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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Eheproblem (556 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.12.2020 um 14:22 Uhr (Zitieren)
Ohne Bezug zur Antike, obwohl dergleichen wohl auch damals möglich gewesen wäre:
[...] Die vielleicht amüsanteste Episode unter den Liebesabenteuern dieses Hofes [sc. Francesco de‘ Medicis] betraf seine älteste Tochter Eleonora. Francesco wollte sie mit Vincenzo Gonzaga, dem Erben des Herzogs von Mantua, verheiraten, aber er wollte dem habgierigen Herzog nicht mehr als 100000 Kronen als Mitgift zugestehen. Ein anderer Herr, der Herzog von Parma und Piacenza, bot 300000 Kronen, wenn Gonzaga seine Enkelin Margherita Farnese heiraten würde, was dann auch geschah. Er war 19, sie 14. Nach ein oder zwei Tagen hieß es – und der bisexuelle Vincenzo gab das auch zu –, die Ehe sei nicht wirklich vollzogen worden. Vincenzo sagte, es habe an dem Mädchen gelegen. Sie wurde deshalb untersucht und für normal befunden, aber körperlich sei sie noch nicht in der Lage, richtigen Geschlechtsverkehr zu haben.

Die Zeit verging, aber an Margheritas Unvermögen änderte sich nichts. Der Herzog von Mantua begann, sich wegen der Nachfolge Sorgen zu machen. Er war entschlossen, einen Enkel zu haben, der die Gonzaga-Linie fortsetzen sollte, und außer Vincenzo gab es niemanden, der diese Pflicht hätte erfüllen können. Nach erschöpfenden Untersuchungen berichtete sein Hofarzt, eine lebensgefährliche Operation sei nötig, um Margherita fruchtbar zu machen. Aber der Herzog war ein humaner Mann und beschloß statt dessen, die immer noch jungfräuliche Schwiegertochter unverzüglich nach Parma zurückzuschicken. „Ihre eigenen Leibärzte sollen sie kurieren“, rief er verdrossen.

Die Ärzte von Parma hatten auch nicht mehr Glück als ihre Kollegen in Mantua. Man wollte die Ehe annullieren, aber nun gab die Familie Farnese dem Vincenzo die Schuld. Er sei ein Sodomit und zu normalem Beischlaf nicht fähig. Das Mädchen bestätigte unschuldig, daß sie sich zu unnatürlichem Verkehr mit ihrem Mann bereitgefunden habe. Schließlich sprach Papst Gregor XIII. das Urteil. Auf der einen Seite, sagte er, habe er keinen Zweifel an Vincenzos Fähigkeit zu normaler ehelicher Intimität, und von der absoluten Notwendigkeit, die Dynastie von Mantua fortzusetzen, sei er ebenso überzeugt. Andererseits sei ebenso klar, daß Margherita zu diesem Ziel nicht von Nutzen sei. Sie sollte deshalb ins Kloster gehen, was die Auflösung ihrer Ehe bedeutete, und Vincenzo sollte wieder heiraten.

Daraufhin nahm der Herzog von Mantua das Gespräch mit Francesco de‘ Medici wieder auf. Der Großherzog erklärte, er werde Eleonora eine Mitgift von 300000 Kronen geben, aber sie erst an dem Tag auszahlen, an dem Margherita den Schleier nähme. Im Oktober 1583, zweieinhalb Jahre nach ihrer Hochzeit, wurde das unglückliche Kind, bitterlich weinend, Benediktinerin. Francesco und sein jüngerer Bruder, Kardinal Ferdinand de‘ Medici, stellten inzwischen eine neue Bedingung, ehe sie in [sic!] die Heirat zwischen Eleonora und Vincenzo zulassen wollten: Vincenzo müsse seine Männlichkeit an einer Jungfrau beweisen, aber vor Zeugen.

Nach heftigen theologischen Auseinandersetzungen in Rom stimmten Gregor und die Gonzagas schließlich zu. Der Gesandte Mantuas in Ferrara fand in der Stadt eine geeignete Jungfrau, die Tochter der Witwe eines römischen Architekten. Der Herzog von Ferrara erlaubte aber nicht, daß seine Untertanin in Mantua zur Schau gestellt würde. Schließlich wurde eine illegitime Albizzitochter namens Giulia, zwanzig Jahre alt und das schönste Mädchen im Florentiner „Waisenhaus der Frömmigkeit“, für diese Prüfung bestimmt, die in Venedig stattfand. Beim ersten Versuch mißlang Vincenzo der Beischlaf mit Giulia, weil er eine Verdauungsstörung hatte. Aber etliche Tage später gelang es ihm überragend – laut Aussage eines Zeugen, der sein Geschlecht befühlte.

Trotzdem behauptete Giulia zum Erstaunen aller, sie sei immer noch Jungfrau. Ein dritter Versuch fand statt, und diesmal gab es an Vincenzos Erfolg keinen Zweifel. Das Mädchen gestand, daß sie beim zweitenmal gelogen hatte, weil sie gerne eine weitere Demonstration von Vincenzos Meisterschaft erleben wollte. Sie sagte sogar, sie hoffe, schwanger zu sein, und wie sich später zeigte, war sie es tatsächlich auch.

Ende April 1584 wurde Eleonora de‘ Medici mit Vincenzo Gonzaga in Mantua verheiratet. Kardinal de‘ Medici besuchte am nächsten Morgen das Brautgemach und konnte nach eigenem Augenschein berichten, daß der Bräutigam die nächste Jungfrau defloriert hatte, allerdings nicht vor Zeugen. Der Großherzog zahlte die letzte Rate der vereinbarten Mitgift aus. Er gab auch einem römischen Musiker namens Giuliano 3000 Kronen, damit der die schwangere Giulia heiratete.

(James Cleugh: Die Medici. Macht und Glanz einer europäischen Familie. München 1984, S. 375-377)

Francesco de' Medici (1541-1587), Großherzog der Toskana
 
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