Γραικύλος schrieb am 12.06.2020 um 17:31 Uhr (Zitieren)
(Christoph Schäfer: Kleopatra. Darmstadt 2006, S. 15)
Ein Talent: 26,196 kg Silber
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 12.06.2020 um 17:52 Uhr (Zitieren)
ein Abschrift --> eine Abschrift
Re: Ein königlicher Büchernarr
Aristoteles schrieb am 12.06.2020 um 18:17 Uhr (Zitieren)
Zum Vergleich:
Akueller Wert ca. 13 000 Euro.
Re: Ein königlicher Büchernarr
filix schrieb am 12.06.2020 um 18:36 Uhr (Zitieren)
Woher kommt eigentlich dieser bedeutungsschwangere Ausdruck "Staatsexemplar"?
Re: Ein königlicher Büchernarr
Morus schrieb am 13.06.2020 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Dass es sich nicht um die Marotte eines Büchersammlers handelte, sondern dass mit dem Sammeln von guten, d. h. möglichst wenig fehlerbehafteten Manuskripten Wissenschaftspolitik betrieben wurde, erwähnt Schäfer im Umfeld des zitierten Stelle.
Wer für die deutsche Sprache das Wort Staatsexemplar geprägt hat, weiß ich nicht. Die Quelle, auf die man sich dabei beruft, sind die pseudoplutarchischen Vitae X oratorum, wo unter 841 f davon die Rede ist, dass die Tragödien der drei Dichter auf Veranlassung von Lykurg ἐν κοινῷ niedergeschrieben wurden.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 01:10 Uhr (Zitieren)
1. Nein, das schreibt Schäfer nicht im Umfeld der zitierten Stelle. Sonst müßtest Du mir die Stelle angeben. Der Text fährt fort mit der Bedeutung von Museion und Bibliothek und den dafür erforderlichen Investitionen, um dann zum Charakter Alexandrias überzugehen.
2. Wenn es ihm lediglich um Fehlerfreiheit gegangen wäre, hätte Ptolemaios III. sich für 15 Talente eine Menge Abschreiber mitsamt Kontrolleuren leisten können ... und immer noch Geld gespart.
3. Danke für den Hinweis auf die mutmaßliche Quelle; Schäfer erwähnt sie nicht, sondern beruft sich in einer Anmerkung auf:
- Dziatzko, s.v. Bibliotheken, RE III,1, Stuttgart 1899
- Canfora, L., Die verschwundene Bibliothek, Berlin 1990
D.h. die antike Quelle gibt er nicht an.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 09:08 Uhr (Zitieren)
Offen ist noch die Frage, wo diese Ptolemaios-Ankedote überliefert worden ist.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Platon schrieb am 13.06.2020 um 10:26 Uhr (Zitieren)
Galen in Hippocrat. epidemiai III 2,4
Re: Ein königlicher Büchernarr
Morus schrieb am 13.06.2020 um 12:30 Uhr (Zitieren)
(Schäfer. a. O.)
zu 2. Es war vermutlich auch schon damals bekannt, dass bei jeder Abschrift längerer Texte Fehler entstehen, trotz Kontrolle. Der Besitz des besten verfügbaren Tragiker-Textes war also für die Reputation des bedeutendsten Zentrums der damaligen Philologie wohl nicht ohne Gewicht.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 13:25 Uhr (Zitieren)
An Platon:
Na, das ist ja eine abgelegene Stelle; auf die wäre ich nicht gekommen.
An Morus:
Abgesehen davon, daß Schäfers "fanatische Büchersammler" das ist, was ich mit "Büchernarr(en)" meinte, nähern sich unsere Standpunkte nunmehr an: Daß die Ptolemäer das Büchersammeln zum Zwecke ihrer Legitimation und ihres Ruhmes einsetzten, ist klar. Daß sie keine genuin philologischen Interessen verfolgten, dürfte ebenso klar sein sein. Daher meine ich, daß der Besitz des 'besten' Exemplares für sie nicht den des philologisch exaktesten Buches bedeutete (das hätten sie, wie gesagt, durch mehrfach korrigierte Abschriften für weniger als 15 Talente haben können), sondern den des berühmtesten, klassischen Exemplares. Ob es, insofern es ja ebenfalls von Hand geschrieben worden war, nicht ebenfalls Fehler enthielt, lasse ich mal dahingestellt. Abschreiber können sogar offensichtliche Fehler verbessern.
Ich empfinde den Begriff "Wissenschaftspolitik", den Du verwendet hast, als mißverständlich, nehme aber an, daß das jetzt geklärt ist.
Es ging um Reputation.
Die Vitae X oratorum muß ich noch nachschauen.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 13:43 Uhr (Zitieren)
Mir fällt ein vergleichbarer Fall ein: Ein Bekannter von mir hat sich einmal die Stephanus-Ausgabe von Platon gekauft, also die aus dem 16. Jhdt.
Philologisch ist das heute gar nicht mehr die beste Ausgabe, und der Bekannte war auch kein Philologe. Aber er war stolz wie Oskar und sah das Werk als die Krone seiner Bibliothek an. Es hat ihn obendrein zwar nicht 15 Talente, aber doch eine Menge Geld gekostet.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 14:11 Uhr (Zitieren)
Die Lektüre der Vitae X oratorum ergibt im Hinblick auf die Funktion des Lykurgos in der Verwaltung des Staatsschatzes [διοίκησις τῶν χρημάτων]:
Es handelte sich also um den per Dekret offiziellen, maßgebenden Text, jedenfalls für den Geltungsbereich des Dekrets.
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 14:11 Uhr (Zitieren)
an kept --> and kept
Re: Ein königlicher Büchernarr
Γραικύλος schrieb am 13.06.2020 um 14:27 Uhr (Zitieren)
Der Redner Lykurg verfügte in seiner Eigenschaft als langjähriger Verwalter des Staatsschatzes:
(Moralia 841 f.)
Es handelte sich also um eine eine per Dekret für offiziell erklärte, maßgebliche Ausgabe der Tragödien des Aisychlos, Sophokles und Euripides. Das ist natürlich ein Schatz für jede Bibliothek.