Γραικύλος schrieb am 06.08.2020 um 16:50 Uhr (Zitieren)
Nachdem Catherine Nixey in "Heiliger Zorn" christliche Bücherverbrennungen und -verbote abgehandelt hat, schreibt sie:
(Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten. München 2019, S. 20)
Als Quelle für diese Information gibt sie an:
S. Greenblatt: Die Wende. Wie die Renaissance begann. München 2012, S. 43 f.
Die Verluste der nichtchristlichen antiken Literatur gibt Nixey mit 99 % an. Die mir bisher bekannten Schätzungen liegen zwischen 90 und 99,9 % - da bewegt sie sich also in der Mitte.
Re: Ein Zeichen des Würgens
Johannes schrieb am 07.08.2020 um 07:39 Uhr (Zitieren)
Eher am ganz oberen Ende, oder?
Die Mitte wäre bei ca. 95% nach Adam Riese.
Oder hast du dich bei 99% verschrieben?
Frage:
Wie kann man so etwas schätzen?
Kriterien? Methode?
Re: Ein Zeichen des Würgens
Johannes schrieb am 07.08.2020 um 07:47 Uhr (Zitieren)
Γραικύλος schrieb am 07.08.2020 um 09:01 Uhr (Zitieren)
Ich dachte an 10 % - 1 % - 0,1 %.
Re: Ein Zeichen des Würgens
Aurora schrieb am 07.08.2020 um 09:14 Uhr (Zitieren)
10% -1% -0,1% = 8,9%
Diese Rechnung verstehe ich nicht.
Es geht doch um die Mitte von 90% und 99,9%.
(99,9%+90%)/2 = 94,95%
Re: Ein Zeichen des Würgens
Joseph schrieb am 07.08.2020 um 10:31 Uhr (Zitieren)
Keine wirklich wissenschaftliche Quelle, die sich zudem selbst über ihre Quellen ausschweigt.
Re: Ein Zeichen des Würgens
Γραικύλος schrieb am 07.08.2020 um 12:13 Uhr (Zitieren)
Diese Spur führt anscheinend ins Leere.
An Johannes:
Wie schätzt man die Verluste? Offenbar nur ungenau, denn die Spannbreite von 90 bis zu 99,9 % Verlusten ist ja groß: erhalten sind bloß eines von zehn, eines von hundert oder eines von tausend Büchern.
Die erste Information geben erhaltene Angaben über Bücher oder Fragmente aus ihnen. So zählt ja beispielsweise Diogenes Laertios über 30 Bücher des Epikur auf, von denen keines erhalten ist.
In einem zweiten Schritt kommen die Namen von Autoren hinzu, von denen wir nichtmal eine Titelliste haben. Denen kann man dann - Schätzung! - jeweils eine Zahl X an Büchern zuordnen.
Den Rest macht dann der Teil aus, der völlig im Dunkeln liegt: Autoren, von dennen nichtmal die Namen mehr überliefert sind.
Es wundert mich nicht, daß die Schätzungen stark variieren.
Re: Ein Zeichen des Würgens
Γραικύλος schrieb am 07.08.2020 um 12:17 Uhr (Zitieren)
An Aurora:
Nein, darum geht es mir gerade nicht; ich habe "Mitte" anders verstanden. Wenn man sagt: "Erhalten sind 1/10, 1/100 oder 1/1000 der in der Antike existierenden Bücher", dann ist 1/100 der mittlere Wert zwischen den beiden extremen Annahmen.
Das ist mir klar, ja.
Re: Ein Zeichen des Würgens
Γραικύλος schrieb am 07.08.2020 um 12:30 Uhr (Zitieren)
An Johannes:
Danke für den Hinweis auf die katholische Rezension, die mir ausgewogen erscheint.
Allerdings verstehe ich auch Catherine Nixey, die sich selbst ja als "altera pars" zu dem versteht, was ihr in ihrer katholischen Prägephase vermittelt worden ist. Das kann ich ihr gut nachempfinden. Es gibt da auch (vermutlich bis heute) eine Kluft zwischen dem, was Theologen und Kirchenhistoriker auf der einen Seite sagen, und dem auf der anderen Seite, was man in der pastoralen Tätigkeit zu hören bekommt.