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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Jupiter schafft das Goldene Zeitalter ab (567 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.01.2021 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Claudius Claudianus (375 - nach 404 u.Z.): De raptu Proserpinae

Pluto hat die Proserpina geraubt, damit auch er eine Frau habe. Ceres, die Mutter der Proserpina, macht sich daraufhin auf die Suche nach ihrer Tochter. Jupiter beruft eine Götterversammlung ein.
Da begann majestätisch vom hohen Olymp herab der Göttervater: „Erneut hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen der Menschen Geschick, das schon zu lange von mir vernachlässigt ist [abduxere meas iterum mortalia curas / iam pridem neclecta mihi], nachdem ich Müßiggang und Verfall des beque-men Saturnischen Zeitalters erkannt hatte [Saturnia postquam / otia et ignavi senium cognovimus aevi][,] und beschloss, die von der anreizlosen Herrschaft meines Vaters längst wie betäubten Völker durch den Stachel eines sorgenvollen Lebens anzutreiben [sopitosque diu populos torpore paterno / sollicitae placuit stimulis inpellere vitae], damit ihr Getreide nicht von sich aus auf unbebauten Äckern heranwachse, noch der Wald von Honig triefe oder der Wein aus Quellen ströme und ganze Flüsse sich brausend in Trinkpokale ergössen.

Natürlich bin ich nicht neidisch - denn es ziemt den Göttern nicht, Neid zu empfinden oder zu schaden [haud equidem invideo – neque enim livescere fas est / vel nocuisse deos] –[,] sondern ich fasste diesen Entschluss, weil Schlemmerei der Moral abträglich ist und Überfluss der Men-schen Sinne versumpfen lässt [quod dissuasor honesti / luxus et humanas oblimat copia mentes], damit erfinderische Armut die schwerfälligen Sinne anrege und allmählich die verborgenen Regeln der Welt erkunde, damit schöpferischer Geist die Künste hervorbringe und ihre Anwendung sie groß werden lasse [utque artes pariat sollertia, nutriat usus].

Nun aber bedrängt mich Natura mit gewichtigen Klagen, es dem Menschengeschlecht leichter zu machen, nennt mich einen hartherzigen und grausamen Tyrannen [durumque tyrannum / inmitemque vocat], ruft die von meinem Vater regierten Zeiten in Erinnerung und schimpft Jupiter geizig trotz ihres eigenen Reichtums, da ich doch die Felder in mangelnder Pflege verwildern, das Land von lauter Gestrüpp überziehen ließe und das Jahr mit keinerlei Früchten segne. Sie aber, die zuvor noch Mutter der Sterblichen gewesen sei [se iam, quae genetrix mortalibus ante fuisset], habe plötzlich die Sitten einer finsteren Stiefmutter angenommen: ‚Was nützte es, den Geist vom Himmel geholt zu haben [quid mentem traxisse polo], was, den Kopf erhoben zu haben, wenn die Menschen gleich Tieren die Wildnis durchirren, wenn sie als gemeinsame Nahrung Eicheln verzehren? Ist dieses Leben etwa erstrebenswert, zurückgezogen in Wälder und Höhlen, ohne Unterschied zu den wilden Tieren?‘

Da ich häufig solcherart Klagen von Mutter Natur ertragen musste, beschloss ich, schließlich milder geworden gegenüber dem Menschengeschlecht, die Völker von der Chaonischen Nahrung abzubringen; und deshalb wurde entschieden, dass Ceres, die jetzt noch ohne ihr Unheil zu ahnen mit ihrer grimmigen Mutter die Löwen am Ida antreibt, über Wasser und Land in unmäßiger Trauer dahinirren soll, bis sie, erfreut über ein Zeichen zum Verbleib ihrer Tochter, das Getreide gewährt und ihr Wagen auf Wolken dahingleitet, um den Völkern die ihnen noch unbekannten Ähren zu verbreiten, und ihre dunkel schimmernden Drachen das attische Joch auf sich nehmen.

Wenn aber einer der Götter Ceres den Räuber zu verraten wagt, so schwöre ich bei der Macht meiner Herrschaft und dem tiefen Frieden der Welt [imperii molem pacemque profundam / obtestor rerum], sei es ein Sohn, Schwester, Gattin oder gar eine aus der Schar der Töchter, mag sie sich auch brüsten, aus meinem Haupte entsprungen zu sein, so wird er von weitem den Zorn meines Schildes spüren, wird den Schlag meines Blitzes fühlen, und es wird ihn reuen, aus dem Geschlecht der Götter zu stammen, zu sterben wird er sich wünschen [optabitque mori]; dann wird er, geschwächt durch die Wunde, meinem Schwiegersohn selbst übergeben werden, um die Herrschaft zu ertragen, die er verraten hat, und er wird merken, ob der Tartarus sich in eigener Sache verbündet.

Dies ist unverbrüchlich beschlossen: Mögen die Geschicke sich in dieser Folge ereignen und Bestand haben.“ So sprach er und erschütterte die Sterne mit seinem Furcht einflößenden Nicken.

(Claudianus: Der Raub der Proserpina. Hrsg. v. Anne Friedrich und Anna Katharina Frings. Darmstadt 2009, S. 86-91)

- der Geist vom Himmel: Nach stoischer Anschauung ist der menschliche Geist feuriger Natur, Teil der göttlichen Vernunft, welche als feuriger Äther im Himmel lokalisiert wird; von dort kommt er in einen Menschen und kehrt nach seinem Tod wieder dorthin zurück.
- Chaonische Nahrung: Eicheln
- das attische Joch: Die Verbreitung des Ackerbaus ging dem Mythos nach von Attika aus.
- mein Schwiegersohn: Mit der Bezeichnung Plutos als Schwiegersohn verrät Jupiter seine Einwilligung in die Ehe und den Verbleib Proserpinas in der Unterwelt.

Re: Jupiter schafft das Goldene Zeitalter ab
Aurora schrieb am 30.01.2021 um 08:33 Uhr (Zitieren)
Hast du eine auch Angabe zu der Stelle im Original?
Re: Jupiter schafft das Goldene Zeitalter ab
Γραικύλος schrieb am 30.01.2021 um 13:29 Uhr (Zitieren)
Habe ich vergessen. III 18-66

Und dann wollte ich noch erwähnen, daß dieses Epos mittendrin abbricht; anscheinend ist es unvollendet geblieben.
Re: Jupiter schafft das Goldene Zeitalter ab
Johannes schrieb am 30.01.2021 um 14:27 Uhr (Zitieren)
Claudian ist online verfügbar:
https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Claudian/home.html
(mit engl. Übersetzung)
 
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