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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ruhm und die Sprache der Amme (538 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.12.2020 um 12:57 Uhr (Zitieren)
In seinen "Essais" (I 40) schreibt Michel de Montaigne:
Noch ein Wort zum Vergleich zwischen Cicero und Plinius auf der einen, Epikur und Seneca auf der anderen Seite: In den Schriften Ciceros und des jüngeren Plinius (der meiner Meinung nach wenige Ähnlichkeit mit der Wesensart seines Onkels hat) finden sich unzählige Zeugnisse ihrer maßlos ehrgeizigen Natur – so zum Beispiel, daß sie in aller Öffentlichkeit die Geschichtsschreiber ihrer Zeit ersuchen, sie in ihren Chroniken nicht zu vergessen; und das Schicksal hat gleichsam aus Verärgerung hierüber zwar diese eitlen Bittschriften bis zu uns gelangen, jene historischen Werke selbst aber längst verlorengehn lassen.

Nichts verrät bei Männern von solchem Rang eine würdelosere Gesinnung, als daß sie aus ihrer geschwätzigen Schönrednerei großen Ruhm schlagen wollten, für diesen Zweck selbst die an ihre Freunde gerichteten Privatbriefe verwendeten und dabei so weit gingen, einige Schreiben, die zum Verschicken nicht mehr aktuell genug waren, dennoch zu ver-öffentlichen – mit der famosen Ausrede, sie hätten ihre nächtelange Arbeit nicht umsonst verrichten wollen. Steht es zwei römischen Konsuln nicht großartig zu Gesicht, ihre Mu-ßestunden damit zu verbringen, daß sie ein hübsches Sendschreiben drechseln und zusammenbasteln, um sich so den hohen Ruf zu erwerben, sie verstünden sich gut auf die Sprache ihrer Amme? Könnte ein simpler Schulmeister verwerflicher handeln, der auf diese Weise seinen Lebensunterhalt verdiente?

Wenn die Taten Xenophons und Caesars ihre Eloquenz nicht bei weitem übertroffen hätten, glaube ich kaum, daß sie von ihnen jemals aufgezeichnet worden wären. Nicht ihrem Reden haben sie Geltung verschaffen wollen, sondern ihrem Tun; und wenn vollendete Wortkunst einer großen Persönlichkeit zu einem ihrer würdigen Ruhm verhelfen könnte, hätten Scipio und Laelius die durch ihre Lustspiele mit all den köstlichen Leckerbissen der lateinischen Sprache verdiente Ehre gewiß nicht dem afrikanischen Sklaven Terenz überlassen. (Denn daß diese Werke die ihren seien, wird von deren Schönheit und Vortrefflichkeit zur Genüge bewiesen, und Terenz selbst gesteht es ja ein. Jedenfalls wäre ich ungehalten, wollte man mir diese Überzeugung ausreden.)
[...]

(Michel de Montaigne: Essais. Übersetzt von Hans Stilett. Darmstadt 1999, S. 129)

Am überraschendsten war für mich die Behauptung, die Komödien des P. Terentius Afer, der in der Tat zum Kreis der Scipionen gehörte, stammten von Scipio. Das habe ich noch nie gehört. Und dennoch: "Terenz selber gesteht es ja ein." Wo?
 
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