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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Äsop (531 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.12.2020 um 15:46 Uhr (Zitieren)
Plutarch in "Über die späte Strafe der Gottheit" (12) berichtet:
[...] Im anderen Fall, daß die Götter aus Saumseligkeit die Strafe bei den Bösen [ἐν τοῖς πονηροῖς] selbst fallengelassen haben und nachträglich von den Unschuldigen [παρὰ τῶν ἀναιτίων] eintreiben, ist es keine gute Art, Langsamkeit durch Ungerechtigkeit wettzumachen.

Ein Beispiel findet sich, denke ich, am hiesigen Ort [sc. Delphi]. Äsop kam hierher – so ungefähr ist es überliefert – mit Gold von Kroisos, um für den Gott ein prachtvolles Opferfest zu veranstalten und an jeden Bürger von Delphi vier Minen auszuteilen. Da soll irgendwie ein Streit mit den Einheimischen ausgebrochen sein. Äsop war zornig und führte nur das Opferfest durch, schickte das Geld aber nach Sardes zurück mit der Begründung, die Leute hier seien es nicht wert, daß man etwas für sie tue.

Diese hängten ihm daraufhin einen Prozeß wegen Tempelraubes [ἱεροσυλία] an, und er wurde hingerichtet durch Herabstürzen von jenem Felsen, den sie Hyampeia nennen. Als Folge davon, so heißt es, verhängte die Gottheit [τὸ θεῖον] ihren Zorn über sie und schickte Mißwachs des Bodens und unerklärliche Krankheiten aller Art.

Da ließen sie Herolde in Hellas umherziehen und bei den großen Festen immer wieder bekanntmachen: Wer an Stelle von Äsop eine Sühneleistung von ihnen entgegennehmen wolle, sei dazu eingeladen. Erst nach zwei Generationen fand sich ein Bewerber ein, Idmon von Samos, der zwar mit Äsop nicht verwandt war, aber von jener Familie abstammte, welche Äsop in Samos einst als Sklaven gekauft hatte. Diesem Idmon leisteten die Bürger von Delphi eine bestimmte Sühne und wurden daraufhin von ihren Plagen erlöst.

Seitdem soll auch der Hinrichtungsort von Tempelräubern vom Hyampeia-Felsen nach Aulia verlegt worden sein.

(Plutarch: Religionsphilosophische Schriften. Hrsg. v. Herwig Görgemanns. Düsseldorf/Zürich 2003, S. 82-85)


(Vgl. Herodot II 134)
 
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