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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zur Alexander-Überlieferung (458 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.02.2021 um 15:13 Uhr (Zitieren)
Im "Historischen Atlas der antiken Welt", der zum Neuen Pauly gehört, lese ich S. 114:
Obwohl die hellenistische Zeit als die schreibfreudigste der griechischen Antike gilt, sind kaum historische oder philosophische Schriften erhalten.

Es ist hier schon angesprochen worden, welche Verluste antiker Literatur wir zu bedauern haben und wie sie erklärt werden können; aber diesmal möchte ich mein Staunen ausdrücken, in welchem Umfang dieser Verlust Alexander den Großen betrifft, der sich doch weit über die Antike hinaus und ganz sicher bis ins Mittelalter einer großen Popularität erfreute.

Es gab etliche seiner Zeitgenossen, die über sein staunenswertes Leben geschrieben haben: Kallisthenes (sein Hofhistoriker), Ptolemaios (einer seiner Generale), Aristoboulos, Nearchos, Onesikritos, Chares, Ephippos und der in der Antike populäre Kleitarchos.

Von keinem ihrer Werke ist mehr erhalten als ein paar Zitate bei späteren Historikern. Dabei müßten das doch gehütete Schätze in jeder Bibliothek und bei jedem Büchersammler gewesen sein.

Das zu verstehen fällt mir schwer.
Re: Zur Alexander-Überlieferung
filix schrieb am 01.02.2021 um 16:06 Uhr (Zitieren)
Das zu verstehen fällt mir schwer.


Eine Ursache dieser Schwierigkeit sehe ich darin, dass wir uns heute an zwei Dinge gewöhnt haben - eine politisch wie kulturell stabile Transmissionskette im Geiste dessen, was Nietzsche antiquarische Historie genannt hat (Alles Vergangene gilt bereits als großartig, nur weil es einst existiert hat und wird blindwütig gesammelt) einerseits und einen Exzess der Multiplikation andererseits.

Die Einfachheit, Kopien sonder Zahl zu produzieren, verleitet zu dem Schluss, dass immer irgendwelche Exemplare rein in ihrer Information speichernden Materialität überdauern werden und lesbar bleiben, auch wenn phasenweise kein historisches, philologisches, literarisches oder sonstiges Interesse an ihnen besteht. Die Forschung zu den Bücherverlusten geht daher meist davon aus, dass wesentlich das Fehlen oder partielle Versagen solcher Transmissionsketten bei beschränkter Zahl der Kopien - daran hat sich bis zur Druckpresse ja nichts geändert - zu diesen beigetragen hat.
Re: Zur Alexander-Überlieferung
Γραικύλος schrieb am 01.02.2021 um 16:35 Uhr (Zitieren)
auch wenn phasenweise kein historisches, philologisches, literarisches oder sonstiges Interesse an ihnen besteht.

Das eben hatte ich im Falle Alexanders des Großen nicht angenommen:
der sich doch weit über die Antike hinaus und ganz sicher bis ins Mittelalter einer großen Popularität erfreute.

Ich mag mich irren. Möglicherweise waren die Mönche (oder wer auch immer) mit Plutarch, Arrian, Curtius Rufus (der sog. Vulgata) und dem Alexanderroman zufrieden.
Re: Zur Alexander-Überlieferung
filix schrieb am 01.02.2021 um 17:15 Uhr (Zitieren)
"Popularität" muss sich ja nicht zwingend in der Sammlung aller von der Geschichte produzierter Texte zum Thema im Geiste antiquarischer Historie niederschlagen. Dass selbst fokussiertes Interesse mit Besitz und Weitergabe ganzer Texte automatisch einhergeht, ist nicht ausgemacht. Das Eindampfen von populären Werken, die kaum einer mehr liest, zur Zitatensammlung ist uns doch geläufiger denn je.

Man sitzt überdies schnell Annahmen auf, die die Übertragungswege selbst durch einflussreiche Autoren auch nur von Zitaten betreffen. So las ich z.B. mit Erstaunen, dass Isidor v. Sevilla sehr wahrscheinlich nur einen Teil der über hundertfünfzig Bücher, die er namentlich aufführt, selbst gelesen (und besessen) hat. Ketten von Kompilatoren und der entsprechende Rezeptionsmodus, der sich damit begnügt, richten vielleicht so viel Schaden an wie drei (ohnehin großteils imaginäre) Bibliotheksbrände in Alexandria oder Zensur aus moralisch-religiösen Überzeugungen.
Re: Zur Alexander-Überlieferung
Γραικύλος schrieb am 02.02.2021 um 16:33 Uhr (Zitieren)
Dass selbst fokussiertes Interesse mit Besitz und Weitergabe ganzer Texte automatisch einhergeht, ist nicht ausgemacht.

Da habe ich das "ad fontes" als Motto der Renaissance vielleicht zu hoch eingeschätzt. Die zahlreichen, im Netz umlaufenden "Zitate"-Sammlungen hätten mich eines Besseren belehren können.
 
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