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Ἕν, Λόγος, Ἰδέα, Ἐνέργεια (496 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.01.2021 um 15:37 Uhr (
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Bezug:
1. Martin Heidegger: Hegel und die Griechen; in: ders., Wegmarken. Frankfurt/Main 1967, S. 255-272
2. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Teil 2: Thales bis Kyniker. Hrsg. v. Pierre Garniron und Walter Jaeschke. Hamburg 1989
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosphie. Nachschriften zum Kolleg 1823/24. Hrsg. v. Klaus Grotsch. Hamburg 2020
Heidegger komprimiert Hegels Deutung der griechischen Philosophiegeschichte auf diese vier Begriffe: Ἕν, Λόγος, Ἰδέα, Ἐνέργεια.
Das findet sich so klar und relativ simpel bei Hegel nicht; aber bekanntlich stellen seine Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie eine Kompilation dar, und die von Heidegger benutzte Hoffmeister-Ausgabe von 1940 steht mir nicht zur Verfügung.
Gewiß beginnt Hegel nicht mit den Eleaten, sondern - wie es sich gehört - mit Thales, worauf dann die Pythagoreer folgen, bevor er mit den Eleaten beginnt.
Nehmen wir es daher als "Heidegger deutet Hegel, wie er die Griechen deutet"; in diesem Falle von mir dann noch nachgedeutet.
- Ἕν: Parmenides und die Eleaten, das Eine ist das Sein, mit dem Denken identisch.
- Λόγος: Heraklit, zu verstehen als διαλέγεσθαι, Dialektik und damit als Auseinandersetzung der Gegensätze, als Werden. (Hier beginnt man die Schritte der hegelschen Logik zu erkennen.)
- Ἰδέα: Platon, geistige Urbilder des an und für sich selbst Seienden, die Stufe des Geistes.
- Ἐνέργεια: Aristoteles, die Wirklichkeit, noch bestimmter ἐντελέχεια, von Hegel als die reine Tätigkeit des absoluten Subjekts verstanden: das Sein ist durch die Gegensätze zum Geist geworden, der die Wirklichkeit bestimmt bzw. ist.
So kumuliert die griechische Philosophie für Hegel laut Heidegger in Aristoteles.