Γραικύλος schrieb am 04.12.2020 um 14:49 Uhr (Zitieren)
(Als Verfasser wird Homer angegeben, als Quelle Vit. hom. p. 39; Anthologia Graeca XIV 147)
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 04.12.2020 um 14:50 Uhr (Zitieren)
(Fehler im Titel)
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 04.12.2020 um 15:08 Uhr (Zitieren)
Daß sie mit so vielen Kriegern zehn Jahre und letztlich noch eine List gebraucht haben, um Troja zu erobern, könnte man als Kompliment an die Trojaner verstehen.
Re: Zahl der Greichen vor Troja
arbiter schrieb am 04.12.2020 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Hast du nachgerechnet, glaubst das wirklich?
Das wäre ein gr0ßer Teil der gesamten Weltbevölkerung der Zeit.
Man bedenke auch die logistischen und Ressourcen-Probleme.
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 04.12.2020 um 18:50 Uhr (Zitieren)
Natürlich glaube ich das nicht. Nur: Auch der Verfasser, so unterstelle ich, konnte rechnen. Was mag er sich dabei gedacht haben?
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 04.12.2020 um 18:54 Uhr (Zitieren)
Übertriebene Zahlen sind ja, vor allem bei Heeren, in der Antike beinahe Standard. Dies aber übertrifft alles.
Ich verstehe den Sinn nicht.
Von welcher Zahl müßte man bei den Trojanern ausgehen, um einen zehnjährigen Krieg verständlich zu machen? Letztlich sogar ein Patt, sieht man einmal von dem Pferdetrick ab.
Re: Zahl der Greichen vor Troja
filix schrieb am 04.12.2020 um 20:50 Uhr (Zitieren)
Präsentiert wird das ja eigentlich als mathematisches Rätsel, die Zahlen (7,9,50) haben hohe mythologisch-symbolische Bedeutung (Roscher hat jeder von ihnen eine Monographie gewidmet), die 50 begegnet einem nicht nur beim Schiffstyp Pentekontere, sondern auch mit damit in Zusammenhang stehenden Sagen wie den 50 Argonauten, es gibt 50 Nereïden, 50 Mitglieder zählen diverse Chöre undKollegien, 50 Söhne hat nach Homer Priamos (Ilias 24,495) usf. Außerdem kommen manche zu plausibler scheinenden Zahlen in der Lösung, da sie annehmen, dass auf den 50 Bratspießen nicht je 50 Portionen sind, sondern auf 50 Bratspießen insgesamt 50, also eine pro Spieß, die für 900 Mann reicht - das ergibt dann 7 x 50 x 900 = 315000 Griechen vor Troja.
Re: Zahl der Greichen vor Troja
arbiter schrieb am 04.12.2020 um 21:11 Uhr (Zitieren)
Auch das dürfte um ein Vielfaches übertrieben sein, mehr als die Geamtbevölkerung Griechenlands.
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 04.12.2020 um 23:37 Uhr (Zitieren)
An die Deutung 7 x 50 x 900 habe auch ich gedacht.
Und ja, die Zahlen haben eine mythische Bedeutung.
Allerdings ändert das nichts an den von arbiter artikulierten Bedenken. Unklar ist ferner, wie 900 Mann von 50 Bratspießen satt werden sollen.
Es bleibt rätselhaft, wie weit sich diese Zahlenspielerei von der Realität entfernt.
Re: Zahl der Greichen vor Troja
filix schrieb am 05.12.2020 um 00:29 Uhr (Zitieren)
Als Verteidigung der Plausibilität selbst der geringeren Zahl (wobei 900 von einem, nicht fünfzig Bratspießen satt werden müssen, das 350 Mal) war das nicht gedacht. Die Frage ist eher, warum man an so eine Textgattung, die mit einem durch und durch mythischen Krieg und der Zahlensymbolik literarisch spielt, überhaupt mit der Frage nach ihrem geschichtlichen Wahrheitsgehalt herantreten soll. Einen anthropologischen Grundzug, Bedeutungssteigerung eines Ereignisses durch große Teilnehmerzahlen zu erzielen, kann man darüber hinaus wohl ansetzen. Das ist heute nicht anders, wenn die z.B. die Frage aufkommt, wie viele Teilnehmer nun auf der Demonstration waren. Da fallen die Antworten mitunter ähnlich phantastisch aus.
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 05.12.2020 um 14:02 Uhr (Zitieren)
Im Grunde läuft meine Frage darauf hinaus, wie diese mythischen Angaben hier funktionieren.
Daß da nicht tatsächlich 315000 oder gar 15750000 griechische Helden gekämpft haben - geschenkt.
Daß die Veranstalter von Demonstrationen die Teilnehmerzahl verdoppeln oder verdreifachen, ebenso Militärs die Zahlen der feindlichen Verluste - auch klar.
Aber warum bläht hier in diesem Falle der Verfasser die Zahlen so maßlos auf? Was will er dadurch erreichen?
Bei mir hat er lediglich die Frage bewirkt: Und die haben es in zehn Jahren nicht geschafft, eine Stadt zu erobern?
D.h. die Zahl wirkt peinlich, und das kann nicht in seinem Interesse liegen.
Aber vielleicht hat er die staunenden Münder von (kleinen und großen) Kindern im Sinn gehabt.
Re: Zahl der Greichen vor Troja
filix schrieb am 05.12.2020 um 15:11 Uhr (Zitieren)
Da es im Certamen Homeri et Hesiodi eine Parallelstelle gibt, in der das nur geringfügig abweichende Rätsel von Homer auf die Frage Hesiods, wie viele Griechen vor Troja es nun waren, gestellt wird, dessen Ergebnis im Anschluss als unglaublich bezeichnet wird, gehört es vermutlich ursprünglich in einen agonalen Zusammenhang mit entsprechender Überbietungsdynamik.
In der Ilias (2,119ff) ist außerdem die drohende schändliche Erfolglosigkeit der Griechen trotz zahlenmäßiger Überlegenheit (mind. 10:1), die ebenfalls in einer Art Zahlenrätsel präsentiert wird, Thema in der Rede Agamemnons, in der er das Heer auf die Probe stellt.
Zu denken ist vielleicht auch an die alte Auffassung, wonach, um es mit Solon zu sagen, die Dichter viel(es) lügen, ein Vorwurf der gerade Homer in der Antike traf.
Re: Zahl der Griechen vor Troja
Γραικύλος schrieb am 05.12.2020 um 15:50 Uhr (Zitieren)
Die Stellen, die Du genannt hast, werde ich mir einmal anschauen.
Re: Zahl der Greichen vor Troja
Andreas schrieb am 05.12.2020 um 17:41 Uhr (Zitieren)