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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Pausanias muß Asyl suchen (443 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.09.2020 um 17:47 Uhr (Zitieren)
Thukydides I 131-134 berichtet darüber:

Der spartanische Feldherr und König Pausanias, Sieger in der Schlacht von Plataiai (479 v.u.Z.), wurde in seiner Heimatstadt des Medismos, d.h. der Kollaboration mit den Persern, beschuldigt.
131 [...] Pausanias, der möglichst wenig Verdacht erregen wollte und sich zutraute, er könne mit Geld alle Anwürfe zerstreuen, kehrte zum zweitenmal nach Sparta zurück. Zuerst wurde er von den Aufsehern ins Gefängnis geworfen (die Aufseher haben das Recht, das mit den Königen zu tun), später erreichte er dann, daß er herauskam, und stellte sich dem Gericht, wo jeder, der wollte, ihn befragen durfte.

132 Einen offenkundigen Beweis hatten nun die Spartaner nicht, weder seine Feinde noch die gesamte Stadt, um darauf zuverlässig gestützt einen Mann zu strafen vom königlichen Geschlecht [sc. der Aigiden], der zur Zeit gar noch im Amt war (denn er hatte die Vormundschaft über den noch jungen König Pleistarchos, seinen Vetter); aber viel Verdacht erweckte seine Selbstherrlichkeit und Nachahmung der Barbaren, als wolle er sich nicht ins Bestehende einfügen; sie überprüften seine ganze Lebensweise, wo sie etwa abstach von Brauch und Herkommen, und namentlich, daß er auf den Dreifuß in Delphi, das Weihgeschenk der Hellenen aus der Perserbeute, selber von sich aus gut befunden hatte zu schreiben:

Ἑλλήνων ἀρχηγὸς ἐπεὶ στρατὸν ὤλεσε Μήδων,
Παυσανίας Φοίβῳ μνῆμ‘ ἀνέθηκε τόδε.

Fürst der Hellenen im Feld, da er Persiens Scharen vernichtet,
Stellt Pausanias dies Denkmal, Apollo, dir auf.

Diesen Zweizeiler hatten die Spartaner gleich damals von dem Dreifuß weggefeilt und dafür die Namen aller Städte aufgeschrieben, die zusammen die Barbaren geschlagen und das Weihgeschenk errichtet hatten. Als Unrecht wurde dies dem Pausanias schon damals angerechnet; nachdem er aber nun in dieser Lage war, erschien es noch viel mehr als Ausdruck schon seiner jetzigen Gesinnung.

Sie erfuhren aber auch von Verhandlungen, die er mit den Heloten führte, und in der Tat, er versprach ihnen Befreiung und Bürgerrecht, wenn sie sich am Umsturz und seinem ganzen Unternehmen beteiligen wollten.
Und doch fanden sie es immer noch bedenklich, gestützt auf Aussagen einiger Heloten, ihm gegenüber abzugehn von der alten Sitte, die sie gegeneinander beobachteten, daß sie nicht rasch über einen Spartiaten ohne unumstößliche Beweise einen unheilbaren Beschluß fassen.

Schließlich aber, so wird erzählt, verriet ihn derjenige, der dem König den letzten Brief an Artabazos besorgen sollte, ein Mann aus Argilos, der einst sein Geliebter und ihm völlig ergeben war; den hatte die Wahrnehmung geängstigt, daß keiner der Boten von ihm je zurückgekehrt war; er fälschte darum das Siegel, damit man nichts merke, falls seine Vermutung ihn tröge oder der König noch etwas umzuschreiben verlange, erbrach den Brief und fand darin beiläufig noch den Auftrag geschrieben, der seine Ahnung bestätigte, nämlich er selbst solle umgebracht werden.

133 Als er nun den Brief zeigte, da trauten die Aufseher schon eher, wollten aber noch selber Ohrenzeugen werden von Pausanias‘ eigenen Worten, und der Mensch verhalf ihnen dazu, indem er als Schutzflehender [ἱκέτης] zum Tainaron ging, sich dort eine Doppelhütte mit Querwand einrichtete, hinter der er einige der Aufseher versteckte, und als Pausanias zu ihm kam und nach dem Grund seines Flehens fragte, vernahmen sie alles genau, wie der Mensch ihm vorrückte, was von ihm in dem Briefe stand, und ihm weiter im einzelnen vorrechnete, daß er ihm nie in allen Geschäften beim Großkönig lässig gedient habe und nun des Vorzugs gewürdigt sei, gleich wie die meisten seiner Diener zu sterben, und wie Pausanias die Dinge selbst alle zugab und nur den Zorn des Mannes wegen des Geschehenen zu beschwichtigen suchte, ihm auch Sicherheiten gab, damit er aus dem Heiligtum aufstünde, und ihn bat, sich schleunigst auf den Weg zu machen und nicht das ganze Beginnen zu gefährden.

134 Nachdem nun die Aufseher alles genau gehört hatten, gingen sie für diesmal zurück und wollten, endlich ihrer Sache sicher, die Festnahme in der Stadt vollziehn. Es heißt nun, da er auf der Straße ergriffen werden sollte, sah er dem einen der Aufseher, der auf ihn zutrat, im Gesichte an, wozu er käme, und da ein anderer, der ihm wohlwollte, ihm mit unmerklichem Nicken einen Wink gab, wandte er sich ins Heiligtum des Chalkioikos, im Laufschritt, und entrann den Verfolgern; der Bezirk war nämlich nah.

Er betrat ein nicht sehr großes Gebäude, das zum Heiligtum gehörte, um nicht den Unbilden des Himmels ausgesetzt zu sein, und hielt sich still darin. Die andern, die ihn im Augenblick der Flucht nicht mehr hatten einholen können, hoben danach den Giebel des Gebäudes an, und indem sie ihn drinnen beobachteten, daß er nicht heraus konnte, mauerten sie die Tür zu, belagerten ihn und hungerten ihn aus.

Kurz bevor er dann, wie er war, in dem Gebäude verscheiden wollte, nahmen sie den Augenblick wahr und führten ihn noch lebend aus dem Heiligtum, und kaum draußen, starb er auf der Stelle.

Zuerst hatten sie vor, ihn in den Keadas zu werfen wie die Verbrecher; aber dann beschlossen sie, ihn dort in der Nähe wo zu vergraben.
Der Gott in Delphi kündete aber später den Spartanern, sie müßten das Grab dorthin verlegen, wo er gestorben war (es liegt jetzt im Vorbezirk, wie Inschriftentafeln dort melden), und sie müßten wegen dieses Fluches zwei Menschen für den einen der Chalkioikos darbringen [δύο σώματα ἀνθ‘ ἑνὸς τῇ Χαλκιοίκῳ ἀποδοῦναι]. Da machten sie zwei eherne Standbilder und weihten sie zur Sühne für Pausanias.


Artabazos war der Satrap von Phrygien.
 
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