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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Multikulturelles Zusammenleben in Alexandria #2 (501 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.06.2020 um 00:01 Uhr (Zitieren)
Was geschah, wenn die Emotionen kochten und keine staatliche Autorität Einhalt gebot, zeigte sich bei der Ermordung des Agathokles und seiner Familie um 205 v. Chr. Als erster wurde damals ein Diener des Königs ins Stadion geführt und von der Menge augenblicklich mit Lanzen durchbohrt; noch zuckend schleiften sie ihn dann in die Mitte der Kampfbahn. Anschließend führte man Agathokles gefesselt herbei; auch ihn stach man sofort nieder, was der Geschichtsschreiber Polybios bedauert, sei der Mann doch dadurch der gerechten Strafe – einer lang ausgedehnten Todesqual – entgangen. Unmittelbar nach ihm wurde Agathokleia nackt hereingeführt – seine Schwester und Mätresse des Königs – und ihre Mutter Oinanthe, ebenfalls nackt, aber, um besser betrachtet werden zu können, auf einem Pferd sitzend; beide wurden der Menge preisgegeben, die sie biß, stach und ihnen die Augen ausriß. Immer wenn jemand niederstürzte, rissen die Leute seine Glieder auseinander, bis sie alle völlig verstümmelt hatten. Ich breche die Beschreibung hier ab.

Bei den zahlreichen Schilderungen des äußerst unruhigen, ja teilweise rebellischen Verhaltens der Einwohner Alexandrias darf allerdings nicht außer acht gelassen werden, daß die Stadt sich über Jahrhunderte hinweg mit einem Zuzug fremder Bevölkerungsgruppen konfrontiert sah. Die Tausende von Personen, die uns auf Papyri der ptolemäischen Zeit begegnen, kommen aus mehr als 200 Orten der hellenistischen Welt. Viele traten von auswärts in den Dienst der Herrscher und brachten auch Personal mit, das dann blieb; so gab es zeitweise eine kretische Stadtwache. Auch Händler, die ihre Geschäfte in der Stadt abwickelten, waren beständig auf der Suche nach Arbeitskräften. Die Universität und die ihr angeschlossenen Schulen bezogen ebenfalls ihre Klientel von weither. Tempel und Heilstätten lockten während der Ptolemäer- und in der Kaiserzeit Tausende an, wie es in der Spätantike die Kirchen und Klöster taten. Und zu allen Zeiten gab es Menschen jeder Art, die in Alexandria ihr Glück zu machen suchten.

(Manfred Clauss: Alexandria – Eine antike Weltstadt. Stuttgart 2003, S. 57-61)
 
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