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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Optatus von Mileve über die Circumcellionen (554 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.09.2020 um 14:41 Uhr (Zitieren)
Den Spartacus-Aufstand kennt jeder. Vielleicht haben manche auch noch etwas über die sizilischen Sklavenaufstände des 1. Jhdts. v.u.Z. gehört. Aber weitgehend vergessen ist die Bewegung der Circumcellionen im 4. und 5. Jhdt. u.Z. in Nordafrika.
Sie standen in Verbindung mit den Donatisten, d.h. jener christlichen Sondergruppe, die im Umgang mit den während der Christenverfolgung Diocletians abgefallenen Christen einen rigoroseren Standpunkt als die katholische Kirche vertrat. In diesen Glaubenskonflikt mischte sich aber - vor allem durch die Circumcellionen - das Element einer sozialen Widerstandsbewegung.

Der Bischof Optatus von Mileve stand in diesem Konflikt auf der Seite der katholischen Kirche.

Der folgende Auszug entstammt seiner Schrift "Contra Parmenianum Donatistam" (III 4):
Es kamen Paulus und Macarius, um sich die Armen überall gesondert vorzunehmen und jeden einzelnen zur Einheit zu ermahnen. Und als sie sich der Stadt Bagai näherten, schickte der andere Donatus, wie schon gesagt, der (donatistische) Bischof der Stadt, um der Einheit Hindernisse in den Weg zu legen, Boten in die umliegenden Ortschaften und auf alle Märkte und forderte die streitbaren Circumcellionen [circumcelliones agonisticos] auf, sich in dieser Stadt zu versammeln; und so wurde damals eine Zusammenrottung gerade der Menschen bewirkt, deren Unvernunft kurz vorher von den Bi-schöfen selbst in gotteslästerlicher Weise aufgestachelt worden war.

Denn als diese fanatischen Menschen vor der Einheit durch das Land vagabundierten und Axido und Fasir als „Führer der Heiligen“ [sanctorum duces] bezeichneten, konnte sich keiner in seinen Besitzungen sicher fühlen. Die Schuldscheine hatten ihre Gültigkeit verloren, kein Gläubiger hatte die Möglichkeit, seine Außenstände einzutreiben, und alle wurden durch die Briefe derjenigen terrorisiert, die sich rühmten, die „Führer der Heiligen“ zu sein; und wenn jemand zögerte, ihren Befehlen zu gehorchen, kam sofort ein wilder Haufen angezogen, dem der Schrecken vorauseilte, so daß die, die man eigentlich um Aufschub hätte bitten müssen, unter Todesangst zu erniedrigenden Bitten getrieben wurden.

Jeder beeilte sich, sogar die größten Schulden zu streichen, und schätzte sich noch glücklich, ihren Gewalttaten entgangen zu sein. Nicht einmal die Straßen waren sicher, da man die Herren gern aus ihren Wagen riß und vor ihren Sklaven, die den Platz der Herren einnahmen, nach Sklavenart herlaufen ließ. Nach dem Urteil und dem Befehl jener vertauschten Herren und Sklaven ihren Platz. –

Aus diesem Grunde entstand damals die Feindschaft mit den Bischöfen eurer Partei, die dem Comes Taurinus geschrieben haben sollen, daß solche Menschen in ihrer Kirche nicht gebessert werden könnten und daß ihnen von dem genannten Comes Ordnung beigebracht werden müsse. Als Antwort auf diesen Brief schickte der Comes Soldaten auf jene Märkte, wo die wilden Circumcellionen ihr Unwesen zu treiben pflegten. In dem Ort Octavia wurden sehr viele erschlagen und viele hingerichtet, deren Leichen man bis heute zwischen den weißgetünchten Altären oder Opfertischen zählen kann. Als man damit begann, einige von ihnen in Basiliken beizusetzen, wurde der Presbyter Clarus in Subbula von seinem Bischof gezwungen, die Bestattung wieder rückgängig zu machen. [...]

Die Menge (der Circumcellionen) nahm später zu. So fand Donatus von Bagai genug, um einen wilden Haufen gegen Macarius zusammenzubringen: Leute von der Art, die aus Be-gierde nach einem falschen Martyrium Verfolger zu ihrem eigenen Verderben auf den Plan brachten. Zu ihnen gehörten auch jene, die ihre niedrigen Seelen aufgaben, indem sie sich von den Gipfeln hoher Berge herabstürzten. Das waren die Menschen, aus denen der andere Bischof Donatus seine Kolonnen formiert hatte!

Hierdurch erschreckt, faßten jene (= Paulus und Macarius), die Gelder mit sich führten, die an die Armen zu verteilen waren, den Entschluß, vom Comes Silvester Truppen anzufordern – nicht, um jemandem Gewalt anzutun, sondern vielmehr, um den von dem erwähnten Bischof Donatus begangenen Gewalttaten vorzubeugen. So kam es, daß bewaffnete Soldaten erschienen.
Was danach geschah, so seht ihr selbst, wem es zugeschrieben werden muß. Sie hatten dort (in Bagai) eine unübersehbare Menge zusammengeholt und auch für den entsprechenden Proviant gesorgt: Aus der Basilika hatten sie fast einen öffentlichen Speicher gemacht und warteten nun auf die, an denen sie ihre Wut hätten auslassen können. [...]
Als, wie es vor dem Einrücken von Truppen üblich ist, zuerst Quartiermacher geschickt wurden, nahm man diese nicht entsprechend der Lehre des Apostels auf, der da sagt (Röm. 13,7): „Ehre, wem Ehre gebührt, Steuer, wem Steuer gebührt, Tribut, wem Tribut gebührt; bleibt niemandem etwas schuldig!“ Die abgesandten Soldaten [...] wurden samt ihren Pferden mißhandelt. [...] Die übel zugerichteten Soldaten kehrten zu ihren Einheiten zurück, und was zweien oder dreien passiert war, bereitete allen Verdruß. Sie gerieten alle in Empörung, und die Vorgesetzten vermochten die empörten Soldaten nicht zurückzuhalten. So geschah das, was, wie du dich erinnerst, die Einheit zur Zielscheibe der Ablehnung gemacht hat.

Optatus deutet dann auf ein großes Blutbad hin, das unter den Circumcellionen angerichtet worden war.

(zitiert nach: Hans-Joachim Diesner: Die Völkerwanderung. Leipzig ²1980, S. 16-30)
 
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