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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
DEN GUTEN GÖTTERN (660 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.08.2020 um 20:40 Uhr (Zitieren)
Insgesamt gilt doch das alte Dictum: Die Tugend wird gelobt, aber man läßt sie darben. Dionysios fand in einem Tempel silberne und goldene Gefäße mit der Aufschrift: DEN GUTEN GÖTTERN. Er nahm sie an sich mit den Worten: "Benützen wir ihre Güte!"

(Karl Julius Weber: Und so verzeiht mein spöttisch Maul. [Demokritos oder Hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen] Auswahl in 2 Bdn., hrsg. v. Jürgen Rauser. Schwäbisch Hall 1966; Bd. 1, S. 43)

Leider gibt Weber nicht an, woher er diese Anekdote hat.
Re: DEN GUTEN GÖTTERN
Γραικύλος schrieb am 25.08.2020 um 15:14 Uhr (Zitieren)
Es müßte bei Diodorus Siculus stehen, doch ich finde es nicht.
Re: DEN GUTEN GÖTTERN
Zettel schrieb am 25.08.2020 um 18:09 Uhr (Zitieren)
Das steht bei Cicero. Ich schau mal nach, wo es war.
Re: DEN GUTEN GÖTTERN
Zettel schrieb am 25.08.2020 um 18:29 Uhr (Zitieren)
De natura deorum 3, 84. Bei Cicero, der sich in den Dionysios-Anekdoten selbst schon einige erzählerische Freiheit gestattet, waren es allerdings silberne Tische.
Re: DEN GUTEN GÖTTERN
Γραικύλος schrieb am 25.08.2020 um 18:38 Uhr (Zitieren)
Herzlichen Dank!
Da lag ich mit Diodor ja völlig falsch.
Re: DEN GUTEN GÖTTERN
Γραικύλος schrieb am 26.08.2020 um 00:24 Uhr (Zitieren)
Dieser Dionysios I. von Syrakus hat sich den Göttern gegenüber allerlei herausgenommen. Hier ist Ciceros Bericht:
Der vorhin erwähnte Dionysios befand sich nach seiner Ausplünderung des Proserpinatempels in Lokroi auf der Rückfahrt nach Syrakus; und da er mit seinem Schiff unter besonders günstigen Windverhältnissen fuhr, rief er lachend: „Seht ihr, Freunde, welch glückliche Fahrt die unsterblichen Götter den Tempelräubern schenken?“ [Videtisne, inquit, ami-ci, quam bona a dis immortalibus navigatio sacrilegis de-tur?]

Und da dieser kluge Kopf das ganz und gar erfaßt hatte, blieb er auch seiner Meinung treu. Denn als er mit seiner Flotte auf der Peloponnes gelandet und in das Heiligtum des Jupiter von Olympia eingedrungen war, zog er ihm den schweren goldenen Mantel ab, mit dem der Tyrann Gelon einst Jupiter aus den Beutegeldern der Karthager geschmückt hatte, und machte dabei noch die höhnische Bemerkung, im Sommer sei ein goldener Mantel lästig, im Winter dagegen zu kalt, und dann warf er ihm einen wollenen Mantel über, weil dieser für jede Jahreszeit passe.

Ebenso ließ er dem Äskulap in Epidauros den goldenen Bart abnehmen, [mit der Begründung,] es gehöre sich nicht, daß der Sohn einen Bart trage, während in allen Tempeln der Vater ohne Bart dastehe.

Ferner ließ er aus allen Tempeln die silbernen Tische ausräumen, die nach altgriechischer Sitte die Inschrift DER GUTEN GÖTTER [BONORUM DEORUM] trugen, mit der Erklärung, er wolle nur von ihrer Güte Gebrauch machen [uti se eorum bonitate velle dicebat].

Ebenso raubte er ohne Bedenken die goldenen Statuetten der Siegesgöttin sowie die Opferschalen und Kränze, die die Statuen in ihren ausgestreckten Händen hielten, und bemerkte dabei, dies sei ja nur ein Annehmen und beileibe kein Wegnehmen [se accipere, non auferre dicebat]; denn es sei doch Torheit, gute Gaben von denen, die wir darum anflehen, nicht anzunehmen, wenn sie uns diese hinhalten und gewähren.

Ebenso erzählt man von ihm, er habe die genannte Beute aus den Tempeln auf den Markt tragen und durch einen Versteigerer verkaufen lassen, den Kaufbetrag einkassiert und dann öffentlich bekannt gemacht, jeder Bürger, der Tempelgut besitze, müsse bis zu einem bestimmten Termin jedes Stück wieder in den betreffenden Tempel zurückbringen; so fügte er den Frevel gegen die Götter auch noch die Ungerechtigkeit gegen die Menschen hinzu [ita ad impietatem in deos in homines adiunxit iniuriam].

Ihn erschlug nun weder der Jupiter von Olympia mit seinem Blitz, noch ließ ihn Äskulap an einer elenden, langwierigen Krankheit langsam dahinsiechen, im Gegenteil: er starb auf seinem Tyrannenpfühl, und zwar mit vollem Einverständnis der Götter, wurde auf den Scheiterhaufen gebettet und vererbte seinem Sohne die Gewaltherrschaft, zu der er selbst erst durch ein Verbrechen gelangt war, als wäre sie rechtmäßig und gesetzlich erworben.
Re: DEN GUTEN GÖTTERN
Andreas schrieb am 26.08.2020 um 11:09 Uhr (Zitieren)
Ihn erschlug nun weder der Jupiter von Olympia mit seinem Blitz, noch ließ ihn Äskulap an einer elenden, langwierigen Krankheit langsam dahinsiechen

Die Frage nach der göttlichen Gerechtigkeit
treibt die Menschheit offenbar schon immer um.
Das Christentum antwortet darauf mit dem
Hinweis auf das Zulassen von Ungerechtigkeit
und Leid durch Gott im Kontext einer radikal gedachten Freiheit,
in der alles möglich sei bzw. sein müsse.
Sehr hilfreich scheint mir das nicht, eher tendenziell zynisch.
Die Kontingenz der Welt inklusive des Ablaufs der
Evolution (Durchsetzung und Recht des Stärkeren) erklären
die Problematik viel plausibler, wenn auch sehr ernüchternd
für die "Krone der Schöpfung", die weiterhin an
ihren großen drei Kränkungen knabbert.
Vor vielen Jahren stieß ich auf dieses kleine Büchlein eines Theologen
mit einem "Antwortversuch":
G. Greshake, Der Preis der Liebe. Besinnung über das Leid.

vgl. auch:
https://www.youtube.com/watch?v=lsVeTjGQNFY

https://www.youtube.com/watch?v=oERYtNMpiDY
 
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