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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Caesar non supra grammaticos (719 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.12.2020 um 16:16 Uhr (Zitieren)
1. Cassius Dio:

Im nächsten Jahr [17 u.Z.] empfingen Gaius Caecilius und Lucius Flaccus den Titel Konsuln. Wie nun zu Jahresbeginn einige dem Tiberius Geldgeschenke bringen wollten, verweigerte er die Annahme und veröffentlichte ein entsprechendes Edikt, in dem er einen nichtlateinischen Ausdruck verwendete.
Die ganze Nacht nun dachte er darüber nach und entbot schließlich alle hierfür einschlägigen Fachleute zu sich; lag ihm doch ein einwandfreier Stil sehr am Herzen. Da meinte ein gewisser Ateius Capito: „Selbst wenn niemand zuvor diesen Ausdruck gebrauchte, so wollen wir ihn doch jetzt wenigstens alle deinetwegen unter die klassischen Ausdrücke zählen.“ Dem begegnete jedoch ein gewisser Marcellus mit der Feststellung: „Du, Caesar, kannst das römische Bürgerrecht Menschen verleihen, nicht aber Wörtern [σύ, Καῖσαρ, ἀνθρώποις μὲν πολιτείαν Ρωμαίων δύνασαι δοῦναι, ῥήμασι δὲ οὔ].“ Und der Kaiser tat dem Manne trotz seines beispiellosen Freimuts deshalb nichts zuleide.

(LVII 17, 2)


2. Sueton:

Genauso war es, als er [sc. Marcus Pomponius Marcellus] an einem Ausdruck in einer Rede des Tiberius Anstoß nahm und, obwohl Ateius Capito versicherte, es sei gutes Latein, und wenn es das nicht schon wäre, so würde es dies bestimmt von jetzt an sein, dazwischenrief: „Capito lügt! Denn du, Caesar, kannst wohl Menschen das Bürgerrecht verleihen, einem Wort kannst du es nicht [Mentitur inquit Capito; tu enim, Caesar, civitatem dare potes hominibus, verbo non potes].”

(De grammaticis 22, 2)

Re: Caesar non supra grammaticos
filix schrieb am 14.12.2020 um 17:09 Uhr (Zitieren)
Der Schlüsselsatz der Anekdote aus Sueton, die ich vor Jahren einmal im Lateinforum vorgestellt habe, lautet, wie ich vor einiger Zeit beim Schmökern feststellte, in der Tusculum-Ausgabe „tu enim, Caesar, civitatem dare potes hominibus, verba non potes“ und wird auch so übersetzt. Der Caesar kann also den Menschen das Bürgerrecht verleihen, aber (ihnen) nicht Wörter. Textkritische Angaben fehlen dazu leider, dass die Pointe leidet, ist jedoch offensichtlich.
Re: Caesar non supra grammaticos
Γραικύλος schrieb am 14.12.2020 um 18:04 Uhr (Zitieren)
Hm. Interessant. Der Dativ steht allerdings auch bei Cassius Dio.
Re: Caesar non supra grammaticos
Γραικύλος schrieb am 14.12.2020 um 18:28 Uhr (Zitieren)
Was sagt denn die Teubner-Ausgabe?
Re: Caesar non supra grammaticos
filix schrieb am 14.12.2020 um 20:41 Uhr (Zitieren)
Die besitze ich nicht, ebensowenig die maßgebliche neuere kritische Ausgabe von Robert A. Kaster (1992/95), in der per Snippet zu lesen steht: „As virtually all editors agree, the archetype's verba must be corrupt: the choice lies between to conjectures, H's verbo (adopted by editors since Osann) and Faernus' verbis (the vulgate before Osann).“ Acumen salvum.
Re: Caesar non supra grammaticos
Γραικύλος schrieb am 14.12.2020 um 23:06 Uhr (Zitieren)
Verbo oder verbis, der Dativ also.

Die Teubner-Ausgabe habe ich mir bestellt.

Formulierungen wie "die maßgebliche neuere kritische Ausgabe" machen mich nervös, weil sie mich daran gemahnen, daß nicht einmal in der Erforschung der Antike die Zeit stillsteht. Aber das ist mein Problem bzw. das meines Alters.
Re: Caesar non supra grammaticos
Minoides schrieb am 15.12.2020 um 11:36 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 14.12.20, 23:06Die Teubner-Ausgabe habe ich mir bestellt.

Gibt es die überhaupt? Ich habe nur den ersten Band der Ihm-Edition von 2003 (Nachdruck der Ausgabe von 1933), der nur die Kaiserviten beinhaltet. Enthalten ist das Grammatiker-Buch aber auf jeden Fall im aktuellen (2016), ebenfalls von Kaster erstellten OCT-Sueton.

Aber unabhängig von der Überlieferung wird die Konjektur zum Dativ ja durch die angeführte Parallelstelle bei Cassius Dio gestützt und passt auch ganz gut zu et esse illud Latinum, et si non esset, futurum certe iam inde (auch wenn die civitas nicht Latina, sondern Romana war).
Re: Caesar non supra grammaticos
Γραικύλος schrieb am 15.12.2020 um 13:15 Uhr (Zitieren)
Davon gehe ich aus, daß es die gibt:

https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=Sueton&titel=De+grammaticis

Gar nicht teuer.
Re: Caesar non supra grammaticos
Minoides schrieb am 16.12.2020 um 11:54 Uhr (Zitieren)
Aha, gut.
Re: Caesar non supra grammaticos
Γραικύλος schrieb am 18.12.2020 um 15:26 Uhr (Zitieren)
Giorgio Brugnoli (Teubner 1963) entscheidet sich für "verbo" und nennt als seltene Variante "verba", als häufige in den Codices "verbis".
 
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