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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Frauensprache der Sumerer #2 (619 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.02.2021 um 16:48 Uhr (Zitieren)
Die Sprachstile Emegir und Emesal unterschieden sich an vielen Stellen des Lautsystems, sowohl bei den Konsonanten als auch bei den Vokalen; gelegentlich kam es auch zu Dublettenbildung. So alternierten g (Normalsprache) und b (Frauensprache) in igi : i.bí „Auge“, n und sh in nin : shen „Dame“, m und n in munus : nu.nus „Frau“, d und z in udu : e.zé „Schaf“, a und e in alim : e.lum „Reh“, u.a.

Es verwundert nicht, dass es auch zu lexikalischen Unterschieden zwischen der Normal- und der Frauensprache kam: ga (Emesal) : túm (Emegir) „bringen“, ta (Emesal) : a.na (Emegir) „was?“, a.she.er : a.nir „Klage“, a.da.ar : a.gàr „Feld“, gel.le.èg : ha.lam „zerstören“, ág : níg „Ding“, as.te : gu-za „Thron“, u.a. Auffallend viele Wörter sind auch dem rituellen Wortschatz zuzuordnen.

Im Kultleben der Sumerer gab es Priesterschaften, deren Mitglieder Eunuchen waren (kalû-Priester). Diese verwendeten für ihre Rituale Emesal, also die Frauensprache, weil sie eben keine Männer mehr waren. Der früheste Hinweis auf intentionale Kastration, wodurch einem Mann der Zugang zur Ausübung spezieller religiöser Rituale ermöglicht wurde, ist in Aufzeichnungen der Tempelbürokratie in der sumerischen Stadt Lagash aus dem 21. Jahrhundert v.u.Z. zu finden. Der Wirkungsbereich sumerischer Priester war aufs Engste mit beratenden Funktionen für den Herrscher eines Stadtstaates und seiner Palastverwaltung verwoben. Ein Oberpriester im Kult der Inanna (en) war gleichzeitig oberster Palastverwalter (sangu). Von den eunuchischen kalû-Priestern ist bekannt, dass sie ihr mit dem Ritualwesen assoziiertes Know-how als Geheimwissen hüteten, das Außenstehenden verschlossen blieb.

(Harald Haarmann: Die seltsamsten Sprachen der Welt. Von Klicklauten und hundert Arten, ich [/i]zu sagen. München 2021, S. 108 f.)[/i]
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Γραικύλος schrieb am 03.02.2021 um 16:50 Uhr (Zitieren)
(Harald Haarmann: Die seltsamsten Sprachen der Welt. Von Klicklauten und hundert Arten, ich zu sagen. München 2021, S. 108 f.)

Seltsam, diese braunen Einfärbungen.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Marcella schrieb am 03.02.2021 um 17:17 Uhr (Zitieren)
Eine eigene Frauensprache kann der Emanzipation und der Freiheit dienen, muss aber nicht.
Japan kennt auch eine Frauensprache, der Wert für Frauen scheint aber ambivalent:

https://www.japandigest.de/alltag/sprache/japanisch/maenner-und-frauensprache

Ob der sumerische Soziolekt Emesal tatsächlich eine spezelle Frauensprache war, ist nicht so gesichert.
EME = Sprache, Zunge, aber wofür genau steht SAL?
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Γραικύλος schrieb am 03.02.2021 um 18:18 Uhr (Zitieren)
Ich habe nachgeschaut bei:
Ernst Kausen: Die Sprachfamilien der Welt. Teil 1: Europa und Asien. Hamburg 2013, S. 271 ff.

