Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Athen und Florenz (644 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.12.2020 um 18:44 Uhr (
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Es ist kein neuer Gedanke, das Florenz des Rinascimento mit dem klassischen Athen zu vergleichen. Diese enorme Dichte an kreativen Personen innerhalb einer Stadt von überschaubarer (und in etwa ähnlicher) Größe ist erstaunlich.
An welchen Faktoren mag das liegen?
Florenz kannte in dieser Zeit keine Sklaverei mehr, nicht einmal mehr die Leibeigenschaft. Die fehlende Unfreiheit verschaffte Florenz wohl noch einen Vorteil. Auch die zahlreichen Konflikte mit dem korrumpierten Papsttum machen einen Unterschied aus.
Aber:
In beiden Städten gab es einen verbreiteten Wohlstand, in Florenz durch Handel und Handwerk, in Athen noch zusätzlich durch die Beiträge des Attischen Seebundes. Das ermöglichte es, Künstler und künstlerische Aktivitäten zu finanzieren. Hinzu kamen Menschen, die Kultur als Mittel der Selbstdarstellung verstanden.
Adlige und Volk, Aristokraten und Demokraten standen in einem ständigen Konflikt. Auch nach außen gab es zahlreiche Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Städten. Rivalitäten können Potential freisetzen.
Ungeachtet der Feindseligkeiten mit den Päpsten spielten auch in Florenz, wie in Athen, kultische Rituale und darauf bezogene Bauten (Kirchen und Klöster auf der einen, Tempel auf der anderen Seite) eine große Rolle. In beiden Fällen engte die Religion aber die Kreativität nicht ein (sieht man in Florenz von der Savonarola-Phase ab), vielmehr war sie offen für neue Darstellungsformen.
Diese Faktoren begünstigen anscheinend eine lebendige Kultur.
Re: Athen und Florenz
Γραικύλος schrieb am 12.12.2020 um 17:57 Uhr (
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Cosimo der Ältere ("Pater patriae") hat es anscheinend gemacht wie Augustus: auctoritas statt potestas, d.h. die Macht unter weitgehendem Verzicht auf Ämter und bei Wahrung der republikanischen Fassade ausgeübt.
Re: Athen und Florenz
Marcella schrieb am 14.12.2020 um 15:27 Uhr (
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Dies wunderbare Buch von Michael Baxandall beschreibt detailliert, wie in Florenz die neuen ökonomischen frühkapitalistischen Verhältnisse und eine neue Wahrnehmungsweise (.z.B. die "Entdeckung" der Zentralperspektive) und das Florieren der Künste Hand in Hand gingen - und zwar schon 100 Jahre vor den Medici.
https://www.wagenbach.de/buecher/titel/878-die-wirklichkeit-der-bilder-2Re: Athen und Florenz
Γραικύλος schrieb am 14.12.2020 um 23:10 Uhr (
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Ach, das ist ein interessantes Buch! Mit Florenz werde ich inzwischen warm.
Bislang erscheinen mir Cosimo de' Medici und seine Epoche am ansprechendsten.