Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lukian: Alexander von Abonuteichos #4 (601 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.07.2020 um 00:04 Uhr (
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Alexander kommt immer mehr in Fahrt und bereitet seine Karriere generalstabsmäßig vor.
Alexander war indessen, wie gesagt, vorausgeschickt worden und ließ sich nun nicht anders sehen als mit langen herabwallenden Locken, in einem weiß gestreiften purpurnen Gewande, mit einem darübergeworfenen weißen Mantel und einem krummen Schwert in der Hand, wie man es dem Perseus zu geben pflegt: denn er leitete sein Geschlecht auf mütterlicher Seite von diesem Halbgotte ab; und diese gottverlassenen Paphlagonier [οἱ ὀλέθριοι ἐκεῖνοι Παφλαγόνες], wiewohl sie recht gut wußten, daß seine beiden Eltern gemeine unbedeutende Leute waren, glaubten doch dem Orakel, welches ihnen sagte:
Seht in dem göttlichen Alexander den Sprößling des Perseus,
Phoibos‘ Geliebten, entsprungen aus Podaleirios‘ Blute.
Wahrlich, Podaleirios müßte ganz rasend geil und weibertoll gewesen sein, um der Mutter Alexanders zu lieb von Trikka bis nach Paphlagonien zu reisen (ohne daß sich seine Hitze auf dem so langen Wege abgekühlt hätte).
Es fand sich auch noch eine andere Weissagung, die einer Sibylle zugeschrieben wurde und folgendermaßen lautete:
An des Euxinischen Meeres Gestade, nicht fern von Sinope,
unter Ausoniens Zepter entsteht ein Prophet in der Feste.
Dreimal zehen zu eins, und zwanzig dreimal zu fünfen,
gibt vier Laute vom Namen des heilverbreitenden Mannes.
Durch diese und andere Kunststückchen wußte sich Alexander, als er nach einer ziemlich langen Abwesenheit in seine Vaterstadt zurückkam, in Ansehen und Respekt zu setzen. Eine dieser Künste war, daß er sich zuweilen stellte, als ob er von der prophetischen Wut befallen würde und Schaum vor dem Munde stehen hatte. Nichts war leichter zu bewerkstelligen; er brauchte nur die Wurzel des Färbekrauts Struthion zu kauen: seinen Paphlagoniern aber deuchte es was Übernatürliches und Furchtbares um diesen Schaum.
Überdies hatte er schon lange einen Drachenkopf in Bereitschaft, der aus leinenen Lappen verfertigt war und einige Ähnlichkeit mit einem Menschengesichte hatte. Er war so künstlich gemacht und bemalt, daß er wie natürlich aussah, der Munde konnte mittels eines Pferdehaares auf und zu gezogen werden; auch reckte er, nach Art der Schlangen, eine zweigespitzte schwarze Zunge heraus, die ebenfalls durch Haare bewegt wurde. Die obenerwähnte Schlange von Pella aber war schon eine geraume Zeit in seinem Hause abgerichtet worden, um zu gegebener Zeit ihre Rolle zu spielen, oder vielmehr die Hauptperson des feierlichen Possenspiels vorzustellen.
Zum Zahlenspiel:
ALEXander. Nach der griechischen Art, die Zahlen zu bezeichnen, gibt A eins, L zehn, E fünf und X zwanzig. 1, 5, 30 und 60 machen zusammen 96. Wenn diese Zahl mit 4, 8, 12 und 24 dividiert wird, gibt sie die Quotienten 24, 12, 8 und 4, was vermutlich die Ursache ist, weshalb das Orakel sie tetrakyklon [τετράκυκλον] nennt.