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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Aspasia befragt zwei Eheleute (427 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.07.2020 um 14:50 Uhr (Zitieren)
Cicero (De inventione I 51-53) überliefert und deutet den folgenden Dialog der Aspasia:
Laut dem Bericht des Sokratikers Aischines befragte Aspasia, die legendäre Geliebte des attischen Politikers Perikles, den Xenophon und seine Frau:
Aspasia habe mit der Gattin Xenophons selbst folgendermaßen gesprochen: „Sage mir bitte, Gattin Xenophons, wenn deine Nachbarin besseres Geld [melius aurum] hat als du, möchtest du dann wohl lieber ihres oder deines?“
„Ihres“, antwortete sie.
„Wie nun, wenn sie Kleidung oder den üblichen weiblichen Schmuck [ceterum ornatum muliebrem] von größerem Wert hat, als du hast, möchtest du dann lieber deinen eigenen oder ih-ren?“
Sie erwiderte: „Ihren in der Tat.“
„Nun gut“, sagte sie, „wie aber, wenn jene einen besseren Mann [virum meliorem] hat, als du hast, möchtest du dann lieber deinen eigenen oder ihren?“
Hier wurde die Frau rot [erubuit].

Aspasia aber begann ein Gespräch mit Xenophon selbst: „Bitte, Xenophon“, sagte sie, „wenn dein Nachbar ein besseres Pferd [equum meliorem] hat, als deines ist, möchtest du dann lieber dein Pferd oder seines?“
„Seines“, antwortete er.
„Wie nun, wenn er ein besseres Grundstück [fundum meliorem] hat, als du hast, welches Grundstück möchtest du wohl lieber haben?“
„Jenes bessere natürlich“, erwiderte er.
„Wie nun, wenn er eine bessere Frau hat, als du hast, möchtest du dann wohl lieber deine oder seine?“
Und hier schwieg auch Xenophon selbst.

Darauf sagte Aspasia: „Weil ihr nun beide auf das allein nicht geantwortet habt, was allein ich hätte hören wollen, will ich sagen, was ihr beide denkt. Denn du, Frau, willst den besten Mann haben, und du Xenophon, willst vor allem die erlesenste Frau haben [nam et tu, mulier, optimum virum vis habere et tu, Xenophon, uxorem habere lectissimam maxime vis]. Wenn ihr es also nicht erreicht habt, daß es weder ei-nen besseren Mann noch eine erlesenere Frau auf Erden gibt, dann werdet ihr in der Tat immer nach dem, was ihr für das Beste haltet, weitaus am meisten suchen, daß nämlich du der Gatte der bestmöglichen Gattin bist und diese mit dem bestmöglichen Gatten verheiratet ist [quare, nisi hoc perfeceritis, ut neque vir melior neque femina lectior in terris sit, profecto semper id, quod optimum putabitis esse, multo maxime requiretis, ut et tu maritus sis quam optimae et haec op-timo viro nupta sit].“

Indem hier nicht zweifelhaften Dingen zugestimmt wurde, geschah es wegen der Ähnlichkeit [propter similitudinem], daß auch das, wenn es einer getrennt untersuchte, zweifelhaft erschien, für gewiß zugestanden wurde wegen der Technik der Fragestellung [propter rationem rogandi].

Diese Art der Gesprächsführung wandte am meisten Sokrates an, deswegen weil er selbst nicht zur Überredung [ad persuadendum] beitragen, sondern lieber aus dem, was der Ge-sprächspartner eingeräumt hatte, ein Ergebnis gewinnen wollte, welchem dieser aufgrund dessen, was er schon zugegeben hatte, notgedrungen zustimmen mußte [quod ille ex eo, quod iam concessisset, necessario approbare deberet].

 
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