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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Herodot über die Hyperboreer (624 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.01.2021 um 16:58 Uhr (Zitieren)
Bemerkenswert unergiebig ist, was Herodot (IV 32-36) über die Hyperboreer schreibt. Offenbar weiß er nichts Genaues.
32 Von den Hyperboreern aber können weder die Skythen etwas erzählen noch ein anderes Volk hier in der Gegend außer den Issedonen. Ich glaube allerdings, auch ihr Bericht sagt nichts; sonst würden es wohl auch die Skythen berichten, wie sie von den Einäugigen erzählen. Aber bei Hesiod finden sich die Hyperboreer, auch bei Homer in den Epigonen, wenn Homer überhaupt dieses Epos gedichtet hat.

33 Das meiste über sie erzählen die Bewohner von Delos. Sie berichten, die Hyperboreer hüllten ihre Opfer in Weizenstroh und brächten sie dann dar. Sie schicken ihre Opfer zu den Skythen. Von da aus geben sie dann die einzelnen Nachbarvölker weiter bis zum fernsten Westen, bis zu Adria. Von dort aber werden sie nach Süden geleitet. Als erste Griechen empfangen sie die Bewohner von Dodona. Von dort kommen sie herunter zum Malischen Meerbusen und hinüber nach Euboia, und eine Stadt schickt die Opfer der anderen bis Karystos. Die Insel Andros läßt man darauf aus; denn die Karystier bringen die Opfer nach Tenos und die Tenier nach Delos. So kommen die Opfer, wie man erzählt, nach Delos.
Das erste Mal, so erzählt man, hätten die Hyperboreer zwei Mädchen als Überbringer der Opfer geschickt, die die Delier Hyperoche und Laodike nennen. Als Begleiter schickten die Hyperboreer deren Sicherheit wegen fünf Männer aus ihren Mitbürgern mit. Die heißen jetzt Perphereer und genießen große Ehren auf Delos.

Als aber die Abgesandten nicht mehr in die Heimat zurückkehrten, waren die Hyperboreer ungehalten, wenn es gerade immer sie treffen solle, daß ihre Boten nicht heimkämen. So trugen sie denn die Opfergaben, in Weizenstroh gebunden, an ihre Grenzen, übergaben sie ihren Nachbarn und baten, die Opfer von ihnen aus von Volk zu Volk weiterzuschicken. Auf diesem Wege gelangten sie endlich nach Delos.

Ich kenne selbst einen Vorgang, der diesem Opfer ähnlich verläuft: Die Frauen Thrakiens und Paioniens bringen, wenn sie der Königin Artemis opfern, ihre Gaben nie ohne Weizenstrohhüllen dar.

34 Das ist, wie ich weiß, ihre Sitte. Wenn diese Jungfrauen aus dem Hyperboreerlande aber in Delos sterben, scheren sich zu ihren Ehren Mädchen und Knaben auf der Insel das Haar. Wenn die Mädchen heiraten, schneiden sie sich eine Haarlocke ab, wickeln sie um eine Spindel und legen sie auf ihr Grab. Dieses Grab steht im Artemisheiligtum links vom Eingang; ein Ölbaum ist darauf gewachsen. Die Knaben der Delier wickeln ihr Haar um ein grünes Reis und legen es ebenfalls aufs Grab. So ehren die Bewohner von Delos diese beiden Mädchen.

In Delos erzählt man, daß noch vor Hyperoche und Laodike schon einmal zwei Mädchen aus dem Land der Hyperboreer, Arge und Opis, an den gleichen Völkern vorbei nach Delos gezogen sind. Erstere brachten der Eileithyia die Gaben, die sie für eine leichte Geburt gelobt hatten. Arge und Opis aber kamen zugleich mit den Göttern selbst, und ihnen erwies man in anderer Weise Hochachtung. Ihnen zu Ehren sammeln nämlich die Frauen aus Delos Gaben ein. Dabei rufen sie in einem Hymnus, den ihnen der Lykier Olen [Ὠλήν] gedichtet hat, die Namen an.

Von ihnen haben es die Inselbewohner und die Ionier gelernt, Opis und Arge zu besingen, indem sie ihre Namen anriefen und dabei Gaben sammelten. Dieser Olen kam aus Lykien nach Delos und dichtete auch die anderen uralten Hymnen, die auf Delos gesungen werden. Wenn man die Schenkelstücke der Opfertiere auf dem Altar verbrannt hat, wird ihre Asche zum Verstreuen auf das Grab von Arge und Opis verwendet. Es liegt hinter dem Artemisheiligtum nach Osten zu, ganz nahe am Festsaal der Keier.

36 Soviel von den Hyperboreern! Denn die Sagen von Abaris, der ein Hyperboreer gewesen sein soll, erzähle ich nicht. Er soll ja mit einem Pfeil in der Hand um die ganze Welt gewandert sein, ohne zu essen; wenn es Hyperboreer gibt, müßten auch Menschen im äußersten Süden zu finden sein. [...]

(Herodot: Historien. 2 Bde. Herausgegeben von Josef Feix. München ²1977; Bd. 1, S. 524-529)

- Hesiod cat. fr. 150, 21
- Die Homer zugeschriebenen Epigonen sind verloren, so daß zu dieser Aussagen weiter nichts gesagt werden kann.
 
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