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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Tempelprostitution bei den Babyloniern (809 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.07.2020 um 13:53 Uhr (Zitieren)
Herodot berichtet darüber (I 199):
Der folgende Brauch verstößt am meisten gegen den Anstand [αἴσχιστος] bei den Babyloniern: Jede Babylonierin muß sich einmal in ihrem Leben in den Tempel der Aphrodite setzen und einem fremden Manne hingeben. Viele Frauen, die sich nicht unter die Masse mischen wollen, weil sie reich und hochmütig sind, fahren in einem gedeckten Wagen zum Tempel und stehen da; zahlreiche Dienerschaft begleitet sie.

Die meisten Frauen aber machen es so: Sie sitzen im Tempel der Aphrodite und tragen eine fadengeflochtene Binde um den Kopf. Viele sind zu gleicher Zeit da; die einen kommen, die anderen gehen. Schnurgerade Gassen ziehen sich kreuz und quer durch die Reihen der Wartenden, und die fremden Männer schreiten hindurch und wählen aus.

Hat sich eine Frau hier einmal niedergelassen, dann darf sie nicht eher nach Hause zurückkehren, als bis ein Fremder ihr Geld in den Schoß geworfen und ihr außerhalb des Heiligtums [ἔξω τοῦ ἱροῦ] beigewohnt hat. Beim Zuwerfen des Geldes braucht er nur die Worte zu sprechen: „Ich rufe dich zum Dienste der Göttin Mylitta [ἐπικαλέω τοι τὴν θεὸν Μύλιττα].“ So heißt nämlich Aphrodite bei den Assyrern. Die Größe des Geldstückes ist beliebig. Die Frau weist das Geld nicht zurück, weil sie es nicht darf; denn es ist heiliges Geld [γίνεται γὰρ ἱρὸν τοῦτο τὸ ἀργύριον]. Sie folgt dem ersten, der es ihr zuwirft. Sie lehnt keinen ab.

Wenn sie sich hingegeben hat, ist ihre Pflicht gegen die Göttin erfüllt, und sie kehrt nach Hause zurück. Später kann man ihr bieten, soviel man will; man wird sie nicht noch einmal gewinnen.

Die Schönen und Stattlichen kommen sehr schnell davon, die Häßlichen unter ihnen aber müssen lange warten und kommen nicht dazu, den Brauch zu erfüllen. Drei, vier Jahre müssen manche bleiben. Auch an manchen Orten auf Kypern herrscht ein ähnlicher Brauch.

Ob es diesen Brauch tatsächlich so - als Pflicht für jede Frau! - gegeben hat?
Das Gilgamesch-Epos soll eine Stelle enthalten, die man als Hinweis auf kultische Prostitution verstehen kann.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Γραικύλος schrieb am 27.07.2020 um 13:57 Uhr (Zitieren)
3 Könige 24 heißt es: "Selbst religiöse Unzucht gab es im Lande [Juda]."

Das ist immer noch weit entfernt von Herodot.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Johannes schrieb am 27.07.2020 um 15:20 Uhr (Zitieren)
Die Bibel berichtet mehrfach von Tempelprostitution in antiken Kulten. Die Königsbücher berichten mehrfach davon, dass diese Praxis in anderen Kulten üblich war, so zum Beispiel in 1 Kön 14,24 EU oder 2 Kön 23,7 EU. Dem Volk Israel wird diese Tradition nach Dtn 23,18 EU explizit verboten.


https://de.wikipedia.org/wiki/Tempelprostitution
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Γραικύλος schrieb am 27.07.2020 um 16:19 Uhr (Zitieren)
Hast Du 1 Kön 14, 24 mal nachgeschlagen? Ich finde da nichts.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Marcella schrieb am 27.07.2020 um 18:06 Uhr (Zitieren)
Zum Gilgamensch-Epos:
Es ist die Fgur der Tempeldirne Schamchat, die gegen den Wilden Mann Enkidu ausgeschickt wird und ihn, je nach Lesart, schwächt, umgarnt oder zivilisiert. Jedenfalls muss sie mit ihrem Leib der gesamten Kraft Enkidus unversehrt und überaus souverän standhalten, mehrere Tage lang.



Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Marcella schrieb am 27.07.2020 um 18:08 Uhr (Zitieren)
Gilgamensch-Epos > Gilgamesch-Epos



Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Johannes schrieb am 27.07.2020 um 19:20 Uhr (Zitieren)
Es waren auch Tempelhurer im Lande; und sie taten alle die Gräuel der Heiden, die der HERR vor Israel vertrieben hatte.

Lutherbibel, 2017

Sogar Götzengeweihte gab es im Land. Sie ahmten alle Gräuel der Völker nach, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte.

Einheitsübersetzung, 2016

https://www.bibleserver.com/LUT.EU.SLT/1.K%C3%B6nige14
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Johannes schrieb am 27.07.2020 um 19:28 Uhr (Zitieren)
Es waren auch Tempelhurer im Lande; und sie taten alle die Gräuel der Heiden, die der HERR vor Israel vertrieben hatte.

