰς τὸν ἥλιον, ἀφ‘ οὗ τάς τε νήσους καὶ ἑαυτοὺς προσαγορεύουσι].

Die Toten begrabe man zur Zeit der Ebbe, indem man sie im Ufersand verscharre, so daß die Flut noch mehr Sand auf sie schütte. Das Rohr, ihre Speise, sei an Dicke eine Handspanne breit; es werde bei zunehmendem Monde immer stärker, nehme aber wieder ab, wenn auch der Mond abnehme.

Das Wasser ihrer heißen Quellen sei süß und gesund. Es behalte seine Temperatur, falls man ihm nicht kaltes Wasser oder Wein beimische.

60 Sieben Jahre seien Iambulos und sein Genosse dort geblieben. Im achten aber habe man sie gegen ihren Willen vertrieben, so als handle es sich um Übeltäter oder Gewohnheitsverbrecher von Jugend auf. Man habe ihnen wieder ihr Boot hergerichtet und sie zur Abfahrt gezwungen. Mit Proviant versehen, seien sie mehr als vier Monate gesegelt und dann in Indien an eine sandige und sumpfige Küste verschlagen worden.

Dort sei der Gefährte in der Brandung umgekommen. Iambulos selbst gelangte an einen Ort, von dessen Einwohnern er zum König nach Palibothra geführt wurde, das viele Tagereisen von der Küste entfernt lag.

Dieser König nun sei ein Griechenfreund [φιλέλληνος] und wissenschaftlich sehr interessiert gewesen. So habe er ihn großartig bei sich aufgenommen. Schließlich aber sei er mit sicherem Geleit zuerst nach Persien gekommen und habe sich später glücklich nach Griechenland durchschlagen können.

Dies alles aber hielt Iambulos der Aufzeichnung für wert und beschrieb in einem umfassenden Bericht von Indien, was andere nicht kennen.

(Diodorus Siculus II 55-60)

Als nächstes möchte ich nun der Frage nachgehen, welche Rolle diese Utopie bei der sozialrevolutionären Bewegung (falls es denn eine war) des Aristonikos alias Eumenes III. gespielt hat.
 
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