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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein neues altgriechisches Gedicht (803 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.11.2020 um 11:44 Uhr (Zitieren)
In einem Literaturforum habe ich das auf Altgriechisch verfaßte Gedicht eines lebenden Autors gefunden:
Metamorphosen

Πολλαὶ μορφαί, πολλαί τε καὶ μεταλλαγαί
ἄνω τῆς γῆς γίνονται τῆς δε καὶ κάτω.
Οὔκ ἐστι θνητῶν ὅστις οὐκ ἀμείβεται.
Ἦ μὴν τὸ νῦν ὡς τὸ πρὶν οὐνομάζομαι,
ἀλλὰ πρώην οὐκ ἦν οἷος νῦν εἴμ’ ἐγὼ.
Oὐ δήπου δὴν ὁμός τ’ἴσος τε προσμένω,
Μεταλλάσουσιν γάρ μοι σῶμα καὶ νόος.
Ὅσους, μὰ Ζῆν, νεκροὺς ἐκ τοῦδε σώματος
ἤδη με χρῆν τετμήκεναι, βεβλήκεναι,
θέλω γὰρ ζῆν, θέλω γὰρ εἰσορᾶν φάος.


Der Autor nennt sich im Rahmen des dortigen Forums Roger-Bôtan und hat der Veröffentlichung hier zugestimmt. Vermutlich freut er sich über Rückmeldungen.

https://www.keinverlag.de/442495.text
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Γραικύλος schrieb am 16.11.2020 um 14:03 Uhr (Zitieren)
Der Autor macht mich darauf aufmerksam, daß in der vorletzten Zeile zwei Akzente falsch gesetzt sind: τετμηκέναι, βεβληκέναι muß es heißen.
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Johannes schrieb am 16.11.2020 um 14:28 Uhr (Zitieren)
Wer wagt sich an eine Übersetzung oder Übertragung?
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Minoides schrieb am 16.11.2020 um 14:50 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 16.11.20, 14:03daß in der vorletzten Zeile zwei Akzente falsch gesetzt sind

In Bezug auf die Akzente müsste auch bei "Οὔκ ἐστι" und bei "εἴμ’ ἐγὼ" nachgebessert werden. Wenn als Metrum der iamb. Trimeter intendiert war, gäbe es da auch noch einiges zu tun.
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Γραικύλος schrieb am 16.11.2020 um 15:23 Uhr (Zitieren)
μάλιστα γὰρ λεκτικὸν τῶν μέτρων τὸ ἰαμβεῖόν ἐστιν. σημεῖον δὲ τούτου, πλεῖστα γὰρ ἰαμβεῖα λέγομεν ἐν τῇ διαλέκτῳ τῇ πρὸς ἀλλήλους, ἑξάμετρα δὲ ὀλιγάκις καὶ ἐκβαίνοντες τῆς λεκτικῆς ἁρμονίας.

Denn am besten zum Sprechen geeignet ist von den Metren der Jambus. Beweis dafür ist: Am meisten verwenden wir im Gespräch miteinander Jamben, Hexameter hingegen selten, und dabei verlassen wir den natürlichen Sprachfluß.

(Aristoteles: Poetik 1449a 24-28)
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Γραικύλος schrieb am 16.11.2020 um 15:43 Uhr (Zitieren)
Noch ein Hinweis zur Gestaltung eines iambischen Trimeters:
Jeder Trimeter hat mindestens eine, die meisten nur eine Zäsur; die Mehrzahl der Trimeter besteht also aus zwei Kola. Die wichtigsten Zäsuren sind die nach dem 2. Anceps oder nach dem 2. Breve.

(Dietmar Korzneniewski: Griechische Metrik. Darmstadt 1968, S. 45)
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Roger schrieb am 16.11.2020 um 16:08 Uhr (Zitieren)
Οὐκ ἔστι ist tatsächlich richtiger. My bad. Ευχαριστώ πολύ (das war Neugriechisch).
Das mit εἴμ' ἐγὼ, da habe ich wohl alles richtig akzentuiert, vgl.
κούρη δ' εἴμ' Ἀρύβαντος ἐγὼ ῥυδὸν ἀφνειοῖο (Od. 15, 426)
κατόπτης δ' εἴμ' ἐγὼ τῶν πραγμάτων (Αἴσχυλος, ΕΠΤΑ ΕΠΙ ΘΗΒΑΣ, 41)
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Γραικύλος schrieb am 16.11.2020 um 16:38 Uhr (Zitieren)
εἴμ' ἐγὼ --> εἴμ' ἐγώ (anders als bei Aischylos: am Satzende!)
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Minoides schrieb am 16.11.2020 um 19:15 Uhr (Zitieren)
Zitat von Roger am 16.11.20, 16:08Das mit εἴμ' ἐγὼ, da habe ich wohl alles richtig akzentuiert

Ja, bei der Betonung von εἴμ' habe ich mich geirrt.

Beim iambischen Trimeter (wenn es denn einer sein soll) bezog sich mein Einwand darauf, dass an der Stelle, wo im iambischen Metrum stets eine Kürze stehen sollte (2. Senkung), sich bei dir oft eine lange Silbe findet.
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Roger schrieb am 17.11.2020 um 10:31 Uhr (Zitieren)
Stimmt alles, mein Trimeter ist (war) crap, Aischylos würde motzen und Aristophanes würde sich darüber lustig machen.
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Mitleser schrieb am 17.11.2020 um 15:05 Uhr (Zitieren)
Hat keiner Lust zum Übersetzen?
Re: Ein neues altgriechisches Gedicht
Roger schrieb am 17.11.2020 um 15:40 Uhr (Zitieren)
OK, ich übersetze es, aber nicht diese Variante, die in den Sondermüll gehört. Die aktuelle Fassung lautet folgendermaßen (die wird sich wahrscheinlich noch mehrmals ändern):


Πολλαὶ γίνονται πανταχοῦ μεταλλαγαί
ἐπὶ γῆς μελαίνης τῆςδε καὶ κάτω χθονός.
Οὐκ ἔστι θνητῶν ὅστις οὐκ ἀμείβεται.
Ἦ μὴν τὸ νῦν ὡς τὸ πρὶν οὐνομάζομαι,
ἄλλ’ οἷος εἰμὶ νῦν ἐγὼ χθὲς οὐκ ἔα,
ὁμός τ’ἴσος τε δὴν μένεσκον οὔποτε,
ἀλλάσσεται γὰρ μοὶ φύσις τε καὶ νόος.
Μὰ Ζῆν’, ὅσους δὴ τοῦδε σώματος νέκυς
ἀπέτμαγόν γε τοῖς κόραξιν ἐμβαλών,
εὖ δρᾶν θέλων καὶ δηρὸν εἰσορᾶν φάος.

Viele Veränderungen geschehen überall auf dieser schwarzen Erde und darunter. Keiner der Sterblichen bleibt unverändert. Fürwahr, ich heiße heute so, wie ich vorher geheißen hatte, doch bin ich jetzt nicht der gleiche wie gestern; nie blieb ich lange derselbe und der gleiche, denn meine Natur und mein Geist sich verändern. Bei Zeus, wie viele Tote habe ich tatsächlich von diesem (meinem) Körper abgetrennt und den Raben hingeworfen! Denn ich will, dass es mir gut geht und dass ich lange das Licht (des Lebens) sehen kann.
 
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