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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Rom und Florenz (618 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.11.2020 um 14:29 Uhr (Zitieren)
Die großen und natürlichen Feindschaften, welche zwischen Bürgertum und Adel bestehen und ihren Grund darin haben, daß dieser befehlen, jenes nicht gehorchen will, sind die Quelle aller Übel, an denen die Städte kranken. Denn in dieser Verschiedenheit der Neigungen findet jeglicher Zwist, der die Ruhe des Freistaates zu stören kommt, seine Nahrung.

Dies war der Grund der Spaltungen Roms; dies, wenn es erlaubt ist, Kleines mit Großem zu vergleichen, die Ursache des Unfriedens in Florenz. In einer und der andern Stadt waren indes die Wirkungen verschiedener Art. Denn in Rom wurde die Uneinigkeit zwischen Volk und Adel durch Worte geschlichtet, in Florenz durch Waffen. Die Fehden in Rom endeten durch eine Gesetz, die in Florenz mit dem Exil und dem Tode zahlreicher Bürger. In Rom steigerten sie den kriegerischen Geist, in Florenz ertöteten sie ihn. Während in Rom aus Gleichheit der Bürger die größte Ungleichheit hervorging, wurde in Florenz Ungleichheit zu bewunderungswürdigster Gleichheit.

Diese Verschiedenheit der Wirkungen muß in der Verschiedenheit der Zwecke, welchen diese beiden Völker gelebt, ihren Grund haben. Denn das römische Volk wollte in Gemeinschaft der Adeligen der höchsten Ehren teilhaft werden: das florentinische Volk kämpfte für die alleinige Herrschaft mit Ausschluß des Adels. Und wie das Verlangen des römischen Volks das vernünftigere, waren auch die dem Adel auferlegten Beschränkungen leichter zu ertragen; so daß dieser leicht und ohne zu den Waffen zu greifen nachgab und man nach einiger Meinungsverschiedenheit sich zu einem Gesetze einigte, durch welches dem Volke gewillfahrt wurde, ohne daß des Adels Ehre darunter litt. Andererseits aber war das Verlangen des florentinischen Volkes verletzend und ungerecht: daher kam es, daß der Adel mit aller Kraftanstrengung auf seine Verteidigung bedacht war, so viel Bürgerblut floß, so viele ihre Heimat verlassen mußten. Und die nachmals entworfenen Gesetze nahmen nicht auf das allgemeine Beste acht, sondern waren dem Sieger allein günstig.

In Rom mehrten sich Gemeinsinn und Tugend mit den Siegen des Volkes: denn dadurch, daß Leute vom Volke zugleich mit den Adeligen die obersten Magistraturen, die Befehlshaberstellen in den Heeren und den eroberten Reichen erlangen konnten, wurden sie von demselben Hochsinn erfüllt, der die Adligen beseelte; und mit der Zunahme an Tapferkeit ging die Zunahme an Macht Hand in Hand. Als aber in Florenz das Volk siegte, blieb der Adel ausgeschlossen von den Ämtern, und wollte er zu denselben zugelassen werden, so mußte er im Verhalten, in der Gesinnung und Lebensweise den Popolanern nicht bloß gleich sein, sondern auch scheinen. Daraus entstand die Veränderung der Wappen, der Wechsel der Familiennamen, welche die Adeligen, um für Popolane zu gelten, vornahmen, so daß die Tapferkeit und der Hochsinn, die im Adel waren, erloschen, ohne im Volke, wo sie nicht waren, aufleben zu können. So sank Florenz immer tiefer in der Gesinnung.

Und während Rom, nachdem jener Hochsinn in Übermut ausgeartet, dahin gelangte, daß es ohne einen Fürsten nicht mehr bestehen konnte: ist es mit Florenz so weit gekommen, daß ein verständiger Gesetzgeber jede beliebige Form der Regierung einführen könnte. [...]

(Niccolò Machiavelli: Geschichte von Florenz. Zürich 1986, S. 156-158)

Was ergäbe der Vergleich von Florenz mit Athen?
 
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