Die Germanen verachteten die Römer und schrieben deren Weichlichkeit nicht ihrem Luxus, sondern den Künsten und Wissenschaften zu und behaupteten, wer unter der Rute des Schulmeisters gezittert habe, tauge nicht dazu, Schwert und Lanze zu gebrauchen.
Nationalerziehung, Erziehung, wie sie jeder ins Haus braucht, wäre wohl das Vernünftigste; spartanische Erziehung andererseits wäre vollends der geradeste Weg zum Despotismus, weil jede Erziehung durch den Staat hierzu verleitet. Der größte Despot meiner Zeit scheint so etwas Lykurgisches im Schädel geführt zu haben.
Aber Erziehung ohne Wissenschaften? – Der Himmel bewahre! Was hätten nicht Sultane und Bonzen aus der Menschheit gemacht? Die Menschheit wäre längst verdorben ohne einige Weise. Weder Regenten noch Regierungsräte haben die Menschheit veredelt, sondern allein der Denker.
(a.a.O., S. 70)
***
Die Muse war für die Alten eine himmlische Göttin; für die Neueren ist sie nur eine Kuh, die mit Milch und Butter versorgt.
(a.a.O., S. 71)
***
Mathematiker und Naturwissenschaftler – die alte Zeit konnte sich keinen Philosophen ohne mathematisch-naturwissenschaftliche Kenntnisse denken; seitdem dieses Prinzip verlassen wurde, haben wir die Bodenlosigkeit und Salberei moderner Philosophen.
Ganz bodennah opferte Pythagoras nach Aufstellung seines berühmten Lehrsatzes eine Hekatombe, und daher zittern alle Ochsen vor mathematischen Formeln.
(a.a.O., S. 87)
***
Wahrlich, viele Biographen haben einst vor Gott
zwei Leben zu verantworten.
(a.a.O., S. 91)
***
Wäre Coriolans Mutter ein Jahr früher gestorben und hätte Manlius Capitolinus ein Viertelstündchen länger geschlafen, gäbe es vielleicht kein weltbeherrschendes Rom in der Geschichte, und in Bopfingen oder Isny hätte ein Cato sterben können, ohne daß sich eine Feder bewegt hätte. Beginnt nicht unsere Geschichte und unser Jammer mit einem Apfel und lagen nicht die Ursachen des Trojanischen Krieges in einer Weiberaffäre?
(a.a.O., S. 92)
***
Geschichte ist die erste aller Wissenschaften, kann aber auch die letzte sein, je nachdem, wie sie getrieben wird; letzten Endes verdient sie keinen gefälligeren Titel als den des Orosius: „De miseria hominum“, vom menschlichen Elend ...
(a.a.O., S. 93 f.)