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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zeus´ Schenkelgeburt (624 Aufrufe)
λαϊκός schrieb am 03.09.2020 um 10:56 Uhr (Zitieren)
Lange Zeit konnte ich es mir nicht erklären, wie man auf solch eine abstruse Idee kommen kann, dass Zeus den Dionysos in seinen Schenkel eingenäht "austrägt".
Dann lernte ich, dass die griechische Antike der Meinung war, dass der Mann das Kind zeugt, und die Frau es dann - wie eine Wirtin - nur "austrägt".
So kam mir die Zeussche Schenkelgeburt aus Sicht der Alten durchaus plausibel vor.
Doch dann dies:
Bei Aischylos [Die Eumeniden 658-666] lesen wir:
„Nicht ist die Mutter des Erzeugten, ‚Kind’ genannt, / Erzeugerin – Pflegerin nur des neugesäten Keims. / Es zeugt der Gatte; sie, dem Gast Gastgeberin, / hütet den Spross, falls ihm nicht Schaden wirkt ein Gott. / Für die Behauptung führ ich also den Beweis: / Vater kann werden ohne Mutter man; vor uns / als Zeugin steht die Tochter des Olympiers Zeus, / in keines Mutterschoßes Dunkelheit genährt, / doch solch ein Kind, wie’s keine Göttin je gebar.“

Ergo: Aischylos dreht den den Spieß um! Der Mythos ist für ihn der "Beweis"...

PS: Der Mutter wird eine aktive Beteiligung an der Zeugung des Kindes abgesprochen. Mit dieser männlichen Zeugungsdominanz wird der höherwertige Anspruch des Vaters auf das Kind gegenüber der Mutter gerechtfertigt.
Wenigstens das können wir jetzt - wieder die Sicht der antiken Griechen! - nachvollziehen.
Re: Zeus´ Schenkelgeburt
Γραικύλος schrieb am 03.09.2020 um 13:40 Uhr (Zitieren)
Diese Homunculus-Annahme (d.h. daß im männlichen Samen lauter winzige Menschen - homunculi - enthalten sind, die in der Frau lediglich heranwachsen müssen, ohne daß die Frau sonst noch etwas dazu beitrüge) hat sich noch lange, bis weit ins Mittelalter, gehalten.

Anscheinend ist den Anhängern dieser Ansicht nicht aufgefallen, daß Kinder manche Eigenschaften der Mutter haben, die nicht vom Vater her erklärt werden können.
Re: Zeus´ Schenkelgeburt
Andreas schrieb am 03.09.2020 um 16:49 Uhr (Zitieren)
Das Problem "homunculus" wird auch hier angesprochen:

Die Ablehnung der E. in der Theologiegeschichte verdankt sich zunächst, bis zur Entdeckung der weiblichen Eizelle 1832 durch Karl Ernst von Baer, einer Gleichsetzung von E. und Tötung der Leibesfrucht, da man von der Existenz des homunculus im männlichen Sperma ausging. In dieser Hinsicht argumentiert auch Thomas von Aquin gegen die E., als Handlung contra naturam, obschon er nicht einfach biologistisch denkt, sondern die menschliche Natur als Vernunftnatur begreift (STh I-II, q. 51, a. 1).

https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Empf%C3%A4ngnisverh%C3%BCtung

Die Frage ist überhaupt: Wie kann aus einem
Mann etwas Weibliches hervorgehen?
Ob dazu unterschiedliche Verhältnisse im "Aufenthaltort" in der Wirtin betragen?
Vlt. dachte man so.
Re: Zeus´ Schenkelgeburt
Marcella schrieb am 03.09.2020 um 19:24 Uhr (Zitieren)
Dass Aischylos und andere eine propagandistische Behauptung zugunsten der Prävalenz des Mannes tätigen, ist klar.
Jedem zeitgenössischen Pferdezüchter war klar, dass die Stute nicht lediglich einen beliebigen Zuchttopf für mikroskopische Pferdlein darstellt, sondern dass auch das Mutterpferd Eigenschaften weitergibt.
Ohne diese Einsicht taugt die Zucht nix.
Re: Zeus´ Schenkelgeburt
λαϊκός schrieb am 03.09.2020 um 19:50 Uhr (Zitieren)
Sehr guter Gedanke!!
Und sicher: Es waren immer Männer, die solches geschrieben haben...

Allerdings stellt sich doch eine Frage: Haben wir Quellen, die besagen, dass die Menschen die Analogie zwischen Göttern/Menschen und Tieren herstellten?
Oder anders gefragt: Gilt das, was in der Pferdezucht gilt, auch für die Menschen?
Re: Zeus´ Schenkelgeburt
Γραικύλος schrieb am 03.09.2020 um 23:13 Uhr (Zitieren)
Dafür braucht man doch nichtmal Erfahrungen aus der Tierzucht.
Anscheinend ist den Anhängern dieser Ansicht nicht aufgefallen, daß Kinder manche Eigenschaften der Mutter haben, die nicht vom Vater her erklärt werden können.

Es gibt doch so viele Fälle, in denen ein Kind Eigenschaften eindeutig von der Mutter hat.
Nehmen wir nur mal an, ein Athener bekommt ein Kind von einer äthiopischen Sklavin. Welche Hautfarbe wird das Kind haben?
 
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