Gegen 1350
v.u.Z. bestieg mit Šuppiluliuma I. ein König den Thron der Hethiter, der dem Lande Ḫatti einen Wiederaufstieg zu einer Großmachtstellung verhalf. Dabei wurde sein älterer und damit eigentlich erbberechtigter Bruder Tudhalija (der Jüngere) ermordet, was Šuppiluliuma, der möglicherweise an dem Mord beteiligt war, zumindest zugutekam.
Šuppiluliumas Sohn und Nachfolger Muršili II. hat Jahrzehnte später zwei Texte verfaßt, die uns über die folgenden Ereignisse informieren: „Die Taten des Šuppiluliuma“ und die „Pestgebete“. Diese Berichte sind in einem hethitischen Archiv gefunden worden.
Eines Tages traf am Hofe Šuppiluliumas ein Brief ein, welcher angeblich von einer ägyptischen Königin (Ehefrau eines Königs bzw. Pharaos) stammte; in ihm hieß es:
„Mein Mann ist tot. Ich habe keinen Sohn. Man sagt jedoch, du habest mehrere Söhne. Wenn du mir einen deiner Söhne schickst, wird er mein Ehemann werden. Einen meiner Diener werde ich niemals zum Mann nehmen!“
Šuppiluliuma reagierte mißtrauisch, denn noch nie hatte ein weibliches Mitglied der ägyptischen Königsfamilie einen ausländischen Mann geheiratet – das war (anders als bei weiblichen Adligen aus dem Ausland) nicht der Brauch des Landes. Šuppiluliuma schickte daher einen Boten nach Ägypten, um sich die Echtheit des Angebotes bestätigen zu lassen.
Die – deutlich indignierte – Antwort kam prompt, zusammen mit einem Sonderbeauftragten der ägyptischen Königin, einem Mann namens Hani. Sie schrieb:
„Hätte ich einen Sohn, hätte ich dann zu meiner eigenen und meines Landes Schande an ein fremdes Land geschrieben? Du hast mir nicht geglaubt und hast mir das sogar mitteilen lassen! Mein Mann ist tot. Ich habe keinen Sohn. Niemals werde ich einen meiner Diener zum Mann nehmen! Ich habe an kein anderes Land geschrieben. Man sagt, du habest viele Söhne: Nun, dann gib mir einen davon. Für mich wird er mein Ehemann sein – für Ägypten wird er König sein!“
Den immer noch skeptischen Hethiterkönig beschwor der Gesandte Hani:
"O mein Herr! Es ist die Schande unseres Landes – hätte unser König einen Sohn, wären wir dann in ein fremdes Land gekommen und hätten um einen Herrscher für uns selbst gebeten? [Der ägyptische König] Niphururija ist tot. Er hinterläßt keine Kinder. Die Frau unseres Herrn ist ganz alleine. Wir bitten um einen Sohn unseres Herrn [Šuppiluliuma] für das Königtum in Ägypten. Und für die Frau, unsere Dame, möchten wir ihn als Ehemann! Wir haben uns zudem an kein anderes Land gewendet, nur hierher sind wir gekommen. Nun, o Herr, gib uns einen deiner Söhne!“
Diesem verlockenden Angebot, Einfluß auf die Herrschaft von Ägypten zu erhalten, konnte Šuppiluliuma nun nicht länger widerstehen, und er schickte tatsächlich einen seiner fünf Söhne nach Ägypten - sicherheitshalber nicht einen sei-ner wichtigeren, sondern den vierten: Zannanza.