filix schrieb am 14.08.2020 um 23:38 Uhr (Zitieren)
Diese Entstellung der Taufformel beruht übrigens auf einer Anekdote über einen ungebildeten Kleriker des 8. Jhdts, die zum Streit zwischen Virgil (v. Salzburg), Sidonius von Passau und Bonifatius führte, bis Papst Zacharias endlich die Gültigkeit dieser Taufe bestätigte und eine Neutaufe untersagte (EPISTOLA VII. ZACHARIAE PAPAE AD BONIFACIUM EPISCOPUM. Non iterandum esse baptismum, quem imperitus sacerdos infractis verbis administrat: https://tinyurl.com/y2jd9qay).
Re: in nomine patria
Γραικύλος schrieb am 14.08.2020 um 23:58 Uhr (Zitieren)
Ah, das ist sogar historisch! Ein Kirchenhistoriker wie Hubert Wolf weiß sowas wohl.
Der Link führt übrigens (mich) ins Leere.
Re: in nomine patria
Γραικύλος schrieb am 15.08.2020 um 00:02 Uhr (Zitieren)
Nun darf ich wohl darauf vertrauen, daß unser Pfarrer in den 60er Jahren des verflossenen Jahrhunderts keine ungültige Wandlung vollzogen hat, indem er standardmäßig "Hoooc es enim corpus meum" sagte.
Und auch der Umstand, daß er ein Verhältnis mit seiner Haushälterin unterhielt, ändert daran nichts.
Re: in nomine patria
Γραικύλος schrieb am 15.08.2020 um 00:02 Uhr (Zitieren)
Korrektur: es --> est
Der Fehler lag nur im "hoooc".
Re: in nomine patria
Aurora schrieb am 15.08.2020 um 06:55 Uhr (Zitieren)
Die Gültigkeit solcher Handlungen ist unabhängig
von Defiziten des Vollziehenden und auch von (unbewussten) Formfehlern.
Hubert Wolf wird die Herkunft vermutlich kennen, er nutzt die Entstellung in der Anekdote des 8. Jhdts aber um die Unbildung des Klerus des 16. Jhdts zu illustrieren.
Das hat selbst Tradition, so montiert sie der Späthumanist Frischlin (1547 - 1590) beispielsweise in seiner bildungskritischen Komödie Priscianus vapulans in eine Szene, wo der Titelheld, der spätanikte Grammaticus, von zwei Klerikern in so miserablem Latein exorziert wird ("te exorciso in nomine Patria et filia et Spiritua sancta"), dass er zusammenbricht, was seine Peiniger als erfolgreiche Austreibung werten.