Kausen erweitert meine Kenntnis, bestätigt aber Haarmann:
Obwohl ein später lexikalischer Text eine Reihe von Dialekten (Besser: Soziolekten) des Sumerischen auflistet, bleibt doch neben der Normalsprache eme-gi(r) nur der Soziolekt eme-sal greifbar, wenn auch nur in spätsumerischer literarischer Überlieferung. Diese Sprachform wird verwendet, wenn in literarischen Texten weibliche Wesen zu Wort kommen, während die erzählenden Teile und die Reden der Männer in der Normalsprache geschrieben sind. Die Hauptunterschiede zur Normalsprache sind eine teilweise lautliche Umgestaltung der Wortwurzeln und spezifische morphologische Bildungselemente, aber auch der Gebrauch von nicht im Hauptdialekt vorkommenden Wörtern (z.B. mu-ud-na statt ĝidlam "Gemahl", mu-tin statt ki-sikil "Jungfrau"). [...]
Die Selbstbezeichnung der Sumerer für ihre Sprache ist eme-gi(r) (was vielleicht "einheimische Sprache" bedeutet) [...]

(a.a.O., S. 274)

Zur Bedeutung von -sal schreibt er nichts.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Γραικύλος schrieb am 03.02.2021 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Neu war mir auch, daß das Sumerische als isolierte Sprache gilt, d.h. es ist keine Sprache bekannt, mit der es verwandt ist.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Marcella schrieb am 03.02.2021 um 20:42 Uhr (Zitieren)
Emesal wird neuerdings als "feine Sprache" übersetzt.

Einen überzeugenden Nachweis einer Verwandtschaft des Sumerischen zu anderen Sprachgruppen gibt es bislang nicht, zum Leidwesen der Sumerologen. Das ist sicherlich auch schwierig bei einer Sprache, deren Belege 4-5000 Jahre zurückliegen.
Fällt es doch schon schwer, die gelesenen Beispiele des mykenischen Griechisch überzeugend dem "nur" vielleicht 800 Jahre jüngeren Äölischen oder Altgriechischen zuzuordnen. Ein bisschen Phantasie muss dabei sein.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Marcella schrieb am 03.02.2021 um 20:51 Uhr (Zitieren)
Was es nicht alles gibt... "A blog of conversational Sumerian" sagt uns das:

https://sumerianlanguage.tumblr.com/post/173270109962/what-the-heck-is-emes
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Γραικύλος schrieb am 04.02.2021 um 16:52 Uhr (Zitieren)
Wahrhaft erstaunlich: ein Sumerer-Blog!

Kausen meint, daß die Existenz einer wirklich isolierten Sprache sehr unwahrscheinlich sei; vielmehr liege es wohl an unserer mangelnden Kenntnis der Zusammenhänge.

Die einzige isolierte Sprache Europas ist das Baskische.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Marcella schrieb am 04.02.2021 um 17:29 Uhr (Zitieren)
---und meines Wissens das Albanische. Ich muss das noch überprüfen.

Für das Sumerische sind Zusammenhänge mit allen möglichen Sprachen vermutet worden, von dem Drawidischen bis hin zur Sprache der Ainu, der japanischen Ureinwohner. Nach ein paar tausend Jahren sind die Spuren kalt.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Marcella schrieb am 04.02.2021 um 17:48 Uhr (Zitieren)
Ist Sumerisch ein hidden champion?

Das hier ist mit sage und schreibe fünf Millionen Aufrufen ein Renner: Gilgamesh auf Sumerisch gesungen - original! Wow!

https://www.youtube.com/watch/QUcTsFe1PVs
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Γραικύλος schrieb am 05.02.2021 um 14:57 Uhr (Zitieren)
Schön!
Nach dem Albanischen muß ich noch schauen, erinnere mich aber an die Feststellung Kausens, das Baskische sei die einzige isolierte Sprache in Europa.
Re: Die Frauensprache der Sumerer #2
Γραικύλος schrieb am 06.02.2021 um 14:00 Uhr (Zitieren)
Das Albanische ist eine indogermanische Sprache.
Kausen, Bd. 1, S. 125:
Das Albanische stellt als Einzelsprache einen Primärzweig des Indogermanischen dar, es ist also mit keiner anderen indogermanischen Sprache näher verwandt. Allerdings nehmen manche Forscher an, dass es ein Nachfolger des Illyrischen ist, einer antiken indogermanischen Sprache im Westen der Balkanhalbinsel. Diese Hypothese lässt sich jedoch wegen der minimalen Überlieferung des Illyrischen kaum linguistisch belegen.
 
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