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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Exegi monumentum aere perennius (ägyptisch) (483 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.06.2020 um 15:26 Uhr (Zitieren)
Ein Papyrus aus der Zeit des Neuen Reiches in Ägypten (ca. 1250 v.u.Z.) rühmt das Leben des Schreibers und seine Bücher:
Die gelehrten Schreiber [...] haben ihr Leben vollendet,
all ihre Zeitgenossen sind in Vergessenheit geraten,
sie haben sie keine ehernen Pyramiden errichtet
mit Stelen aus Erz,
sie haben keine Erben hinterlassen, die aus ihrem Fleisch
hervorgegangen sind
und die ihren Namen verkünden könnten,
aber sie haben als Erben
kluge Bücher von ihrer Hand hinterlassen.
Ihren Werken haben sie die Aufgabe übertragen,
sie zum Grabmal zu geleiten,
und ihre Schreibtafeln sind ihre „geliebten Söhne“ geworden;
ihre Werke sind ihre Pyramiden,
ihre Schreibbinse ist ihre Nachkommenschaft, und der Stein mit
der eingravierten Schrift ihre Gemahlin.
Die Mächtigen und die Niedrigen sind ihre Kinder geworden.
Denn ihrer aller Herr ist der Schreiber.
Man hatte ihnen Tore und Schlösser errichtet,
doch Tore und Schlösser sind vernichtet.
Ihre „Priester des Doppelten“ sind verschwunden,
ihre Stelen mit Staub bedeckt,
ihre Gräber vergessen.
Und dennoch wird immer noch ihr Name genannt,
weil ihre Werke so hervorragend sind,
und ihr Andenken besteht bis in alle Ewigkeit.
Sei ein Schreiber, und halte dies fest in deinem Herzen,
damit es deinem Namen ebenso ergehe:
Ein Buch ist nützlicher als eine Stele mit Inschrift
oder eine feste Mauer.
Es ersetzt einen Tempel oder eine Pyramide,
damit der Name nicht in Vergessenheit gerät.
[...] Der Mensch vergeht, sein Körper wird wieder zu Staub,
alle Menschen um ihn herum kehren zur Erde zurück;
doch das Buch wird bewirken, daß sein Andenken
von Mund zu Mund weitergegeben wird.
Ein Buch ist mehr wert als ein festes Haus
oder auch als ein Tempel im Okzident,
mehr als eine Festung
oder eine Stele in einem Heiligtum.
[...] Die gelehrten Propheten sind nicht mehr da,
und ihre Namen wären vergessen,
wenn nicht ihre Schriften ihr Andenken bewahrten.

(Christiane Desroches Noblecourt: Ramses – Sonne Ägyptens. Bergisch Gladbach 1997, S. 383-386)

Mir fällt auf, daß einerseits die Pyramiden und Tempel sich ja auch recht gut gehalten haben, andererseits wir keine Namen von ägyptischen Autoren kennen. Ferner erscheint mir bemerkenswert, daß es um die Bewahrung des Werkes und des Namens geht, nicht hingegen um die Erhaltung der leiblichen Mumie als Basis eines jenseitigen Lebens, das nirgends Erwähnung findet.
Vom Gefühl her bin ich auf der Seite dieses - anonymen - Autors.
 
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