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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Grieche beschreibt das indische Kastensystem #1 (384 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.09.2020 um 14:42 Uhr (Zitieren)
40 Die gesamte Bevölkerung Indiens ist in sieben Kasten [εἰς ἑπτὰ μέρη] eingeteilt, von denen die erste die der Philosophen darstellt, an Zahl weit geringer als die anderen, an Bedeutung hingegen weitaus an erster Stelle.

Die Philosophen sind frei von jeder öffentlichen Dienstleistung, haben zwar nicht das Recht, über andere Gewalt auszuüben, können aber auch von niemandem bevormundet werden [ἀλειτούργητοι γὰρ ὄντες οἱ φιλόσοφοι πάσης ὑπουργίας οὔθ‘ ἑτέρων κυριεύουσιν οὔθ‘ ὑφ‘ ἑτέρων δεσπόζονται].

Sie werden von Privatleuten nur zu den Götteropfern wie auch nach dem Tode zur Bestattung beigezogen, da sie ja am meisten von den Göttern bevorzugt seien wie auch vom Hades am meisten wüßten. Für diese Leistungen erhalten sie Geschenke und entsprechende Ehrungen. Dem ganzen Volke der Inder aber sind sie insofern von Nutzen, als sie am Anfang jedes Jahres in der großen Volksversammlung [σύνοδος] der anwesenden Menge Dürre und Regengüsse, dazu die Windverhältnisse, Krankheiten und ferner dazu alles andere voraussagen, was den Zuhörern von Nutzen sein könnte.

Indem sie nun aber die Zukunft im Voraus erfahren, vermögen die Menschen wie auch der König gleich von vornherein auch zur Neige gehende Vorräte aufzufüllen und stets die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Gibt ein Philosoph aber einmal eine falsche Voraussage, so hat er weiter keine Schande zu erwarten, als daß er für den Rest seines Lebens den Mund nicht mehr auftun darf.

Die zweite Klasse ist die der Bauern, an Zahl weitaus die stärkste, wie es scheint. Sie sind vom Kriegsdienst und anderen Lasten befreit und beschäftigen sich allein mit dem Ackerbau. Und kein Kriegsfeind, der einen Bauern auf dem Lande trifft, würde diesem ein Leid antun: Als gemeinsamem Wohltäter aller hält man sich von jeder Gewalttat ihnen gegenüber zurück.
So bleibt ihr Land unverwüstet, strotzt von Früchten und ermöglicht den Menschen ausreichende Ernährung mit allem, was sie zum Leben notwendig haben. Mit Weib und Kind leben sie auf den Feldern und verzichten sogar auf den gelegentlichen Besuch in den Städten. Da nun das ganze Land dem König gehört, ein Privatmann hingegen Land gar nicht erwerben darf, so zahlen sie für den Boden Steuern, und neben diesem führen sie auch noch den vierten Teil ihrer Erträge an die königliche Verwaltung ab.

Die dritte Klasse ist die der Kuh- und Schafhirten, überhaupt alles, was mit dem Weidewesen zu tun hat. Sie bewohnen weder Dorf noch Stadt, sondern führen ein Leben in Zelten. Andere unter ihnen sind Jäger und halten das Land von Vögeln und wilden Tieren frei. Indem sie dieser Beschäftigung aber eifrig und unverdrossen nachgehen, sorgen sie in Indien für allgemeine Sicherheit. Denn das Land ist voll von verschiedenartigen Raubtieren und auch Vögeln, welche die von den Bauern ausgestreuten Samenkörner verzehren.

(Diodorus Siculus II 40)
 
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