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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lukian: Alexander von Abonuteichos #9 (440 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 17.07.2020 um 00:01 Uhr (Zitieren)
Übrigens muß man dem Betrüger die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er bei seinen Orakeln mit großer Klugheit zu Werke ging und sich dabei immer nach den Umständen und Regeln der Wahrscheinlichkeit richtete. Auf manche Fragen gab er schielende und zweideutige, auf manche auch wohl ganz unverständliche Antworten; denn auch dieses schien ihm zur Orakeletikette zu gehören. Einige schreckte er von dem, was sie vorhatten, ab, andere munterte er auf, je nachdem er das eine oder andere, den Umständen nach, für schicklicher hielt. Einigen schrieb er Heilmittel und Lebensordnungen vor, da er (wie ich anfangs erwähnte) viele medizinische Kenntnisse besaß; vorzüglich legte er einen besonderen Wert auf eine gewisse schmerzlindernde Salbe, der er den selbsterfundenen Namen Kytmis gab, und die aus Ziegenfett bereitet wurde. Bei Fragen, die sich auf erhoffte Glückszufälle, Zuwachs an Vermögen, Erbschaften und dergleichen bezogen, vertröstete er immer auf die Zukunft; die gewöhnliche Antwort auf solche Dinge war: Es kann zu allem Rat werden, wenn ich will und Alexander, mein Prophet, für euch bittet.

Die festgesetzte Taxe für jedes Orakel war eine Drachme und zwei Obolen. Dies könnte dir eine Kleinigkeit scheinen, aber das Einkommen, das er sich damit machte, war keine Kleinigkeit; es stieg wohl auf siebzig- bis achtzigtausend Drachmen des Jahres, indem viele so unersättlich nach Orakeln waren, daß sie sich deren zehn bis fünfzehn auf einmal geben ließen. Wie beträchtlich aber auch diese Einnahme war, sie reichte doch nicht zu, weder für sich selbst großen Aufwand zu machen noch Schätze zu sammeln. Denn er hatte eine unendliche Menge Gehilfen, Aufwärter, Kundschafter, Orakelschmiede, Registratoren, Obsignatoren und Exegeten im Solde, deren jeden er nach Proportion seines Amtest und Verdienstes bezahlen mußte.

Er hatte nun bereits auch verschiedene Emissäre in entfernte Länder ausgeschickt, die seinem Orakel einen Namen unter den Völkern machen und erzählen mußten, wie es das Zukünftige vorhersage, wie es Diebe, Straßenräuber und entlaufene Sklaven entdecke, wie auf seine Anzeige Schätze aufgefunden worden seien, wie viele Kranke es wieder gesund gemacht, und wie es sogar einige Tote auferweckt habe. Der Zusammenlauf von allen Enden und Orten wurde also immer größer, und so verdoppelten sich auch die Opfer, die Gaben und die Einkünfte des Propheten und Jüngers des neuen Gottes.
[...]

(Lukian: Sämtliche Werke. Nach der Übersetzung von Chr. M. Wieland herausgegeben von Hanns Floerke. 5 Bde. Berlin ²1922; Bd. 3, S. 18-32)

Alexanders Wundertaten steigerten sich offenbar noch im Laufe der Zeit.

Damit beschließe ich diesen Auszug aus Lukians Geschichte.
Der Glykon-Kult, auf den sogar Münzen Bezug nehmen, hat seinen Stifter um einiges überdauert. Dazu verweise ich auf den Wikipedia-Artikel in #1.
 
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