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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ptolemaios IX. und ein scheinbar rituelles Massaker an Juden (479 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.09.2020 um 15:23 Uhr (Zitieren)
Ptolemaios IX. Philometor Soter II. Lathyros regierte von 116 bis 107 und von 88 bis 81 v.u.Z.
4 Als nun aber Zoïlus und die Gazäer den Ptolemaeus um seine Hilfe ersuchen ließen, weil ihre Äcker von den Juden verwüstet würden, hob Alexander aus Furcht vor diesem die Belagerung auf, führte sein Heer heim und benahm sich nun zweideutig, indem er insgeheim die Kleopatra gegen den Ptolemaeus zu Hilfe rief, andererseits aber mit letzterem zum Scheine ein Freundschaftsbündnis aufrecht erhielt. Ja, er versprach ihm vierhundert Talente Silber, wenn er den Zoïlus aus dem Wege räumen und dessen Land den Juden überlassen wolle. Ptolemaeus schloß auch wirklich damals mit Alexander bereitwillig Freundschaft und unterwarf ihm den Zoïlus.

Als er aber später hörte, Alexander habe heimlich Boten an seine Mutter Kleopatra geschickt, löste er die Verbindlichkeiten nicht ein und belagerte Ptolemaïs, weil es ihn nicht aufgenommen hatte. Und nachdem er zu dieser Belagerung einige Heerführer mit einem Teile seiner Truppen zurückgelassen, marschierte er mit dem anderen Teile nach Judaea, um dasselbe zu verwüsten. Alexander aber, der von des Ptolemaeus Absicht Kenntnis erhalten hatte, zog ein Heer von fünfzigtausend oder – nach anderen Schriftstellern – von achtzigtausend Mann zusammen und rückte mit diesen Truppen dem Ptolemaeus entgegen. Ptolemaeus griff unterdessen unversehens die galilaeische Stadt Asochis an, eroberte sie an einem Sabbat, nahm gegen zehntausend Menschen gefangen und machte auch sonst reiche Beute.

5 Alsdann wandte er sich gegen Sepphoris, das von Asochis nicht weit entfernt war, erlitt aber hier große Verluste und zog daher in der Richtung nach Ptolemaïs, um dem Alexander eine Schlacht zu liefern. Alexander begegnete ihm am Jordan bei einem Orte, der Asophon hieß, und lagerte sich in der Nähe des Feindes.

Im Vordertreffen hatte er achttausend sogenannte Hekatontomachen [Kämpfer, die es mit hundert aufnehmen], welche mit Erz überzogene Schilde führten. Auch die Kämpfer des Ptolemaeus, die im Vordertreffen standen, bedienten sich solcher erzbeschlagenen Schilde. Wenn nun auch die Soldaten des Ptolemaeus im übrigen den Juden nachstanden und deshalb der Gefahr nicht leicht trotzten, so erhöhte ihren Mut doch der Taktiker Philostephanos, indem er sie über den Fluß setzen ließ, der die beiderseitigen Lager trennte, ohne daß Alexander den Übergang hinderte. Alexander nämlich dachte die Feinde, sobald sie den Fluß im Rücken hätten, um so leichter vernichten zu können, weil ihnen dann die Flucht unmöglich war.

Anfangs nun schwankte der Kampf hin und her, und es fiel auf beiden Seiten eine große Zahl. Als aber Alexander die Oberhand gewann, teilte Philostephanos seine Truppen und brachte den Bedrängten in geschickter Weise Hilfe. Die Juden mußten sich nun, da niemand ihrem unterliegenden Teil Unterstützung gewährte, zur Flucht wenden und rissen auch die anderen Reihen mit in dieselbe hinein, während des Ptolemaeus Soldaten gerade das Gegenteil taten. Denn sie setzten den Juden nach, machten sie nieder, schlugen zuletzt das ganze Heer in die Flucht und richteten ein solches Blutbad an, daß ihre Waffen stumpf wurden und ihre Arme erlahmten [οὗ καὶ ὁ σίδηρος αὐτοῖς ἠμβλύνθη κτείνουσι καὶ αἱ χεῖρες παρείθησαν].
Dreißigtausend (nach Timagenes fünfzigtausend) Juden sollen in diesem Treffen gefallen sein; die übrigen gerieten teils in Gefangenschaft, teils entkamen sie in ihre Heimat.

6 Nach diesem Kriege verwüstete Ptolemaeus die Gegend und bezog am Abend in einigen Dörfern Quartier. Als er nun die Dörfer mit Weibern und Kindern angefüllt fand, befahl er seinen Soldaten, die letzteren niederzumachen, sie in Stücke zu hauen und diese in Kessel mit siedendem Wasser zu werfen und davon zu kosten [ἐκέλευσε τοὺς στρατιώτας ἀποσφάττοντας αὐτοὺς καὶ κρεουργοῦντας, ἔπειτα εἰς λέβητας ζέοντας ἐνιέντας τὰ μέλη ἀπάρχεσθαι]. Das tat er, damit die, welche aus dem Treffen entkommen waren und etwa hierher ihre Zuflucht nahmen, die Feinde für Menschenfresser [σαρκοφάγους] halten und über den Anblick desto mehr in Schrecken geraten sollten. Auch Strabo und Nikolaus berichten diesen Vorgang, wie ich ihn dargestellt habe.

Ptolemaeus aber nahm dann schließlich auch noch Ptolemaïs mit Gewalt ein, wie ich schon anderswo erzählte.

(Flavius Josephus: Jüdische Altertümer XIII 12, 4-6)

- Alexander: Alexander Iannaios (129 – 76 v.u.Z.), Hasmonäerkönig
- Kleopatra: Kleopatra III., Mutter und Rivalin des Ptolemaios IX.
 
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