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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kleopatra vor Caesar #1: nullo discrimine sexus (477 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.06.2020 um 15:04 Uhr (Zitieren)
1. Lucan (39-65 u.Z.): Bellum civile

Jetzt hatte, von der Nilmündung bei Pelusion kommend, der kriegsuntüchtige Königsknabe den Zorn seiner Untertanen beschwichtigt, und mit ihm als Friedensgeisel befand sich Caesar am Lagidenhof in Sicherheit. Da begab sich Kleopatra in einem kleinen Zweiruderer – sie hatte den Hafenwächter bestochen, die Sperrketten des Pharos aufzumachen – ohne Caesars Wissen in die Ptolemäerburg, sie, Ägyptens Schande, Latiums Todesfurie, Buhlerin zu Roms Verderben [dedecus Aegypti, Latii feralis Erinys, Romano non casta malo]. So fürchterlich, wie Spartas Königin Griechenland und Ilions Häuser mit ihrer unheilvollen Schönheit zum Einsturz brachte, mehrte Kleopatra in Hesperien den Wahn des Bürgerkriegs [Hesperios auxit tantum Cleopatra furores]. Sie schreckte, als ob das geschehen dürfte, das Kapitol mit ihren Isisklappern, zog mit kriegsuntüchtigen Ägyptern gegen Roms Standarten, um mit einem Caesar als Gefangenem im Triumph durch Alexandria zu ziehen; so hing von dem Meer bei Actium die Entscheidung ab, ob eine Frau, und nicht einmal aus Rom, die Welt regieren werde [an mundum ne nostra quidem matrona teneret]. Solche Kühnheit gab ihr jene Nacht, die zum ersten Mal die schamlose Ptolemäerin mit einem Römerführer im Bett vereinte. [...]

Kleopatra baute auf ihre Schönheit und suchte ihn mit Trauermiene, doch ohne die geringsten Tränen auf, mit kokett geheucheltem Kummer, soweit er sie kleidete, mit losen und scheinbar zerrauften Haaren. Dann nahm sie so das Wort: „Wenn Adel etwas gilt, großmächtiger Caesar [o maxime Caesar], hör mich an! Ich, ein hochedler Sproß aus dem Geschlecht des Ägypterkönigs Lagos, bin verbannt und auf alle Zeit vom Thron meiner Väter verstoßen, wenn deine starke Hand mich nicht in den hergebrachten Rang einsetzt; ich, eine Königin, umfasse deine Füße [complector regina pedes]. Du leuchte unserem Volk als guter Stern! Ich werde nicht die erste Frau sein, die die Städte am Nil beherrscht: Alexandria fragt nicht nach dem Geschlecht und weiß eine Königin hinzunehmen [nullo discrimine sexus reginam scit ferre Pharos]. Lies die letzten Worte meines verstorbenen Vaters, der mir zugestand, Thronrecht und Ehebett mit meinem Bruder zu teilen! Der Knabe selbst liebt seine Schwester: hätte er nur freie Hand! Aber seine Gefühle und Schwerter stehen in Pothinus‘ Macht. Nichts von dem Recht, das mir mein Vater gab, suche ich selber wahrzunehmen: befreie unser Haus [solve domum] von Schuld und schwerer Schande, entwaffne den mordlüsternen Trabanten und heiß den Herrscher herrschen [et regem regnare iube]! Wie mächtig bläht sich doch die Sklavenseele auf! Nachdem er Magnus‘ Haupt vom Rumpf hat trennen lassen, führt er nunmehr gegen dich – jedoch die Fügung wende die Gefahr weit von dir ab! – Feindseliges im Schilde. Unwürdig genug, Caesar, war es vor der Welt sowohl wie auch vor dir, daß eines Pompejus Tod Tat und Verdienst eines Pothinus war.“

Ihre Versuche wären vergeblich, Caesars Ohren verstockt geblieben, hätte nicht ihr Blick die Bitten unterstützt und ihr Buhlerinnenantlitz [facies incesta] nicht das letzte Wort gesprochen.
[...]

(X 53-105)

Kein Teppich, ein überaus feindseliger Autor, aber eine sehr beredte Königin.
 
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