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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
ἀ - μέλος - τάσις (481 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.08.2020 um 23:27 Uhr (Zitieren)
Sexualwissenschaftler bilden daraus "Amelotatismus" und bezeichnen damit die spezialisierte sexuelle Zuneigung für Menschen mit fehlenden Gliedmaßen oder, allgemeiner, für Menschen mit irgendeiner körperlichen Behinderung.

ἀ - Alpha privativum
μέλος - Glied
τάσις - Zuneigung (was ich beim Blick ins Wörterbuch nicht so recht bestätigt finde)

Ein umfangreicher Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 2. August 2020 u.d.T. "Ich will deine Füße küssen" informiert über etwas, das wohl in der Regel nur Spezialisten kennen ... und ca. 100000 Menschen in Deutschland, welche diese Veranlagung haben. Intern werden sie "Amelos" genannt.

Als krankhaft gilt das nicht, ist aber sicher eine Herausforderung für Evolutionsbiologen, die sexuelle Attraktvität ja gerne über den Fortpflanzungserfolg definieren.
Re: ἀ - μέλος - τάσις
Γραικύλος schrieb am 04.08.2020 um 23:41 Uhr (Zitieren)
Das ominöse τάσις wird dann in dem Artikel auch noch als "tatis" geschrieben. Nein, mit den Griechischkenntnissen stimmt da etwas nicht. Man kann nicht alles wissen - ich wußte halt nichts von Amelotatismus.
Re: ἀ - μέλος - τάσις
Aurora schrieb am 05.08.2020 um 07:17 Uhr (Zitieren)
tasis < teino = sich erstrecken, sich beziehen auf
So betrachtet würde sich m.E. ein Sinn ergeben.
Re: ἀ - μέλος - τάσις
Γραικύλος schrieb am 05.08.2020 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Das wird der Zusammenhang sein; aber in keinem Wörterbuch steht unter τάσις etwas von Zuneigung.
Re: ἀ - μέλος - τάσις
Johannes schrieb am 05.08.2020 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Das ist sicher eine freie Übersetzung.
Zuneigung ist eine konkrete Form von Beziehung. Metonymie in der Übersetzung (concretum pro abstracto) ??
Re: ἀ - μέλος - τάσις
Γραικύλος schrieb am 05.08.2020 um 17:21 Uhr (Zitieren)
Warum wird das Phänomen nicht wenigstens "Amelotasismus" genannt?
So kam der Autor der FAS-Artikels ja sogar auf "tatis", was ich natürlich überhaupt nicht gefunden habe.
Re: ἀ - μέλος - τάσις
filix schrieb am 07.08.2020 um 14:00 Uhr (Zitieren)
Warum wird das Phänomen nicht wenigstens "Amelotasismus" genannt?


Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Offenbar blockiert schon im Englischen, wo die Bezeichnung für besagte Neigung in den 1970er- und 80er-Jahren tatsächlich als amelotasis in der Sexualwissenschaft aufgekommen sein dürfte und zwar in steter Begleitung von amelotatist**, die semantische Domäne der Paraphilien die Ableitung auf "-ic", wie sie im Ausgang vergleichbarer Fremdbasen auf -σις (-sis) wie bei *[skep-sis]/skep-t-icism/skep-t-ic bzw. *[gno-sis]/gnos-t-icism/gnos-t-ic zu erwarten wäre. Es heißt daher weder a-melo-ta-t-ic noch a-melo-tas-t-ic, sondern eben a-melo-ta-t-ist. M.E. übernimmt das Deutsche, das in dem Punkt vergleichbare Wortbildungsmuster zeigt (Skep-sis/Skep-t-iker/Skep-t-izismus oder Gno-sis/Gnos-t-iker/Gnos-t-izismus), diese Ableitung (einschließlich der Restriktionen) und bildet erst daraus A-melo-ta-t-ismus. Durchgesetzt hat sich im Engl. allerdings letztlich "acrotomophilia", das sich besser in die lange Liste der auf "-philia" endenden Vorlieben fügt.

Gibt es eigentlich antike Beispiele (entsprechende Behinderungen/Verletzungen gab es gewiss, auch Amputationen wurden schon durchgeführt) oder ist diese Art der Sexualisierung modern, weil nur sie Diffamierung oder Sakralisierung der Deformation überwinden konnte?


* John Money [1980]: "amelotasis : the condition of having an erotic inclination toward the stump of an extremity missing either congenitally or as a result of amputation")
** The Amelotatist: A Statistical Profile. Lawndale, CA. Author, 1978.


 
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