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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lukian: Alexander von Abonuteichos #5 (451 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.07.2020 um 14:37 Uhr (Zitieren)
Wie nun endlich der Anfang gemacht werden sollte, traf er die folgenden Anstalten. Er schlich sich nächtlicherweise zu den vor kurzem gegrabenen Fundamenten des Tempels, worin sich entweder vom Regen oder von anderen Zuflüssen einiges Wasser gesammelt hatte. Hier legte er ein zu diesem Gebrauche ausgeleertes Gänseei nieder, worin eine neugeborene kleine Schlange eingeschlossen war, und nachdem er es in einen Winkel des morastigen Grabens verborgen, kehrt er ungesehen nach Hause. Am nächsten Morgen läuft er nackend, bloß mit einem aus Gold gewirkten Schurz um die Hüften, mit dem besagten krummen Säbel in der Hand auf den Markt, schüttelt seine Haare wie ein begeisterter Korybant, steigt auf einen hohen Altar und predigt zu dem Volke herab, wie glücklich ihre Stadt sei, da sie im Begriffe stehe, den verheißenen Gott unmittelbar in ihrer Mitte zu sehen.

Inzwischen war die ganze Stadt, Alt und Jung, Männer und Weiber zu dem Gaukelspiel zusammengelaufen: alles war außer sich, lag auf den Knien und betete an, während der Betrüger eine Menge unverständlicher Wörter, die wie Hebräisch oder Phönizisch klangen, von sich gab, wodurch er die armen Leute in um so größeres Erstaunen setzte, weil sie außer den Namen Apollo und Asklepios, die er häufig einmischte, von allem, was er sagte, kein Wort verstehen konnten. Auf einmal rennt er in vollem Laufe dem künftigen Tempel zu, und wie er an den Graben und die erwähnte saubere Quelles seines Orakels kommt, watet er in das Wasser hinein, stimmt aus voller Brust dem Apollo und Asklepios einen Lobgesang an und fordert den Gott auf, zu Glück und Heil in die Stadt zu kommen. Hierauf verlangt er eine Schale, bückt sich und schöpft mit dem lehmigen Wasser zugleich das besagte Ei, worein er den Gott eigenhändig verschlossen hatte, und woran der Deckel mit weißem Wachs und Bleiweiß so geschickt zusammengeklebt war, daß man keine Öffnung daran gewahr werden konnte. Hier, rief er, indem er das Ei in die Höhe hielt, hier habe ich den Asklepios!

Die guten Leute, die sich schon über die Auffindung des Eis im Wasser nicht genug verwundern konnten, schauten voll Erwartung, was daraus werden sollte, zu ihm auf: wie er es aber in seiner hohlen Hand zerbrach, das kleine Schlangengezücht auffaßte, und sie sahen, daß es sich regte und um sei-ne Finger herumwand, schrien sie laut auf, hießen den Gott willkommen, priesen ihre Stadt selig und sperrten alle auf einmal ihre Schnäbel so weit auf als sie konnten, um sich Schätze und Überfluß und Gesundheit und alles mögliche Gute von ihm zu erbitten. Alexander aber eilte mit seinem neugeborenen, oder vielmehr (zum Unterschied von uns anderen ge-meinen Menschen) zweimal und nicht etwa von der Nymphe Koronis oder von der Krähe, in die sie verwandelt wurde, sondern von einer Gans geborenen Asklepios nach Hause; und das gesamte Volk lief hinter ihm her, alle des neuen Gottes voll und von den wahnsinnigsten Erwartungen trunken.


Koronis: dem Mythos gemäß die Mutter des Asklepios
 
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