Gesammeltes von Karl Julius Weber #6 (365 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.08.2020 um 23:13 Uhr (Zitieren)
Kaum daß Colbert am Styx gesehen ward,
ergriff ihn Charon, um ihn zu ertränken,
aus Furcht, daß noch für Boot und Überfahrt
derselbe eine Steuer könnt erdenken.
Der Kastrate Ferri in Neapel baute sich einen Palast mit der Inschrift „Amphion Thebas, ego domum“ [Amphion erbaute Theben, ich dies Haus]; ein Witzkopf züchtigte den Hochmutsnarren und setzte darunter: „Ille cum, tu sine“.
Pulver und Blei regieren die Welt: der Wehrstand ist zum ersten Stand geworden. An die Stelle der Klöster traten Kasernen und an die Stelle der Kutten Uniformen, und die Kinder des Mars ersetzten – arm, ehelos, gehorsam – den Platz der Schwarzen, wenn auch weit weniger heilig. Schließlich ist der Soldat im Grunde kein Sohn der Kultur, oder läßt sich Totschlagen veredeln? Läßt sich „human“ totschlagen? Zu unserer Zeit anscheinend ja!
Rom kannte nur „patres conscripti“, in unseren Zeitläuften sah man nichts als „filii conscripti“, rekrutierte Söhne. Stehendes Heer oder nicht – heute, wo das meiste die Artillerie entscheidet, hat sich manche Fragestellung verändert. Die Griechen eroberten die Welt ohne stehendes Heer, die Römer verloren sie unter stehenden Heeren.
Damit beende ich diese Weber-Reihe, die vielleicht dem einen oder anderen diesen halbvergessenen Autor bekannt gemacht oder sogar nahegebracht hat.
Die letzte vollständige Ausgabe seines "Demokritos" ist in Deutschland 1927 in zwölf Bänden erschienen.
Ich habe hier nur einige Aphorismen mit Bezug auf die Antike vorgestellt. Webers Spektrum ist sehr viel weiter.
Re: Gesammeltes von Karl Julius Weber #6
Γραικύλος schrieb am 27.08.2020 um 23:41 Uhr (Zitieren)
Was in meiner Auswahl nicht zum Zuge kommt, ist die manchmal derbe Seite Webers.
So zitiert er mit sichtlicher Freude das Epigramm Abraham Gotthelf Kästners:
Sieh an! Außer dem allseits bekannten Erich Kästner und dem nicht ganz so bekannten Erhart Kästner (weiland Leiter der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel) gab es noch einen weiteren, allerdings gar nicht bekannten Aphoristiker und Epigramm-Dichter Abraham Gotthelf Kästner, im Hauptberuf Professor für Mathematik und Physik in Göttingen.