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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Symmachus und der Ausgang des Heidentums (440 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.09.2020 um 13:26 Uhr (Zitieren)
[...] [Es] hielten sich heidnische Strömungen vor allem durch das hartnäckige Engagement stadtrömischer Senatskreise. Zunächst mußte sogar Theodosius I. Männern wie Praetextatus, Symmachus und Flavianus gewisse Zugeständnisse machen. Er verlieh ihnen hohe Ämter, besonders das einflußarm gewordene, aber noch immer als besonders ehrenvoll geltende Konsulat. Die Senatoren gaben sich dafür als kaisertreu aus und zeichneten auch offen als die eigentlichen Patrioten Roms, die den Ruhm der „Ewigen Stadt“ überschwenglich priesen und Männer wie Ammianus Marcellinus, den maßgeblichen Historiker der Epoche, förderten.

Etwas rätselhaft bleiben die Beziehungen der heidnischen Senatoren zur Sammlung der sogenannten Kaisergeschichtsschreiber (Scriptores Historiae Augustae), einer Reihe von Biographien der Kaiser zwischen Hadrian und Carinus. In der antichristlichen und sozialkonservativen Einstellung decken sich der (oder die) Verfasser des biographischen Werkes so eindeutig mit der Tendenz des Symmachuskreises, daß moderne Forscher enge sachliche wie persönliche Kontakte voraussetzen konnten. Aus überlieferungsgeschichtlichen Gründen läßt sich ein endgültiger Beweis jedoch nicht geben.

Die Männer um Symmachus hüteten liebevoll das Erbe einer großen Vergangenheit, indem sie vor allem Werke klassischer Schriftsteller wie Vergil und Livius neu herausgaben oder kommentieren ließen. Gewiß war die Philologie hier nur Mittel zu dem Zweck, Rom im Sinne der großen heidnischen Tradition wieder zu erwecken, denn am ehesten hätte man die schmachvolle Gegenwart durch bedeutende politische und militärische Leistungen vergessen lassen können. Darauf zielte der Symmachuskreis natürlich auch hin und unterstützte schließlich, so gut es ging, die Usurpation des ehemaligen Rhetors Eugenius, quasi eines der Ihren, beim Endkampf gegen Theodosius.

Das Wirken dieses Kreises, das vor allem auch bildungsgeschichtlich wichtig ist, denn ohne ihn wären manche klassischen Schriften verlorengegangen und der Schul- und Bildungsbetrieb dieser Periode wohl noch mehr eingeengt worden, konzentrierte sich aber darauf, Gegenpositionen zu dem allmächtig werdenden Christentum zu setzen und die römische Sache möglichst untrennbar mit stoischen und neuplatonischen Gedanken zu verbinden, die neben der Einbeziehung des Romideals auch die Berücksichtigung humaner Ideen ermöglichte: Man vergaß auch nicht, für die Menschenrechte der Sklaven einzutreten.

Hierbei ergaben sich natürlich Anknüpfungspunkte an die Julianische Reform, freilich auch an deren teilweise undurchsichtige demagogische Zielsetzungen. Wie liebenswürdig und menschlich wirken allerdings die meisten Briefe des Symmachus, der mit einer großen Zahl wichtiger Persönlichkeiten dieser Zeit korrespondierte. Heiter und fast ausgeglichen steht diese Persönlichkeit vor dem Leser, denn ernste Probleme werden zwar nicht verschwiegen, aber im allgemeinen doch nur sacht angedeutet, so, als handle es sich um Bagatellen.

Dieser Eindruck läßt sich kaum verwischen, und aus ihm erklärt sich zumindest teilweise der mangelnde Erfolg der geistigen und kulturellen Bemühungen des ganzen Kreises. In eine ausweglose Situation gedrängt, nahm man die anderen, aber auch sich selbst nicht mehr ganz ernst, versuchte höchstens zu retten, was mit den zur Verfügung stehenden Mitteln eben zu retten war. Und das hieß im geistigen Bereich: mit den Mitteln der Ironie, oft sogar nur eines sanften Spottes, der die Stelle der meist scharfen Polemik bei den zeitgenössischen christlichen Gegnern (Ambrosius, Hieronymus, Augustin) einnahm. Für diese Spätphase des Heidentums ist Toleranz sogar zu einem Hauptcharakteristikum geworden, während das Christentum dieser Zeit sich meist sehr intolerant gebärdete.

[i](Hans-Joachim Diesner: Die Völkerwanderung. Leipzig ²1980, S. 63 f.]

- Eugenius: Usurpator 392 bis 394
- Julianische Reformen: Julianus Apostata, der letzte heidnische Kaiser (361 bis 363)
Re: Symmachus und der Ausgang des Heidentums
Γραικύλος schrieb am 12.09.2020 um 13:09 Uhr (Zitieren)
Soeben sind die Relationes des Symmachus neu erschienen:
Symmachus

Amtliche Schreiben

Lateinisch-deutsch
Herausgegeben und übersetzt
von Alexandra Forst

Berlin/Boston 2020
(Tusculum)

Dazu gehört natürlich auch die berühmte 3. Relatio, in der es um die Erhaltung des Victoria-Altares im römischen Senatsgebäude geht.
Trotz Symmachus' Einsatz wurde er als heidnisches Relikt abgerissen.
 
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