Schopenhauer über die Griechen im Vergleich (506 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.07.2020 um 17:54 Uhr (Zitieren)
In Schopenhauers bekanntem Dialog zwischen Demophiles und Philalethes über Religion (Parerga und Paralipomena II) steht u.a.:
(P II 369 f.)
Ob Schopenhauer da an die (attische) Demokratie und an die Sklaverei gedacht hat?
Re: Schopenhauer über die Griechen im Vergleich
Γραικύλος schrieb am 06.07.2020 um 18:31 Uhr (Zitieren)
Beduetung --> Bedeutung
Re: Schopenhauer über die Griechen im Vergleich
filix schrieb am 07.07.2020 um 23:08 Uhr (Zitieren)
Dass Philalethes für seine Tirade als abschreckendes Beispiel ausgerechnet das Trecento wählt, ohne das sich geschichtlich betrachtet seine Position wohl kaum in weiterer Folge hätte herausbilden können, ist einigermaßen kurios.
Re: Schopenhauer über die Griechen im Vergleich
Γραικύλος schrieb am 08.07.2020 um 12:54 Uhr (Zitieren)
Es fällt mir schwer, irgendein Jahrhundert seit dem 13. (dem Jahrhundert, in dem das Papsttum seinen Höhepunkt - die Bulle "Unam Sanctam" - und den Beginn seines Niederganges erlebte und die Inquisition ihren Anfang nahm) anzugeben, das nicht eine historische Voraussetzung für den religionskritischen Standpunkt des Philalethes bildet.
Warum mag Schopenhauer besonders das 14. Jahrhundert hervorgehoben haben? Vielleicht, deshalb, weil es mit der religiösen Hysterie während der Pest und mit dem Großen Schisma eine Epoche darstellt, in welcher die Abgründe des Christentums besonders deutlich hervortreten?
Skeptischer sehe ich Schopenhauers Idealisierung des Zeitalters des Perikles, wobei er mit den "vortrefflichen Staatseinrichtungen" ja auch die Demokratie einschließen muß, der Schopenhauer ansonsten abhold war. Auch ist er ansonsten nicht blind für das Problem der Sklaverei.
Doch möglicherweise möchte er mit Philalethes und Demopheles zwei extreme Standpunkte einander gegenüberstellen.
Re: Schopenhauer über die Griechen im Vergleich
filix schrieb am 08.07.2020 um 18:16 Uhr (Zitieren)
Ich meinte das anders - ohne Trecento, Petrarca war immerhin einer von Schopenhauers Lieblingsdichtern, keine Protorenaissance, aus der sich das positive Bild der Antike entwickelt, mit dem diese kulturpessimistische Tirade arbeitet.
Re: Schopenhauer über die Griechen im Vergleich
Marcella schrieb am 08.07.2020 um 19:12 Uhr (Zitieren)
Aber sowohl Petrarca als auch Bocccaccio wären wohl in ihrem trecento nicht ganz ungeneigt gewesen, der schwungvollen Schopenhauerschen Beschreibung der "tenebrae" etwas abzugewinnen.
Re: Schopenhauer über die Griechen im Vergleich
Γραικύλος schrieb am 08.07.2020 um 23:52 Uhr (Zitieren)
Diesen Verdacht habe auch ich.
Was filix meint mit der Bedeutung der Prärenaissance, habe ich schon verstanden. Ich wollte nur eine Vermutung darüber äußern, warum Philalethes alias Schopenhauer sich unter allen Jahrhunderten, welche die Schrecken des Christentums verdeutlichen könnten, gerade das 14. ausgesucht hat ... trotz Petrarca.