α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Frage nach dem Sinn eines Sprichwortes (540 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.12.2020 um 14:31 Uhr (Zitieren)
Plutarch erzählt in seinen "Quaestiones Graecae" (34) die folgende Geschichte:
Wer war der, der ein Rind seinem Wohltäter geopftert hat?

Ein Seeräuberschiff lag bei Ithaka auf Reede, in dem ein alter Mann mit Gefäßen war, die Teer enthielten. Mit diesem Schiff traf zufällig ein Fährmann namens Pyrrhias zusammen, und er befreite den Alten, ohne etwas zu verlangen, sondern von ihm überredet und aus Mitleid. Außerdem nahm er auf Geheiß des Alten einige von den Gefäßen.

Als die Seeräuber fort waren und keine Gefahr mehr bestand, führte der Alte Pyrrhias zu den Gefäßen und zeigte ihm, daß in ihnen viel Gold und Silber unter den Teer gemischt war. So war Pyrrhias plötzlich reich geworden. Er umhegte den Alten mit allem und opferte ihm ein Rind.

Das meint man mit dem Sprichwort: Niemand hat seinem Wohltäter ein Rind geopfert außer Pyrrhias [οὐδεὶς εὐεργέτῃ βοῦν ἔθυσεν ἀλλ' ἢ Πυρρίας].

Plutarch erklärt die Herkunft eines Sprichwortes. Doch wofür soll dieses Sprichwort stehen? Für die gewöhnliche Undankbarkeit von Menschen?
Re: Frage nach dem Sinn eines Sprichwortes
Γραικύλος schrieb am 15.12.2020 um 14:37 Uhr (Zitieren)
geopftert ---> geopfert
Re: Frage nach dem Sinn eines Sprichwortes
Andreas schrieb am 15.12.2020 um 16:23 Uhr (Zitieren)
Rinder opfert man gewöhnlich Göttern.
Es ist m.E. Ausdruck besonderen Dankes
und gleichsam göttlicher Verehrung.
Re: Frage nach dem Sinn eines Sprichwortes
Γραικύλος schrieb am 15.12.2020 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Diese Deutung leuchtet mir ein. Für einen Menschen wäre ein Rinderopfer normalerweise übertrieben.
Re: Frage nach dem Sinn eines Sprichwortes
Minoides schrieb am 16.12.2020 um 12:06 Uhr (Zitieren)
Ich würde den Dativ hier nicht als indir. Objekt, sondern als Dativus commodi verstehen wollen, da es tatsächlich, wie Babbitt zu seiner Übersetzung bemerkt, nicht glaubhaft ist, dass ausgedrückt werden sollte, einem lebenden Menschen sei ein Opfer dargebracht worden. Soll heißen: auch das Rind der Erzählung ist - wie anscheinend fast jedes im antiken Griechenland geschlachtete Tier - einem Gott geopfert worden. (Menschen haben ja üblicherweise größeren Genuss beim Verzehr des Opfermahls als beim Einatmen des Opferdampfs.)
Re: Frage nach dem Sinn eines Sprichwortes
Γραικύλος schrieb am 16.12.2020 um 13:33 Uhr (Zitieren)
Wenn man davon ausgehen kann, daß einem Menschen kein Rind als Opfer dargebracht wurde (was in der Tat unplausibel erschiene), dann ist der Dativus commodi eine ernstzunehmende Deutung.

Allerdings stellt sich mir dann die Frage, ob der so gedeutete Vorgang tatsächlich dermaßen selten war, daß das Sprichwort als solches sinnvoll bleibt. Hat man nicht dergleichen, etwa zur Geburt eines langersehnten Sohnes oder sonstwie aus Dankbarkeit, öfter getan?
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Münze

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.