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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod Philipps von Makedonien #2: Eifersucht, Schändung, Ruhm und Rache (524 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.07.2020 um 23:49 Uhr (Zitieren)
Diodor berichtet nun den Grund der Ermordung Philipps:
Zur Verdeutlichung unseres Berichts sollen die Gründe jenes Anschlags vorausgeschickt sein. Pausanias, ein aus der sogenannten Orestis gebürtiger Makedone, diente als Leibwächter des Königs und wurde aufgrund seiner Schönheit der Geliebte Philipps [φίλος γεγονὼς τοῦ Φιλίππου].

Als er nun sehen mußte, daß sich der König in einen anderen, ihm namensgleichen Pausanias verliebte, griff er diesen mit Schmähungen an und beschuldigte ihn, androgyn [ἀνδρόγυνον] zu sein und sich Liebesbewerbungen jeglicher Art gefügig zu erweisen.

Außerstande, die Entehrung dieser Beschimpfung zu ertragen, wahrte dieser zwar momentan sein Schweigen, doch sobald er Attalos, einen der Freunde, über sein weiteres Vorgehen ins Vertrauen gezogen hatte, nahm er sich freiwillig und in eigentümlicher Weise das Leben.
Einige Tage später nämlich, als Philipp eine Schlacht gegen Pleurias, den König der Illyrer, austrug, stellte sich Pausanias vor den König, fing mit seinem eigenen Leib alle auf Philipp gezielten Hiebe auf und fand auf solche Art den Tod.

Dieser Vorfall erregte allgemeines Aufsehen, und Attalos, ein Mann der Hofgesellschaft, der beim König sehr einflußreich war, lud [den erstgenannten] Pausanias zum Gastmahl, flößte ihm übermäßig viel ungemischten Wein ein und lieferte daraufhin seinen Leib den Maultiertreibern zum trunkenen Mißbrauch aus, den man mit Hetären pflegt [εἰς ὔβριν καὶ παροινίαν ἑταιρικήν].

Sobald Pausanias aus seinem Rausch wieder zu sich gekommen war, empfand er bitteren Schmerz über die Entehrung seines Körpers und klagte Attalos vor dem König an. Philipp teilte wohl seinen Zorn über die schändliche Tat, mochte Attalos jedoch angesichts ihrer verwandtschaftlichen Beziehung und der augenblicklich von ihm erforderten Dienste nicht bestrafen. Denn Attalos war der Neffe der Kleopatra, die der König jüngst als neue Frau genommen hatte; zudem war er, aufgrund seines erwiesenen Muts im kriegerischen Streit, zum Feldherrn der nach Asien entsandten Vorausabteilung erwählt worden. Deshalb gedachte der König den berechtigten Zorn des Pausanias über die erlittene Kränkung dadurch zu besänftigen, daß er ihm ansehnliche Geschenke machte und ihn ehrenvoll in die Leibgarde aufsteigen ließ.

94. Gleichwohl nährte Pausanias unversöhnlich seinen Groll und sehnte sich nun danach, nicht mehr nur am Untäter, sondern auch an demjenigen, der ihm Genugtuung verweigerte, Rache zu nehmen. In diesem Ansinnen bestärkte ihn insbesondere der Sophist Hermokrates. Pausanias war nämlich dessen Schüler gewesen und hatte ihn während des Unterrichts einmal nach dem Weg zum höchsten Ruhm befragt, worauf der Sophist erwidert hatte, dazu müssen man denjenigen, der die größten Taten vollbracht habe, töten [εἰ τὸν τὰ μέγιστα πράξαντα ἀνέλοι]; denn mit der Erinnerung an diesen Mann werde auch die Erinnerung an seinen Mörder verknüpft bleiben [τῇ γὰρ περὶ τούτου μνήμῃ συμπεριληφθήσεσθαι καὶ τὸν τὴν ἀναίρεσιν αὐτοῦ ποιησάμενον].

Pausanias brachte jenen Gedanken mit seiner persönlichen Verbitterung in Verbindung, und da er in seinem Ungestüm keinen weiteren Aufschub des Vorhabens ertragen mochte, führte er den Anschlag während der nun stattfindenden Wettkampf in folgender Weise aus:
Nachdem er Pferde an den Toren untergestellt hatte, begab er sich zu den Theatereingängen, wobei er einen keltischen Dolch verborgen bei sich trug. Als nun Philipp die ihn umgebenden Freunde aufforderte, das Theater vor ihm zu be-treten, und die Lanzenträger Abstand wahrten, sah Pausanias den König ohne jede Begleitung, stürzte auf ihn zu, versetzte ihm einen Dolchstoß zwischen die Rippen und streckte den König tot nieder; dann hastete er den Toren und den für die Flucht bereitgestellten Pferden zu.

Sogleich eilten die einen Leibwächter zum Leichnam des Königs, während die anderen, darunter Leonnatos, Perdikkas und Attalos, zur Verfolgung des Mörders ausschwärmten. Pausanias hatte einen Vorsprung und wäre vor den Verfolgern zu seinem Pferd gelangt, hätte sich seine Sandale nicht in einer Weinrebe verfangen und ihn stürzen lassen. Während er sich wieder aufrichtete, holten ihn Perdikkas und seine Leute ein, durchbohrten und töteten ihn.

(XVI 93 f.)

Das Prinzitp des Herostratentums wird von dem Sophisten gut formuliert.
 
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