Lutherbibel, 2017

Sogar Götzengeweihte gab es im Land. Sie ahmten alle Gräuel der Völker nach, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte.

Einheitsübersetzung, 2016

https://www.bibleserver.com/LUT.EU.SLT/1.K%C3%B6nige14

καὶ σύνδεσμος ἐγενήθη ἐν τῇ γῇ, καὶ ἐποίησαν ἀπὸ πάντων τῶν βδελυγμάτων τῶν ἐθνῶν, ὧν ἐξῆρεν κύριος ἀπὸ προσώπου υἱῶν Ισραηλ

Septuaginta
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Tethys schrieb am 27.07.2020 um 19:58 Uhr (Zitieren)
Wenn du jetzt noch σύνδεσμος nachschlägst, müsste dir dämmern, was G. meint.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Johannes schrieb am 28.07.2020 um 08:38 Uhr (Zitieren)
ja auch Heiligtumsbuhlschaft war nun im Land, sie taten allen Greueln der Stämme gleich, die ER vor den Söhnen Jissraels her enterbt hatte.

Buber-Rosenzweig
Buber hat sehr "wörtlich" übersetzt.

Entscheidend ist das hebräische Original
entscheidend.

σύνδεσμος= Verbindung? Sinn?
Im Gemoll finde ich keine passende Bedeutung.

24וְגַם־קָדֵ֖שׁ הָיָ֣ה בָאָ֑רֶץ עָשׂ֗וּ כְּכֹל֙ הַתֹּועֲבֹ֣ת הַגֹּויִ֔ם אֲשֶׁר֙ הֹורִ֣ישׁ יְהוָ֔ה מִפְּנֵ֖י בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃ פ

Leider kann ich kein Hebräisch.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Γραικύλος schrieb am 28.07.2020 um 13:01 Uhr (Zitieren)
An Marcella:
Ja, das muß die Stelle sein. Ich werde sie mal in meiner Ausgabe nachschauen.

An Johannes:
Mein Problem ist ein doppeltes:
1. Was Du 1 Könige nennst, ist in einigen älteren Ausgaben 3 Könige - dabei werden 1 Samuel und 2 Samuel als 1 und 2 Könige gerechnet; deswegen habe ich die Stelle zunächst nicht gefunden.
2. σύνδεσμος ist in der Tat seltsam; auch der Passow ergibt keine in Richtung Tempelprostitution gehende Bedeutung. Die Vulgata schreibt: "sed et effeminati fuerunt in terra feceruntque omnes abominationes gentium quas adtrivit Dominus ante faciem filiorum Israhel." Falls das hebräische Original von einem Äquivalent zu Tempelprostitution (oder "Heiligtumsbuhlschaft") spricht, dann liegt der Fehler schon in der Septuaginta und Vulgata.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Johannes schrieb am 28.07.2020 um 14:42 Uhr (Zitieren)
Antwort eines Hebräisch-Kundigen auf
meine Nachfrage:

Und auch der "Hurer" קָדֵ֖שׁ (kadesch) war im Land; sie taten wie alle Gräuel der Völker,

אֲשֶׁר֙ הוֹרִ֣ישׁ יְהֹוָ֔ה מִפְּנֵ֖י בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל

die der Ewige vor den Kindern Israel ausgetrieben hatte.

Bei Gesenius steht über קָדֵ֖שׁ (Kadesch) 1 Könige 14,24 = männliche Hure, cinaedus (frech, schamlos), eigentlich aber vom ursprünglichen Wortsinn קדש (kadesch) "heilig", ein Gottgeweihter.

Der Kontext scheint zu sein, dass Israel ein heiliges und priesterliches Volk sein sollte, aber auch im Volk Israel war das Laster der Hurerei, welches dem Ewigen ein Gräuel ist, vorgekommen.

Es ist ein tiefsinniges hebräisches Wortspiel, weil קדש (kadesch) heisst eigentlich "heilig", aber kann sich auch ins Negative zum Laster der Hurerei umkehren. Götzendienst ist auch eine Hurerei vor dem Ewigen, weil der Ewige ein eifersüchtiger Gott ist, der keine anderen Götter neben sich duldet.

PS זוֹנָה (Sonah) ist Hure im Hebräischen und זְנוּת (Senut) Hurerei
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Γραικύλος schrieb am 28.07.2020 um 15:37 Uhr (Zitieren)
Danke! Als Beleg für Tempelprostitution gibt das dann freilich nichts her, oder? Schon gar nicht im Sinne Herodots.
Re: Tempelprostitution bei den Babyloniern
Marcella schrieb am 29.07.2020 um 07:56 Uhr (Zitieren)
Die Stelle im Gilgamesch-Epos bestätigt Herodot auch nicht, zumal auch nicht deutlich ist, was eine Ḫarimtum genau ist. Das ändert sich auch im Laufe der Jahrhunderte. Und so schillernd wie die Kedesche ist sie allemal.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ḫarimtum
 
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