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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Sardanapal (533 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 18.07.2020 um 15:22 Uhr (Zitieren)
Sardanapal gilt als der letzte Herrscher Assyriens, dessen Reich von den Persern erobert wurde; historisch handelt es sich wohl um den Assyrer Šamaš-šuma-ukin, der als König von Babylonien gegen seine assyrischen Verwandten kämpfte und 648 v.u.Z. von diesen besiegt wurde. Auch der Assyrerkönig Assurbanipal kommt in Betracht. Die folgende, durch das Gemälde von Delacroix berühmte Geschichte (Athenaios XII 528e-529d) ist jedenfalls legendenhaft.
Ktesias berichtet im 3. Buch seiner „Geschichte Persiens“, alle Herrscher Asiens hätten nach Luxus gestrebt, am meisten Ninyas, der Sohn des Ninos und der Semiramis. Er ging nie ins Freie in seiner Verweichlichung und ließ sich von niemandem sehen außer von den Eunuchen und seinen eigenen Frauen.

Ein solcher Mensch war auch Sardanapallos, den einige den Sohn des Anakyndaraxes nennen, andere des Anabaraxares. Einer seiner Heerführer, Arbakes, der Herkunft nach Meder, versuchte durch Vermittlung des Eunuchen Sparameizes, Sardanapallos zu Gesicht zu bekommen. Als der Meder eintrat, erblickte er ihn geschminkt und weibisch geschmückt [ἐψιμυθιωμένον καὶ κεκοσμημένον γυναικιστί], wie er mit seinen Konkubinen Purpurwolle kämmte und mit angezogenen Knien zwischen ihnen hockte, die Augenbrauen geschwärzt, den Bart rasiert, das Gesicht mit Bimsstein abgerieben. Er war weißer als Milch und hatte die Augen untermalt, und als er Arbakes anblickte, rollte er das Weiße der Augen.

Die meisten Historiker, darunter auch Duris, berichten, Arbakes sei durch den Gedanken, daß ein solcher Mensch über die herrsche, so empört gewesen, daß er ihn erstochen habe.

Ktesias allerdings erklärt, Sardanapallos habe in einem Krieg ein großes Heer gesammelt, sei von Arbakes geschlagen worden und habe sich selbst den Tod gegeben, indem er sich im Palast verbrannte. Er errichtete dazu einen Scheiterhaufen in Höhe von vierhundert Fuß, auf den er hundertfünfzig goldene Liegen und ebenso viele Tische, auch von Gold, stellte. Auf dem Scheiterhaufen errichtete er einen hölzernen Bau von hundert Fuß Länge, in dem er die Tische decken ließ und sich hinstreckte, zusammen mit seiner Gemahlin und mit den Konkubinen auf den anderen Liegen. Seine drei Söhne und zwei Töchter hatte er, als er die Dinge schlecht gehen sah, nach Ninive zu dem dortigen König geschickt und ihm dreitausend Talente Goldes gegeben.

Den Bau hatte er mit langen, starken Balken überdeckt, und ringsum setzte er viel starkes Holz, so daß es keinen Ausgang gab. Hinein legte er zehn Millionen Talente Gold, hundert Millionen Talente Silber, dazu allerlei Gewänder, Purpurstoffe, Kleider. Dann ließ er den Scheiterhaufen entzünden, und er brannte fünfzehn Tage.

Die Zuschauer betrachteten den Rauch mit Erstaunen und meinten, er vollziehe ein Opfer, während allein die Eunuchen Bescheid wußten. So starb Sardanapallos, der in so unmäßigen Vergnügungen gelebt hatte, doch in einer einigermaßen edlen Weise [ὡς ἐνῆν γενναίως ἐτελεύτησεν].

Re: Der Tod des Sardanapal
Marcella schrieb am 18.07.2020 um 18:02 Uhr (Zitieren)
Der weibische, so dekadente Sardananapal ist historisch nicht greifbar. Die vermutete Gleichsetzung mit Schamasch-schuma-ukin funktioniert nicht:

https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%A0ama%C5%A1-%C5%A1uma-ukin

Erst recht verbindet den Assurbanipal außer den Namensanklängen nichts mit diesem Lustmolch. Eher handelt es sich um eine Phantasiefigur der Griechen, die sämtliche lüsternen Klischees vom orientalischen Despoten befeuert.
Der 100 Meter hohe Scheiterhaufen, auf dem nebst den 140 Konkubinen auch 10 Millionen Talente Goldes lagen - da hat sich Ktesias aber was ausgedacht!
Re: Der Tod des Sardanapal
Γραικύλος schrieb am 18.07.2020 um 23:34 Uhr (Zitieren)
Da ist viel Phantasie im Spiel, und zwar von der besonders phantastischen Sorte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sardanapal

Ich habe die dortigen Angaben so verstanden, daß dieser, falls es überhaupt eine historischen Bezugspunkt gibt, in den genannten zwei Personen liegen könnte - wobei Šamaš-šuma-ukin in seinem Palast Suizid begangen hat.
Re: Der Tod des Sardanapal
Marcella schrieb am 19.07.2020 um 05:14 Uhr (Zitieren)
Gold verbrennt nicht, es schmilzt nur. Nimmt man für das Talent irgend etwas zwischen 20 bis 30 Kilogramm an, müssten bei der Verbrennungsaktion 200 000 Tonnen Goldes geflossen sein sowie die zehnfache Masse an Silber. Das passt beim besten Willen nicht in den beschriebenen Kremationskubus.
Im übrigen, bei den alten Griechen wie heute: Sex sells.
 
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