Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3 (691 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.02.2021 um 16:47 Uhr (Zitieren)
(Wolfgang Weimer, 2021)
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
Γραικύλος schrieb am 04.02.2021 um 18:50 Uhr (Zitieren)
in dem einen hate sie --> in dem einen hat sie
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
filix schrieb am 04.02.2021 um 21:20 Uhr (Zitieren)
Die Gegenwart begegnet uns womöglich nicht minder überraschend mitten in der vermeintlichen Vergangenheit:
Mevlana ist der Beiname Rumis, Rumi aber in diesem Fall Jolie, weil beide Coleman Barks* sind, der auch schon mal von Ivanka Tump zitiert wird. Das sind, man ahnt es, auch kaum friedliche Begegnung in der Indifferenzzone, es fliegen vielmehr die Fetzen**.
Ibrahim im Banne einer Tradition, ja, aber welcher? Der der Rückprojektionen gegenwärtiger Hoffnung ins Uralte? Die Sache ist überdies gut präpariert, die einleitende, wahrhaft elementare Geschichte zwischen Feuer und Wasser etabliert transhistorische Fabelzeit, die dem Leser signalisiert, dass es hier auf den Sinn ankommt, nicht Historizität.
Wer an der festhält, könnte herausfinden, dass die Anekdote, deren Überlieferungsgeschichte vielleicht noch ein paar weitere erhellende Einsichten birgt, über Rabia von Basra (Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaisiyya, 8. Jhdt.) erzählt*** wird, wobei der Autor die Schau der ewigen Schönheit Allahs, derentwegen die Hölle gelöscht, das Paradies abgefackelt werden muss, gegen den säkularen Sehnsuchtsort jenseits moralischer Wertung vertauscht (und mit der Autorität eines Scheichs sofort zur Glaubenswahrheit erhebt), einen Ort, den auch Coleman „Rumi“ Jolie erreichen wollen, ohne dass von Islam oder Gott noch die Rede ist.
* Zur Diskussion über die allereligiösen Bezüge tilgende Übersetzung von Rumi durch Barks, die auch den Sinn der Verse ändert, siehe: https://groups.google.com/g/dar-al-masnavi/c/bixcCnjajmA/m/pm2VXNQEE6oJ
** „This is a mistranslation made by the butcher of Rumi poems, Coleman Barks, who is an orientalist Islamophobic huckster. The actual lines of Quatrain 395 (w/translation by A Arberry) evoke a radical Islam, not some New Age feel-good diarreha that any fascist wine mom can drop“ https://mobile.twitter.com/dogwhobites/status/1234244323618611200
*** Man sah Rabia in den Straßen von Basra mit einem Eimer Wasser in der einen Hand und einer Fackel in der anderen Hand. Als sie gefragt wurde, was dies zu bedeuten habe, antwortete sie: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit willen. ( Annemarie Schimmel (Hrsg.): Gärten der Erkenntnis. Das Buch der vierzig Sufi-Meister. Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-00697-1, S. 21.)
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
Γραικύλος schrieb am 05.02.2021 um 14:54 Uhr (Zitieren)
Danke für den Hinweis auf den von Annemarie Schimmel herausgegebenen Band mit Texten islamischer Mystik. Ich habe den Text dort gefunden.
Abweichend von der ezidischen Version ist natürlich der letzte Satz.
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
filix schrieb am 05.02.2021 um 15:14 Uhr (Zitieren)
Trump/Begegnungen
Schon der davor, der Autor fingiert die moralische Stoßrichtung der Anekdote, die von der Anbetung Gottes um seiner Schönheit willen, um sie zur jesidischen Glaubenswahrheit zu erklären und dann die säkularisierte Version von Rumis Quatrain als ins selbe Horn stoßende altehrwürdige Mystik zu präsentieren, die man dann auf Jolies Oberarm wiederfindet.
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
filix schrieb am 05.02.2021 um 15:15 Uhr (Zitieren)
die eigentlich von der Anbetung Gottes um seiner Schönheit willen handelt ...
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
Γραικύλος schrieb am 05.02.2021 um 18:22 Uhr (Zitieren)
Da hast Du weitgehend recht: der Unterschied begint schon im vorangehenden Satz. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, daß der Scheich die Geschichte zur jesidischen Glaubenswahrheit erklärt, denn er weist ja eingangs darauf hin, daß die Fabel aus "eurer Religion, als dem Islam" stammt. Erst den letzten Satz charakterisiert er als jesidisch - und der kommt dann auch tatsächlich in der Vorlage nicht vor.
Entschieden widersprechen muß ich Dir in dem, was den Oberarm angeht. Der Spruch findet sich - so schreibt es jedenfalls Zülfü Livaneli - auf Brad Pitts Oberarm, nicht auf dem von Angelina Jolie. Und da die beiden inzwischen geschieden & verfeindet sind, wollen wir diesen Unterschied festhalten, damit wir nicht etwa noch zur Ursache weiteren Streits zwischen ihnen werden.
Re: Das Zeitempfinden in Mesopotamien #3
filix schrieb am 05.02.2021 um 19:30 Uhr (Zitieren)
Tja, Brangelina und andere Kugelmenschen. Natürlich Pitts Arm. Ist das folglich prophetisch auf den Ort außergerichtlicher Einigung zu beziehen?