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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Artemisia von Halikarnassos #2 (537 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.06.2020 um 13:24 Uhr (Zitieren)
An späterer Stelle berichtet Herodot erneut von Aremisia.

Vor der Schlacht von Salamis berät sich Xerxes mit seinen Getreuen.
VIII 67. [...] Als erster saß der König von Sidon, dann der König von Tyros und darauf die übrigen. Als sie so der Reihe nach Platz genommen hatten, schickte der König [sc. Xerxes] Mardonios herum und ließ alle der Reihe nach fragen, ob er eine Seeschlacht liefern solle; er wollte sie damit auf die Probe stellen.

68. Als Mardonios, beim König der Sidonier angefangen, die Reihe durchging, waren die übrigen alle einstimmig der Meinung, man solle sich zur Schlacht stellen. Artemisia aber sprach: „Mardonios, teile dem König meine Meinung mit! Ich habe mich in den Gefechten bei Euboia nicht am schlechtesten gehalten und gewiß nicht am wenigsten geleistet. Deshalb darf ich wohl mit Recht, Herr [δέσποτα], meine Meinung frei-mütig über das äußern, was meiner Ansicht nach deiner Macht am nützlichsten ist. So sage ich dir: Schone deine Flotte und vermeide eine Seeschlacht! Diese Kämpfer sind deinen Völkern zur See so überlegen wie Männer den Frauen [οἱ γὰρ ἄνδρες τῶν σῶν ἀνδρῶν κρέσσονες τοσοῦτόν εἰσι κατὰ θάλασσαν ὅσον ἄνδρες γυναικῶν]. Warum willst du dich denn durchaus durch Seeschlachten gefährden? Hältst du nicht Athen in deiner Hand , dessentwegen du den Feldzug unternommen hast? Besitzest du nicht auch das übrige Griechenland? Kein Mensch wagt dir entgegenzutreten. Die es getan haben, sind so davongekommen, wie sie es verdient haben.
Ich will dir nach meiner Ansicht den Verlauf des feindlichen Unternehmens sagen. Bestehst du nicht auf einer Seeschlacht, sondern hältst die Schiffe hier vor Anker und bleibst auf dem Lande oder rückst nach der Peloponnes vor, so wird sich dir, Herr, alles leicht nach der Absicht gestalten, mit der du gekommen bist; denn lange Zeit können die Griechen nicht Widerstand leisten. Du wirst sie zerstreuen. Jeder wird dann in seine Heimatstadt flüchten; denn sie haben dort auf der Insel keine Lebensmittel bei sich, wie ich bestimmt weiß. Es ist auch nicht anzunehmen, daß die Leute, die von dort hergekommen sind, ruhig bleiben, wenn du mit deiner Landmacht gegen die Peloponnes ziehst. Es wird ihnen dann wenig daran liegen, für die Athener in einer See-schlacht zu kämpfen. Wenn du aber sofort auf einen Kampf zur See drängst, fürchte ich, daß der Verlust deiner Seemacht das Landheer mit ins Verderben zieht.

Dazu, König, bedenke auch noch folgendes: tüchtige Menschen haben gewöhnlich schlechte Diener [δοῦλοι], umgekehrt schlechte Menschen brauchbare Knechte. Du bist zwar der beste aller Menschen [σοὶ δὲ ἐόντι ἀρίστῳ ἀνδρῶν πάντων], hast aber schlechte Diener, die zwar dem Worte nach deine Bundesgenossen heißen, Ägypter, Kyprer, Kiliker und Pamphylier, die aber überhaupt keinen Nutzen bedeuten.“

69. Als Artemisia so zu Mardonios sprach, waren alle, die es mit ihr gut meinten, sehr bekümmert über diese Worte, als ob ihr der König etwas Böses antun könnte, weil sie von einer Seeschlacht abriet. Ihre Feinde aber, die ihr übel wollten und sie beneideten, weil der König sie vor allen Bundesgenossen unter den ersten hoch ehrte, hatten ihre Freude an dieser Antwort, als wäre sie ihr Verderben.

Als aber die Meinungen Xerxes überbracht wurden, freute er sich über die Ansicht der Artemisia sehr. Schon von ihrer früheren tapferen Haltung überzeugt, lobte er sie jetzt noch viel mehr. Dennoch befahl er, dem Rat der Mehrheit zu folgen; er überlegte dabei folgendes: Die Flotte habe sich bei Euboia feige gezeigt, weil er nicht teilgenommen hatte; jetzt aber hatte er sich entschlossen, persönlich der Seeschlacht zuzusehen.

Hieran erscheint mir nun einiges bemerkenswert:
- Der Ratschlag ist klug, aber er wird natürlich von Herodot post festum überliefert.
- Artemisia äußert sich abschätzig über die kriegerische Leistungsfähigkeit von Frauen.
- Sie schmeichelt dem Großkönig über die Maßen.
- Sie scheut sich nicht, ihren Standpunkt gegen alle anderen zu vertreten, stößt aber durch ihr harsches Urteil die anderen "Freunde" des Königs vor den Kopf.
Re: Artemisia von Halikarnassos #2
Marcella schrieb am 18.06.2020 um 12:07 Uhr (Zitieren)
Ausdrücklich wird gesagt, dass Xerxes den Rat der Artemisia lobt, sich aber dennoch (aus Eitelkeit?) dagegen entscheidet. Artemisia bezeichet in dieser wohl von Herodot gestalteten Rede die Frauen für grundsätzlich den Männern unterlegen Diese behauptete Minderwertigkeit kann durchaus eine rhetorische Beschwichtigung gegenüber denen sein, die hier pauschal als schlechte Diener bezeicnet werden. (Immerhin sind sie trotzdem mehr wert als Frauen.) Sie zeigt sich in ihrer Analyse der Lage bestens informiert und könnte damit als persische Patriotin durchgehen. Dann allerdings ist Herodots Bewunderung für diese Figur interessant.
Re: Artemisia von Halikarnassos #2
Γραικύλος schrieb am 18.06.2020 um 12:18 Uhr (Zitieren)
Herodots Bewunderung für Artemisia:
Da fällt mir - als Vermutung - die gemeinsame Heimatstadt ein.

Wenn allgemein die militärische Leistungsfähigkeit von Frauen gegenüber der von Männern herabgesetzt wird, strahlt Artemisias Stern umso heller.
 
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