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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lukian: Alexander von Abonuteichos #2 (466 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 13.07.2020 um 23:44 Uhr (Zitieren)
Lukians Bericht ist witzig geschrieben und steht den Taten Alexanders mit überlegener Ironie gegenüber. Gewidmet ist der Text dem bekannten Celsus [Κέλσος], auf den Schriften über Magie sowie die Kampfschrift gegen die Christen zurückgehen, die in der Antwort des Origines zu Teilen überliefert ist.
Lukian beginnt so:
[...]
In seinen Knabenjahren war er (wie man aus den Überbleibseln schließen und von ehemaligen Augenzeugen hören konnte) außerordentlich schön, aber auch so ausschweifend, daß er sich einem jeden, der Lust zu ihm hatte, um Lohn verdingte. Unter anderen Liebhabern bemächtigte sich seiner ein gewisser Scharlatan, aus der Klasse derjenigen, die sich mit Magie, Geisterbeschwören und mit der Kunst, Liebe oder Haß durch Zaubermittel zu befördern, Schätze zu erheben und zu reichen Erbschaften zu verhelfen, abgeben. Dieser Mensch machte die glückliche Anlage des Knaben zu seiner Profession bald ausfindig, und da er ihn ebenso lüstern nach seinen bösen Künsten sah, so nahm er ihn in die Lehre und brauchte ihn in der Folge beständig zu seinem Gehilfen, Diener und Mitarbeiter. Öffentlich machte dieser Mann den Arzt, und wirklich verstand er so gut wie die Gemahlin des Ägypters Thon bei Homer,

mancherlei heilsamer Drogen und schädlicher viele zu mischen [Odyssee IV 230],

welche Geheimnisse er alle auf unseren Alexander vererbte.

Dieser sein Lehrmeister und Liebhaber war aus Tyana gebürtig, ein Landsmann und Schüler des weltberühmten Apollonios [von Tyana], und einer von denen, die mit seiner ganzen Tragödie genau bekannt waren. Du siehst, was aus einem Menschen werden mußte, der aus einer solchen Schule stammte!

Unser Held hatte nun das männliche Alter erreicht, und da der Tyanenser inzwischen gestorben, und die Schönheit, von der er sich allenfalls hätte nähren können, verblüht war, würde er sich mit einem kleineren Geist in keiner geringen Verlegenheit befunden haben. Aber er ließ den Mut nicht sinken: er verband sich mit einem gewissen Komödienfabrikanten [χρονογράφος] von Byzanz, von der Gattung derer, die sich bei öffentlichen Wettspielen hören lassen, der ein noch weit verruchterer Mensch war als er selbst – er hieß, wenn ich nicht irre, Kokkonas –[,] und nun zogen sie überall miteinander herum, wo mit losen Künsten etwas zu verdienen war, und beschoren die Dickköpfe, wie diese Zaubermeister in ihrer Gaunersprache den großen Haufen zu nennen pflegen.

Unter anderen gerieten sich auch an eine reiche Makedonierin, die, ungeachtet ihre Blütezeit längst vorbei war, noch den Anspruch machte, liebenswert zu sein; und da sie Mittel gefunden hatten, eine reichliche Reisezehrung von dieser Dame zu erhalten, folgten sie ihr aus Bithynien in ihr Vaterland. Sie war aus Pella, einem Orte, der unter den makedonischen Königen überaus blühend gewesen, damals aber sehr herabgekommen war und nur wenige Einwohner von der geringsten Klasse zählte. Hier sahen sie nun eine Art von ungewöhnlich großen Schlangen, die so harmlos und zahm sind, daß sie von den Weibern wie andere Haustiere aufgezogen werden, bei den Kindern schlafen, sich, ohne böse zu werden, necken und mit Füßen treten lassen, ja sogar wie Säuglinge an die Brust gelegt werden und wie diese Milch aussaugen [Serpens Aesculapius]. Sie sind in dieser Gegend sehr gemein, und vermutlich ist das alte Märchen, das von der Königin Olympias erzählt wird, daher entstanden, weil sie eine solche Schlange bei sich schlafen ließ, als sie mit Alexander schwanger ging.

Meine beiden Landstreicher kauften um wenige Obolen eines von den schönsten dieser kriechenden Geschöpfe, und nun ging die Komödie an. Denn daß ein paar so durchtriebene, verwegene und immer fertige Spitzbuben, die ihre Köpfe zusammensteckten, einen solchen Fund nicht unbenutzt gelassen haben werden, kann man sich leicht vorstellen. Es brauchte keiner großen Anstrengung des Verstandes, um die Entdeckung zu machen, daß Furcht und Hoffnung die zwei großen Tyrannen sind, die das menschliche Leben beherrschen [ῥᾳδίως κατενόησαν τὸν τῶν ἀνθρώπων βίον ὑπὸ δυεῖν τούτοιν μεγίστοιν τυρρανούμενον, ἐλπίδος καὶ φόβου], und daß, wer dieser beiden sich gehörig zu bedienen weiß, das geschwindeste Mittel reich zu werden gefunden hat. Nun sahen sie wohl, daß für den Hoffenden und den Fürchtenden nichts nötiger wäre, als das Künftige vorauszuwissen; daß die Menschen daher auch nach wenig Dingen begieriger sind, und daß es einzig und allein diese Begierde sei, was schon von alters her Delphi und Delos und Klaros und die Branchiden reich und berühmt ge-macht, weil die Leute, von ihren besagten Tyrannen, der Furcht und der Hoffnung getrieben, diese Tempel besuchen und, um sich ihr künftiges Schicksal vorhersagen zu lassen, Hekatomben schlachten und goldene Ziegel opfern.

 
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